09-08-2024, 21:14 - Wörter:
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Für Alden war es tatsächlich ungewohnt, mit einer Dame über die Gepflogenheiten des Ritterlebens zu sprechen. Doch das aufrichtige Interesse der jungen Fürstin freute ihn. Wie alles, was er in der kurzen Zeit ihrer Bekanntschaft von ihr erfahren hatte, war auch dieses Interesse echt, das spürte der Ritter. So beantwortete er ihre Fragen über die Königsgarde bereitwillig, wenn auch oberflächlich – über Saufgelage oder Bettgeschichten wollte man schließlich nicht unbedingt mit einer Fürstin sprechen.
Grace hörte aufmerksam zu und stellte weitere Fragen, die allmählich in genau diese Richtung gingen. Alden schwieg einen Moment, lächelte dann jedoch verständnisvoll, als sie im Eifer des Gefechts mehr sagte, als für eine edle Dame üblich war. „Keine Sorge, Mylady, ich verstehe, was euch umtreibt. Aber ich kann euch versichern, dass viele unserer Aufgaben alles andere als aufregend sind. Oft stehen wir stundenlang im Hintergrund, um sicherzustellen, dass niemand der königlichen Familie während Empfängen oder dergleichen zu nahe kommt. Das kann durchaus langweilig und eintönig sein.“
Alden hoffte, Grace damit ein wenig die Illusion zu nehmen, dass das Leben einer Fürstin weniger spannend sei als das eines Ritters, welches durchaus nicht nur aus Abenteuern bestand, ohne jedoch ihre Neugier auf den Ritteralltag zu dämpfen. „Nun, wir treffen uns oft in einer Taverne in Spring’s Court. Aber bevor Ihr fragt, ich glaube kaum, dass Ihr solch ein Etablissement aufsuchen wollt, wenn Ihr in die Hauptstadt kommt, oder?“ Er zwinkerte ihr zu, wobei er sich lebhaft vorstellen konnte, dass gerade solche Orte sie faszinierten. „Wir finden sicher einen angemesseneren Ort, an dem Ihr die Ritter der Königsgarde treffen könnt, Mylady.“ Er hielt inne, als er bemerkte, wie Grace eine Haarsträhne hinter ihr Ohr schob, während ihre Miene einen inneren Konflikt verriet, den Alden nur erahnen konnte. Obwohl er eine Vermutung hatte, schwieg er darüber.
Als Grace gespielt entrüstet auf seine Frage reagierte, welche Informationen über ihn in ihren Briefen an Eleanor stehen könnten, schmunzelte Alden und legte die Hand auf die Brust, um sich leicht zu verbeugen. „Verzeiht meine unpassende Neugier, Mylady.“ Ihr helles Lachen und die funkelnden Augen verzauberten ihn erneut, sodass er beinahe ihre nächsten Worte überhörte. Er atmete hörbar aus und stellte fest, dass er die Luft angehalten und sie angestarrt hatte. Was hatte sie gesagt? Nur lobende Worte und ein paar zusätzliche Anmerkungen? „Das freut mich wirklich sehr.“
Der Ritter versuchte seine Gefühle zu ordnen, indem er sich auf Hercules konzentrierte und dem Hengst eine Karotte aus der Satteltasche anbot. Der Hengst freute sich natürlich über diese seltenen Leckerbissen, welche es am heutigen Tag erstaunlich viele gab. Fast war Alden dankbar, dass das Gespräch auf ein ernstes Thema wie den Krieg kam, das ihn wieder abkühlte. Natürlich verstand er die Sorgen und Ängste der jungen Fürstin um die Sicherheit der königlichen Familie. Doch schienen seine Beteuerungen, alles in seiner Macht Stehende für die Staffords zu tun, nicht auszureichen, um sie zu beruhigen. Mit großen Augen blickte Grace ihn furchtsam an, sodass er sich zurückhalten musste, um sie nicht in seine Arme zu ziehen, um ihr die Angst zu nehmen. Schließlich befanden sie sich noch immer mitten in Penwick Town. Ihre Sorge um sein Wohl berührte ihn zutiefst. „Ich danke Euch, Mylady. Eure Gebete werden gewiss hilfreich sein. Aber bitte habt keine Furcht, ich werde gut auf mich achten. Und die anderen Ritter auch, wir passen aufeinander auf.“ Ihr Humor brachte ihn erneut zum Schmunzeln. „Oh, dann werde ich wohl dafür sorgen müssen, dass Ihr mich findet, wenn Ihr in die Hauptstadt kommt, Lady Grace.“
Kaum getan, bereute es der Ritter bereits, die Fürstin mit einem Handkuss aus der Fassung gebracht zu haben. Grace durchschaute das Spiel schnell, doch Alden fühlte sich unangenehm berührt bei dem Gedanken, dass sie ihn für einen Schürzenjäger halten könnte. Er wollte nicht oberflächlich erscheinen, was ihn selbst überraschte, denn normalerweise kümmerte ihn das nicht. Es war nun einmal so, dass Alden die Frauen liebte und sie ihn. Und es lag in seiner Natur, Beziehungen zu beenden, sobald er sich neu verliebte. Keine seiner Beziehungen dauerte lange, was ihn bislang auch nicht gestört hatte – oder zumindest hatte er sich verboten, zu viel darüber nachzudenken. Denn dann hätte er sich eingestehen müssen, dass er Angst vor dem Alleinsein hatte und deshalb vermied er es, allzu viele einsame Nächte zu verbringen.
Doch die Fürstin war anders. Abgesehen davon, dass er mit dem Feuer spielte, da sie verheiratet und standesgemäß weit über ihm war, unterschied sie sich auch in ihrem Wesen von den Frauen, mit denen Alden sonst zu tun hatte. Sie schien ein ehrliches Interesse an ihm als Mensch zu haben, was ihn tiefer berührte, als er es in Worte fassen oder begreifen konnte. Selten hatte sich eine seiner Herzensdamen wirklich für ihn interessiert und etwas anderes hören wollen als die Komplimente, die er ihr ins Ohr flüsterte.
Auf seine Entschuldigung hin versicherte Grace ihm, dass er nicht zu aufdringlich gewesen sei, sie jedoch ihre eigenen Schlüsse aus seinem Verhalten gezogen hätte. Was genau sie damit meinte, ließ sie offen, doch Alden fühlte sich ertappt, vor allem, da sie ihn wissend angrinste. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Segel zu streichen und es mit Humor zu nehmen. „Vor Eurem Scharfsinn muss ich mich wirklich in Acht nehmen, wie mir scheint.“ Er erwiderte ihr Lächeln charmant. Doch dann hoben sich seine Augenbrauen, als die Fürstin nachdenklich wurde und er ihr aufmerksam zuhörte. Ihre Worte waren nicht das, was eine Dame adliger Herkunft normalerweise zu einem Mann sagte, den sie kaum kannte. Alden fragte sich, ob Grace dies auch in Gegenwart ihres Gemahls gesagt hätte.
Einen Moment lang dachte er über die Tiefgründigkeit ihrer Worte nach, dann nickte er. „Ich verstehe, dass ein hoher Stand auch eine Bürde sein kann, die es erschwert, gewisse Seiten von sich zu zeigen. Doch es gibt immer Wege, diese Charakterzüge zumindest ein wenig auszuleben, wenn man dazu bereit ist.“ Sein Blick suchte den ihren, um zu sehen, wie sie auf seine zweideutige Antwort auf ihr ebenso zweideutiges Bekenntnis – falls es eines war – reagieren würde. „Ich würde gerne jede Seite, jeden Charakterzug von Euch kennenlernen, Grace.“
Die Fürstin schüttelte lachend den Kopf, als Alden von der versuchten Entführung des Kronprinzen erzählte, als hätte er soeben einen Witz gemacht. Alden runzelte leicht die Stirn. „Das ist kein Märchen, Mylady. Sie hatten eine der Hofdamen erpresst. Womit, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber sie sorgte dafür, dass die Entführer Zugang zum Palast erhielten. Allerdings bekam sie wohl kalte Füße und informierte die Garde.“ Warum auch immer, schien Grace ihm die Geschichte nicht zu glauben – schließlich wussten nur wenige, außer dem König, dass es überhaupt geschehen war. Und warum Charles es vor seiner Cousine geheim gehalten hatte, lag auf der Hand.
Als sie ihn fragte, was er mit diesen Menschen gemacht hatte, zögerte Alden kurz. Grace war nicht naiv, aber dennoch behütet aufgewachsen und hatte vermutlich noch nie mit derart kriminellen Gesellen zu tun gehabt. Auf der anderen Seite hatte sie gefragt, also warum sollte er nicht antworten? Vielleicht würde ihr das die Begeisterung für das aufregende Ritterleben etwas nehmen. „Nun, wenn Ihr es unbedingt wissen wollt, sie wurden vom König verurteilt, bis auf einen. Den habe ich getötet, weil er mich angegriffen hat“, sagte Alden nüchtern und deutete dann auf seine rechte Bauchseite. Er beugte sich leicht vor und raunte ihr zu: „Er hat mich hier verletzt. Ich würde Euch die Narbe ja gerne als Beweis zeigen, Mylady, aber ich denke, es schickt sich nicht, wenn ich mich hier mitten in der Stadt ausziehe.“
Alden richtete sich wieder auf und grinste die junge Frau an, bevor er leicht am Zügel zog, damit Hercules sich wieder in Bewegung setzte. Während sie weitergingen, dachte er kurz über Graces Angebot nach, ihr eine Frage zu stellen. „Nun, ich würde gerne mehr über diese Seiten oder Charakterzüge erfahren, die weder vornehm noch liebenswert sind. Wenn Ihr darüber sprechen möchtet, Mylady.“
