08-09-2024, 17:26 - Wörter:
Ihr Lächeln verwirrte ihn und er konnte nicht einmal sagen, warum. Also sah er sie eine Weile lang schweigend an, wortkarg wie er eben war, wenn er in der Nähe von fast Fremden war. Doch Liadhnán war ihm nicht gänzlich fremd, und sie war immerhin seine Frau. Fast schon schüchtern streckte er also seine Hand aus, und legte sie versuchend auf ihre Wange. Vorsichtig streichelte er mit seinem Daumen darüber, probierte aus, wie es sich anfühlte. Dann erst setzte er ebenfalls ein Lächeln auf. “Du und deine Bescheidenheit”, antwortete er nur kopfschüttelnd, doch seine sanfte Stimme machten die Worte ein wenig schwächer als gemeint. “Ich finde, dass Menschen ruhig zugeben können, wenn sie etwas gut machen. Und du malst wirklich wunderbar, Liadhnán.” Dann ließ er seine Hand wieder fallen und von ihrer weichen Haut gleichen. In ihrem Nachtgewand und im Schein der Kerze sah sie fast wie eine Figur aus ihren geliebten Märchen aus, und Mathúin seufzte, weil er ihr in der Richtung nicht das Wasser reichen konnte. Er wirkte meist grob und hart, doch eigentlich war er im Herzen ein gerechter und liebender Mensch, vor allem für seine Familie und Freunde. Als er ihr den Vorschlag machte, das neue Bild in ihr Schlafgemach zu hängen, widersprach sie ihm, und er sah sie überrascht an, denn das kam wirklich nicht oft vor. Meistens war sie viel zu respektvoll, viel zu unnahbar in seiner Gegenwart, und es ärgerte ihn dann, dass sie ihn nicht einmal in der Zweisamkeit duzte. “Du darfst mir ruhig sagen, wenn ich müde aussehe, Liebste. Und zudem wünsche ich mir, dass du mich, wenn wir unter uns sind, frei ansprichst. Es gibt keinen Grund, dass du mich mit Euch und Euer ansprecht. Das Thema hatten wir doch schon öfter.” Ein wenig streng sah er sie an. “Wohin soll das Bild dann gebracht werden? Ich werde morgen die Order geben, denn es ist viel zu schön, um im Keller zu versauern.”
Mathúin wurde von einem verräterischen Gähnen heimgesucht, das wohl Bände sprach, und so sah er seine Ehefrau entschuldigend an. “Du hast Recht, ich bin wohl wirklich müder als gedacht. Aber wieso kannst du denn nicht schlafen, wenn ich hier noch etwas arbeite?” Und wie hatte sie das nur vor ihm gemacht? Mathúin wusste, dass selbst wenn er müde war, der Schlaf immer eine Weile brauchte, bis er ihn heimsuchte. Sie beide hatten ein sehr ungutes Verhältnis zueinander, denn seit dem Tod seiner Mutter war er nachts oft unruhig und der Schlaf fand ihn nur nach Stunden oder gar nicht. “Du bist wirklich zu freundlich, Liadhnán”, lachte er auf ihren Vorschlag hin, doch er ging erneut hinter seinen Schreibtisch und deutete auf den anderen freien Stuhl. “Doch wenn du möchtest, kannst du mir die nächste halbe Stunde noch Gesellschaft leisten. Während ich das hier fertig mache, erzähl mir gerne etwas.” Der dunkelhaarige Fürst setzte sich an den wuchtigen Schreibtisch, für den er nie gemacht worden war, und widmete sich wieder dem Pergament, an dem er bis eben gesessen hatte. Er war für das hier nie wirklich vorbereitet worden, und er hatte nie gedacht, irgendwann als Fürst von Kenmara zu leben. Seine Mutter, die so sehr an die Große Mutter geglaubt hatte, hatte ihm eine große Zukunft vorhergesagt, und er hatte ihr nie geglaubt. Mathúin war in seinen Gedanken gefangen, und die Feder in seiner Hand hielt still, obwohl sie eigentlich über das Pergament kritzeln sollte. “Weißt du”, sagte er dann in die ruhige Nacht hinein. “Die Menschen hier tun sich schwer mit mir. Ich denke, es wäre einfacher gewesen, wenn ich nicht Fürst geworden wäre, denn sie hängen immer noch sehr an deinem Vater. Ich habe nicht das Gefühl, je in seine großen Fußstapfen treten zu können. Die raue See, die starken Winde, sie denken nicht, dass ich damit klarkomme.” Das waren sehr ehrliche Worte für ihn, doch er hatte sie in diesem Moment einfach aussprechen müssen.
Mathúin wurde von einem verräterischen Gähnen heimgesucht, das wohl Bände sprach, und so sah er seine Ehefrau entschuldigend an. “Du hast Recht, ich bin wohl wirklich müder als gedacht. Aber wieso kannst du denn nicht schlafen, wenn ich hier noch etwas arbeite?” Und wie hatte sie das nur vor ihm gemacht? Mathúin wusste, dass selbst wenn er müde war, der Schlaf immer eine Weile brauchte, bis er ihn heimsuchte. Sie beide hatten ein sehr ungutes Verhältnis zueinander, denn seit dem Tod seiner Mutter war er nachts oft unruhig und der Schlaf fand ihn nur nach Stunden oder gar nicht. “Du bist wirklich zu freundlich, Liadhnán”, lachte er auf ihren Vorschlag hin, doch er ging erneut hinter seinen Schreibtisch und deutete auf den anderen freien Stuhl. “Doch wenn du möchtest, kannst du mir die nächste halbe Stunde noch Gesellschaft leisten. Während ich das hier fertig mache, erzähl mir gerne etwas.” Der dunkelhaarige Fürst setzte sich an den wuchtigen Schreibtisch, für den er nie gemacht worden war, und widmete sich wieder dem Pergament, an dem er bis eben gesessen hatte. Er war für das hier nie wirklich vorbereitet worden, und er hatte nie gedacht, irgendwann als Fürst von Kenmara zu leben. Seine Mutter, die so sehr an die Große Mutter geglaubt hatte, hatte ihm eine große Zukunft vorhergesagt, und er hatte ihr nie geglaubt. Mathúin war in seinen Gedanken gefangen, und die Feder in seiner Hand hielt still, obwohl sie eigentlich über das Pergament kritzeln sollte. “Weißt du”, sagte er dann in die ruhige Nacht hinein. “Die Menschen hier tun sich schwer mit mir. Ich denke, es wäre einfacher gewesen, wenn ich nicht Fürst geworden wäre, denn sie hängen immer noch sehr an deinem Vater. Ich habe nicht das Gefühl, je in seine großen Fußstapfen treten zu können. Die raue See, die starken Winde, sie denken nicht, dass ich damit klarkomme.” Das waren sehr ehrliche Worte für ihn, doch er hatte sie in diesem Moment einfach aussprechen müssen.
