10-07-2024, 22:27 - Wörter:

Ana schien entschlossen, die Wunde an Gareths Bein zu versorgen, obwohl er ihr versichert hatte, dass es nur ein Kratzer sei. Er spürte, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie nun in dieser Hütte festsaßen – und das nur, weil Gareth nach ihr gesucht hatte. Doch für ihn war es keine große Sache; es war nicht das erste Mal, dass er die Nacht nicht in einem weichen Bett verbrachte. Für die Prinzessin war das natürlich etwas anderes und durchaus ungewohnt, aber der Sohn der Hohepriesterin würde dafür sorgen, dass die Rothaarige am nächsten Morgen wieder wohlbehalten bei ihrer Familie ankam.
Als Ana mit einer Flasche zum Feuer zurückkam, stellte sich heraus, dass es Whisky war. Die junge Frau war davon weniger begeistert als ihr Ziehbruder. Gareth konnte nachvollziehen, dass der Alkohol nicht Anas erste Wahl war – vielleicht wäre Wein besser gewesen. Amüsiert beobachtete er, wie sie einen kleinen Schluck nahm und prompt zu husten begann, das Gesicht verzogen. Gareth schmunzelte. „Das ist Gewöhnungssache“, erklärte er grinsend. „Man trinkt es nicht wegen des Geschmacks, sondern wegen der Wärme und manchmal auch, um die Nerven zu beruhigen.“
Als Ana erneut einen Schluck nahm und wieder das Gesicht verzog, konnte er sehen, dass sie sich bemühte, tapfer zu sein, um nicht wieder zu husten. „Nicht schlecht, Prinzessin“, sagte er anerkennend. „Du hast dich gut geschlagen.“ Er zwinkerte ihr zu und konnte nicht verhindern, dass er sie äußerst reizvoll fand mit ihren offenen roten Locken und den geröteten Wangen. Gareth nahm die Flasche, trank noch einen Schluck und versuchte, seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Schweigend hingen sie beide ihren Gedanken nach.
Die Frage nach dem heiligen Hain überraschte Gareth ein wenig, da er nicht damit gerechnet hatte. Doch er war nicht unglücklich darüber, denn es lenkte ihn ein wenig von der hübschen Prinzessin ab, die mit ihm in diesem Raum war. „Ja, ich erinnere mich.“ Er blickte in die Flammen und ließ das Bild vor seinem inneren Auge aufsteigen. „Es ist wunderschön dort. Sehr friedlich, mit ganz besonderen Energien. Magisch würden manche sagen.“
Der Sohn der Hohepriesterin hob den Blick und sah zu der rothaarigen Prinzessin. „Warum fragst du mich danach?“
