15-07-2024, 17:13 - Wörter:

“Eine sehr effektive Taktik, die Braut auf einem Elefanten zu entführen, wo sie gar nicht mehr ohne Eure Hilfe runter kann.” Wie oft man Naila selbst entführen hätte können, würde man die Sprache ihrer Elefantendame verstehen und, nun ja, an den Gardisten und an der Reisebegleitung vorbeikommen. Es musste spannend sein, zum ersten Mal auf einem zu reiten, bildeten sich ihre eigenen Erinnerungen an den ersten Ritt doch klar und deutlich vor ihr ab. Das Gefühl, sich so weit oben in Sicherheit zu wiegen, war unbeschreiblich und zu tausend Mal dem unberechenbaren Gemüt eines Pferdes oder Kamels vorzuziehen. “Ihr erinnert Euch sicher noch an Shanti, nicht? Seit ich sie habe, begleitet sie mich so oft es geht auf meine Reisen”, führte sie aus und schweifte absichtlich etwas von dem Thema ab, was sie angeschnitten hatte. “Anfangs mag es vielleicht ungewohnt sein, aber man gewöhnt sich schnell an die Höhe und lernt die Sanftmütigkeit dieser Tiere zu schätzen.” Nailas Lächeln spiegelte ihre Worte wider, aber auch ihre Freude verblasste ein wenig. Shanti zählte zu den vielen Personen und Lebewesen, die sie hier im Sommerland zurücklassen würde, wenn sie ihr neues Leben auf dem Festland antrat und sich in die Hände eines fremden Mannes begab, der sie nicht auf einem Elefanten entführen würde. Es würde auch kein Saram Amanil geben, sie würde keine sieben Schritte mit ihrem Bräutigam gehen und sich nicht in der vertrauten Umgebung ihrer Gemächer die Hände von ihrer Mutter mit Henna bemalen lassen. Wenn sie doch ihre eigene, große Reise antrat, warum tat es dann so weh, Lebewohl zu ihrer Heimat zu sagen?
Im Schatten der Bögen erklangen schwere Schritte, dahinter leichte Schritte und Naila neigte ihren Kopf, nur um ihre Gouvernante in Begleitung ihrer Sklavin zu sehen. Das Lächeln galt nun auch ihnen, als sie die Präsenz mit einem Nicken wahrnahm und sich wieder ihrem Gesprächspartner zuwandte. Noch war sie nicht fertig mit ihm und seinen Geschichten, mit denen er sie beide doch so gut abzulenken vermochte. “Tanzt Ihr gerne, Ismeth?”, knüpfte sie an seine Geschichte an und schien ehrlich interessiert daran. In ihrer Stimme schwang ein Beigeschmack mit, den sie sich nicht so recht zugestehen wollte. Denn auch hier unterschieden sich die beiden Länder. Während sie sich in Matariyya die Füße wund getanzt hätte, würde sie in Castandor an der Freude ihrer Gäste teilhaben, so hatte man sie doch zumindest unterwiesen. Eine Prinzessin tanzte nicht, bis sie nicht mehr laufen konnte, wenn sie in derselben Nacht doch noch andere Pflichten zu erfüllen hatte. Es war leichter, nicht Mittelpunkt des Geschehens zu sein. Es war leichter, nicht sie zu sein.
