01-08-2024, 17:22 - Wörter:
lost in the trance
of another Arabian night
Drei Wochen waren vergangen. Drei quälend lange Wochen, in denen Yasirah vor Einsamkeit verging. Keine warmen Hände, die auf ihrem Körper ihrer Wanderlust frönten und keine fordernde Zunge, die Einlass in ihren Mund erbat. Stattdessen Gespräche voller Sorgen, Ängste und manchmal auch Zwietracht. Viele Gespräche bis tief in die Nacht mit @Nadir ben Sahid, die ebenso wenig Erleichterung brachten, wie die auf offizieller Seite. Es war ein Teufelskreis. Die Stimmung in ihrem eigenen Land wurde schlimmer und schlimmer, die Unruhen lauter und die Menschen verzweifelter. Immer wieder berichteten Boten von Aufständen, kleineren Versammlungen und weiteren besorgniserregenden Ereignissen. Die Sorgesfalten auf der Stirn der Königin wurden tiefer. Und der Zustand ihres Mannes blieb weiterhin unverändert. Seine Paranoia machte beinahe jedes normale Gespräch unmöglich, sein hektischer Blick durch seine Gemächer bestätigte nur das, was man ihm von Weitem schon ansehen konnte. Ridvan ben Sahid war nicht mehr in der Lage zu regieren. Der Königin war ein Häufchen Elend geworden. Von dem einstigen schönen Mann, den Yasirah vor vielen Jahren geheiratet hat, war kaum mehr etwas übrig. Der strahlende Glanz war erloschen und es blieb ein gebrochener Mann zurück. Ein Mann, der eigentlich auf dem Thron dieses Landes saß. Jemand, der Entscheidungen treffen musste. Dringend. Stattdessen hatte seine Frau alle Geschäfte inoffiziell übernommen. Es hatte viel Getuschel in Reihen der Berater gegeben, doch noch duldeten sie offenbar die Entschuldigungen und Erklärungen, die ihnen die Königin immer wieder auftischte. Sie hatte keine Ahnung, wie lange das Alles noch gut gehen würde. Mittlerweile machte auch sie sich große Sorgen.
Als wäre der alltägliche Wahnsinn noch nicht genug, war an diesen Tagen außerdem eine ganz besonders große Regenwolke über dem Kopf der jungen Königin zu sehen. Die Augen matt vor Trauer, während sie versuchte böse Miene zu einem guten Spiel zu machen. Denn heute war der Tag, an dem ihre Tochter heiratete. Naila ben Sahid wurde zu Naila Castellanos - eine Tatsache, die der Mutter beinahe körperliche Schmerzen bereitete. Die Tatsache, dass sie der Hochzeit aufgrund der politischen Lage nicht beiwohnen konnte, ließ sie beinahe durchdrehen. In ihren Gemächern tigerte sie auf und ab, verscheuchte alle Diener mit größter Leidenschaft und schaffe es kaum ein paar saftige Beeren zu sich zu nehmen. Doch nachdem sie abermals heute morgen das Gespräch mit ihrem Mann gesucht hatte und dieser kaum ihren Worten zuhören konnte, ohne an seinen Fingern zu knibbeln oder mit seinem Fuß zu wippen, hatte sie er genauso abermals aufgeben.
Und nun wartete sie. Einen Boten hatte sie vor ca. einer Stunde ausgesandt, dass sie ihren Berater zu sehen wünscht. Ein spontanes und unaufschiebbares Gespräch hatte sie als Vorwand genutzt, um den Elefantenzüchter zu sich ins Schloss zu zitieren. Wenn sie schon genug Zeit hatte in ihren Gemächern hin und her zu laufen, dann konnte sie sich die Zeit auch tausend Mal besser vertreiben. Obwohl die Königin noch nicht wusste, in welcher Verfassung sie ihm gleich gegenüber treten würde. Die Sorgen um ihre Zukunft (und die ihrer Tochter) lasteten schwer auf ihren Schultern.
