25-08-2024, 21:45 - Wörter:
![[Bild: b79e0f866d931bfd2d01d6132e7fdb0500441d86.gif]](https://64.media.tumblr.com/41d7df791a3847d2c24d9f6b49774696/a47401e37a24621b-8e/s400x600/b79e0f866d931bfd2d01d6132e7fdb0500441d86.gif)
Kenmara, seine neue Heimat, die irgendwie mehr zu ihm passte, als ihm lieb war. Mathúin war insgesamt ein markanter Mensch, äußerlich und innerlich. Seine Züge waren streng und kantig, und sein Charakter scharf und spitz. Und doch hatte auch Kenmara seine weichen Züge, wenn auch hinter versteckten Mauern. Da war zum Beispiel seine Ehefrau Liadhnán, die mehr Güte und Sanftheit besaß als jedes Märchenwesen, über das in Farynn erzählt wurde. Die kleinen Ecken, die jene so warm und fast schon kuschelig eingerichtet hatte, dass der Sturm von draußen ihnen nichts anhaben konnte. Sein Arbeitszimmer hingegen, in dem er sich jetzt befand, hatte nichts von einer Sanftheit, die er sich manchmal fast schon herbei sehnte. Die letzten Jahre hatten es nicht besser gemacht: zuerst die Trennung von seiner Zwillingsschwester, dann die Krankheit und der Tod seiner Mutter und vor Kurzem auch noch das große Unglück von Kenmara selbst, in dem viel zu viele Menschen ihr Leben verloren hatten. Zudem war er viel zu schnell Fürst von Kenmara geworden, eine Aufgabe, die er erst in einigen Jahren gesehen hatte, und doch lastete sie nun auf seiner Schulter. Die meisten Menschen würden ihn wohl undankbar nennen, weil er sich so schwer damit tat, in diese Rolle zu schlüpfen, doch Mathúin war nicht wirklich dafür gemacht worden. Er hatte immer ein recht freies Leben geführt, hatte viel Zeit draußen verbracht und war so dem Ernst des Lebens ein wenig entgangen. Schriften, die von Legenden und Mythen handelten, hatten ihn zudem immer sehr gefesselt, und er war ein ganz typischer Mann Farynns. Einzig und allein der Glaube zur großen Mutter fehlte ihm; vielleicht nicht ganz, aber er hatte einen deftigen Dämpfer bekommen. Er fragte sich immer noch, wo die große Mutter war, als eine ihrer frommsten Gläubigen von dieser Welt gegangen war.
Auch heute war ein Abend, in dem Mathúin, was übersetzt Bär bedeutete, in seinem Arbeitszimmer verbrachte. Doch erst, als er aus dem Fenster sah, direkt auf das tosende Meer, bemerkte er, dass es schon viel später war als angenommen. Die Kerze war schon fast komplett heruntergebrannt, und er seufzte lautlos, als er das viele Pergament vor sich auf dem großen Schreibtisch liegen sah. Die Geschäfte liefen gut, das war es nicht, was ihm Sorgen machte. Denn sie hatten hier alles, was das Herz begehrte: Fischhandel, Wal, Perlen, Schmiedereien, all das konnte sich gut verkaufen lassen. Doch es war die große Menge und das Vertrauen, das nun in ihn gesetzt wurde. Er war trotz allem noch ein Fremder, eingeheiratet, und das Volk hier hatte seinen vorherigen Fürsten gemocht. Sein Schwiegervater war zwar streng und unnahbar gewesen, doch stets gerecht und arbeitswillig. Es waren große Fußstapfen, in die Mathúin schnell treten musste. Als er hochsah, weil er dachte, etwas gehört zu haben, erblickte er plötzlich in das weiche Gesicht seiner Frau, die in ihrem Nachthemd aussah wie ein mystisches Fabelwesen. Ihre hellen Haare rahmten ihr Gesicht ein und sie sah ihn aus einer Mischung aus Besorgnis und Müdigkeit an.
Mathúin tat sich schwer in der Ehe: nicht, weil er Liadhnán nicht mochte, er fand sie durchaus interessant und anders als alle Menschen, die er jemals kennengelernt hatte. Doch er war scharf, wo sie weich war. Sie waren so unterschiedlich, und er wusste nicht, wie sie ihn je würde lieben können. “Liadhnán”, sprach der Fürst also leise und bestimmt aus und stand auf, um zu ihr zu gehen. “Du solltest schon längst schlafen. War ich zu laut oder hat dich etwas Anderes geweckt?” Unschlüssig blieb er vor ihr stehen, selbst unsagbar müde, doch er wusste, dass der Schlaf ihn nicht wieder holen würde. Seit dem Tod seiner Mutter war es schwierig geworden, Erholung zu finden, die Schlaflosigkeit war ein treuer Freund geworden. “Ich habe vorhin übrigens noch dein fertig gemaltes Bild gesehen, es ist wirklich überaus schön geworden. Du kannst sehr stolz auf deine künstlerischen Fähigkeiten sein. Möchtest du es in unserem Schlafgemach anbringen?”
Auch heute war ein Abend, in dem Mathúin, was übersetzt Bär bedeutete, in seinem Arbeitszimmer verbrachte. Doch erst, als er aus dem Fenster sah, direkt auf das tosende Meer, bemerkte er, dass es schon viel später war als angenommen. Die Kerze war schon fast komplett heruntergebrannt, und er seufzte lautlos, als er das viele Pergament vor sich auf dem großen Schreibtisch liegen sah. Die Geschäfte liefen gut, das war es nicht, was ihm Sorgen machte. Denn sie hatten hier alles, was das Herz begehrte: Fischhandel, Wal, Perlen, Schmiedereien, all das konnte sich gut verkaufen lassen. Doch es war die große Menge und das Vertrauen, das nun in ihn gesetzt wurde. Er war trotz allem noch ein Fremder, eingeheiratet, und das Volk hier hatte seinen vorherigen Fürsten gemocht. Sein Schwiegervater war zwar streng und unnahbar gewesen, doch stets gerecht und arbeitswillig. Es waren große Fußstapfen, in die Mathúin schnell treten musste. Als er hochsah, weil er dachte, etwas gehört zu haben, erblickte er plötzlich in das weiche Gesicht seiner Frau, die in ihrem Nachthemd aussah wie ein mystisches Fabelwesen. Ihre hellen Haare rahmten ihr Gesicht ein und sie sah ihn aus einer Mischung aus Besorgnis und Müdigkeit an.
Mathúin tat sich schwer in der Ehe: nicht, weil er Liadhnán nicht mochte, er fand sie durchaus interessant und anders als alle Menschen, die er jemals kennengelernt hatte. Doch er war scharf, wo sie weich war. Sie waren so unterschiedlich, und er wusste nicht, wie sie ihn je würde lieben können. “Liadhnán”, sprach der Fürst also leise und bestimmt aus und stand auf, um zu ihr zu gehen. “Du solltest schon längst schlafen. War ich zu laut oder hat dich etwas Anderes geweckt?” Unschlüssig blieb er vor ihr stehen, selbst unsagbar müde, doch er wusste, dass der Schlaf ihn nicht wieder holen würde. Seit dem Tod seiner Mutter war es schwierig geworden, Erholung zu finden, die Schlaflosigkeit war ein treuer Freund geworden. “Ich habe vorhin übrigens noch dein fertig gemaltes Bild gesehen, es ist wirklich überaus schön geworden. Du kannst sehr stolz auf deine künstlerischen Fähigkeiten sein. Möchtest du es in unserem Schlafgemach anbringen?”
