18-08-2024, 11:24 - Wörter:
lost in the trance
Als das zaghafte Klopfen ihrer Bediensteten ihren Gast ankündigte, atmete sie erleichtert aus. Fordernd füllten sich ihre Lungen sogleich wieder mit dem rettenden Sauerstoff, nachdem sie die letzten paar Minuten gefühlt nur die Luft angehalten hatte. Es war die Spannung, die ihren Körper dominierte, die Gedanken an ihre Tochter, die ihr den letzten Nerv raubten. Sie hätte dort sein müssen! Yasirah, die Königin, hätte vor Ort sein müssen und Naila an diesem Tag begleiten sollen, doch Ridvans Gesundheitszustand ließ eine Reise nicht zu. Und obwohl sie sich immer wieder versuchte einzureden, dass es keine böse Absicht ihres Gemahls war, nahm sie ihm diese Tatsache übel. Er war der Grund für ihre schlaflosen Nächte - und das leider nicht (mehr) im positiven Sinne. Und gleichzeitig war seine noch immer vor sich hin vegetierende Existenz der Grund dafür, dass sie ihre Nächte nicht mit einem anderen schönen Körper teilen durfte. Es war ein Teufelskreis schlechthin und auch wenn die sommerländische Königin schon diverse Optionen gedanklich durchgespielt hatte, hatte sie bislang noch keine davon weiter verfolgt. Aktuell gab es andere Dinge, die ihre Aufmerksamkeit bedurften. Ihr Rat bat immer wieder darum sich etwas gemeinsam mit dem König zu überlegen, um das gemeine Volk zu beruhigen. Monatelang hat sie nur mit einem Abwinken der Hand reagiert, die Tatsache ignorierend, dass der Rat schon früh gemerkt hat, in welche Richtung sich die Stimmung der Gesellschaft bewegt. Viel zu lange hat sie die Ernsthaftigkeit dieses Problems ignoriert und bekam nun die Strafe für das, was eigentlich ihr Mann schon vor vielen Jahren verbockt hatte. Verärgert verzog sie die Lippen.of another Arabian night
Nachdem die Tür einen kleinen Spalt geöffnet wurde und die Königin hinter ihrer Bediensteten den muskulösen Körper ihres Beraters erkannte, nahm die Spannung für ein paar Sekunden ab. Genießerisch atmete sie tief durch und bedeutete der Dienerin ihren Gast einzulassen. Nach nur wenigen Sekunden stand Ismeth endlich in ihren Gemächern, verbeugte sich vor seiner Königin und bot ihr jetzt schon alles an, was er besaß. Sein Wesen, seine Seele, seinen Körper. Und sie wollte alles davon. Nur die Reihenfolge war ihr noch nicht ganz klar.
"Ich brauche einen freien Kopf, Geliebter", flüsterte sie voller Sehnsucht nach einfacheren Tagen. "Es ist so viel geschehen, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll", entgegnete sie resigniert und strich sich die dunklen Haare aus dem Gesicht. Noch immer hatte sie ihr aufwendig verziertes Kleid vom Tage an, die Haare teils offen und teils in dünnere Zöpfe geflochten und mit goldenen Schmuckstücken verziert. Ganz das Abbild einer stolzen Königin. Wären da nicht die gebeugten Schultern, die von der Last kündeten, die sie trug.
"Und als wäre das Alles hier in Matariyya noch nicht genug, so ist meine Tochter in Castandor -", den Namen der neuen Heimat von Naila spie sie beinahe aus wie stinkenden Fisch "- und feiert dort ihre Hochzeit. Ich gönne ihr dieses Glück von Herzen, wirklich. Aber... ich hätte dort sein müssen", endete sie so leise, dass sie sich gar nicht sicher war, ob er ihre Worte noch verstehen konnte.
