24-07-2024, 20:34 - Wörter:
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Nach einem zweitägigen Ritt hatte der Ritter der Königsgarde das Hafenstädtchen Penwick Town erreicht. Alden mochte die windige Stadt, welche im Vergleich zu Spring’s Court immer klein und übersichtlich wirkte. Doch die Luft war hervorragend und die Menschen schienen immer etwas mehr Zeit zu haben als in der Hauptstadt. Alles ging gemütlicher seinen Gang und das genoss der Ritter in vollen Zügen. Immerhin hatte er nicht allzu oft die Gelegenheit aus Spring’s Court und seiner nahen Umgebung herauszukommen. Doch der Kronprinz war erkrankt und musste das Bett hüten, sodass die täglichen Trainingseinheiten und sonstigen Aufgaben, die mit Lester zu tun hatten, wegfielen. Und so hatte Alden die Gelegenheit genutzt und sich für die Überbringung eines Briefes des Königs an seine Cousine, die Fürstin von Penwick, freiwillig gemeldet.
Der Ritter trug einfache Reisekleidung ohne das Wappen der Staffords, um nicht gleich alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Manchmal war es einfach besser, unauffälliger zu erscheinen, das hatte jüngst das Ereignis in Spring’s Court gezeigt, als der Hauptmann mit dem Kronprinzen in voller Montur für einen Massenauflauf gesorgt hatte. Und das war das Letzte, was Alden im Sinn hatte. Es reichte bereits schon, dass sein schwarzes Streitross neugierige Blicke auf sich zog, da musste er nicht noch für mehr Aufruhr sorgen, indem er sich als Ritter der Königsgarde zu erkennen gab.
Es war ein sonniger Tag, als Alden in die Stadt einritt und das Pferd durch die Gassen zum Marktplatz lenkte. Er hatte den Weg relativ gemütlich zurückgelegt und dabei auf halbem Weg in einem Gasthaus übernachtet. Der Hengst hätte es sicherlich auch in einem Tagesritt geschafft, wenn Alden ihn angetrieben hätte, doch er wollte sich Zeit lassen, und den Ausflug genießen. Wie sehr er sein Leben in Spring's Court und auch die Königsfamilie liebte, war hin und wieder mal eine Luftveränderung durchaus willkommen.
Als er den Marktplatz erreichte, war dieser bereits gut besucht, denn es war gerade Markt, was für Alden gelegen kam. Er saß ab, führte den Hengst am Zügel weiter durch die Menschenmenge und steuerte einen Stand an, der Obst und Gemüse verkaufte. Dort erstand er ein Bund Karotten und eine Handvoll kleine Äpfel, von denen er dem Pferd gleich zwei ins Maul schob. Eine Karotte gab es hinterher, der Rest wanderte vorerst in die Satteltasche. Einen etwas größeren Apfel, den ihm die Bauersfrau mit einem breiten Lächeln auf ihren rosigen Wangen, dazu geschenkt hatte, gönnte er sich selber und so zogen ein Ross und sein Reiter zufrieden kauend weiter über den Marktplatz, grüßten freundlich die Leute und begutachteten die Auslagen.
An einem der Stände sah Alden eine Menschentraube, die sich um einen streitenden Händler und eine Kundin versammelt hatte. Die neugierigen Menschen tuschelten, und Alden hätte den Auflauf gemieden, hätte er nicht die Worte „Fürstin von Penwick“ aufgeschnappt. Er blickte auf und erkannte in der blonden Frau tatsächlich die Cousine des Königs. Alden schob sich den Rest des Apfels in den Mund und bahnte sich gleichzeitig einen Weg nach vorne, was nicht wirklich schwierig war, denn mit dem großen Pferd im Schlepptau wichen die Menschen schon freiwillig zur Seite.
Als er fast vorne war, sah er, dass die Fürstin offensichtlich unzufrieden mit den Preisen des Gemüsehändlers war, was er aus den Gesprächsfetzen, welche er aufschnappte, als er näherkam, herauslas. Alden war sofort klar, dass der Mann es ausnutzte, eine Frau mit recht wenig Durchsetzungsvermögen vor sich zu haben und dazu noch eine reiche. „Verzeihung, Mylady,“ sagte Alden mit ruhiger Stimme, als er sich langsam neben Grace stellte und dem Gemüsehändler einen höflichen, aber bestimmten Blick zuwarf. „Es scheint, als ob hier ein Missverständnis vorliegt. Darf ich vielleicht helfen?“
Er wandte sich an den Händler, dessen unhöfliches Verhalten in den Augen eines Ritters wie Alden absolut unakzeptabel war. „Ich bin mir sicher, dass wir zu einer Lösung kommen können, die für beide Seiten fair ist. Schließlich sollte kein Käufer für seine Besorgungen ausgenutzt werden. Und schon gar nicht, wenn es sich dabei um eine edle Dame handelt. Verstehen wir uns, guter Mann?“
Der Händler blickte mit großen Augen auf die stattliche Erscheinung des Ritters mit seinem Schlachtross und war sichtlich eingeschüchtert von Aldens entschlossener Haltung. Ihm schien es außerdem recht unangehm zu sein, dass sich die Menschentraube noch vergrößerte und nun alle mitbekamen, wie er versucht hatte, die Fürstin von Penwick über den Tisch zu ziehen. Er murmelte etwas von einem „Fehler“ und bot Grace den gewünschten Preis an, der nun deutlich moderater war. Als er das Gemüse in den mitgebrachten Korb packte, nickte Alden zufrieden und lächelte Grace an. „Darf ich euch begleiten, Lady Grace? Ich wollte sowieso zu Euch, denn ich habe einen Brief von eurem Cousin König Charles.“
