08-09-2024, 22:29 - Wörter:
![[Bild: tumblr_nj0ip5wBCQ1s98i4xo2_250.gif]](https://64.media.tumblr.com/b4f9203b9002ff4d48d87aeac78ec190/tumblr_nj0ip5wBCQ1s98i4xo2_250.gif)
Alden hob die Augenbrauen und neigte zustimmend den Kopf, während der Fürst unaufhörlich seine Gemahlin lobpreiste. Obwohl er die Meinung absolut teilte, war dem Ritter bewusst, dass er sich hüten musste, Grace seinerseits zu sehr zu loben, um nicht unnötig Misstrauen zu wecken. Er nickte, als Thomas andeutete, dass er ein Wettschießen durchaus in Betracht zog. Dabei ließ Alden lieber unerwähnt, dass er mit seinen Freunden solche Wettkämpfe oft bei fortgeschrittenem Alkoholpegel und mit verbundenen Augen veranstaltete. Die gesamte Unterhaltung war von einer gewissen Spannung geprägt, sodass Alden es für klug hielt, auf der Hut zu bleiben. Er vermutete, dass Thomas gute Beziehungen zum Cousin seiner Frau hatte, und das Letzte, was er wollte, war, dass dieser ihn beim König anschwärzte. Die Art, wie der Fürst auf den Namen Sutherland reagiert und ihn behandelt hatte, machte Alden deutlich, wie vorsichtig er sein musste.
„Da stimme ich Euch natürlich zu, Euer Gnaden“, sagte Alden, als es um den Besuch einer Taverne ging und dass dies kein Ort für die Fürstin sei. Er verbarg ein Schmunzeln hinter seinem Bart. Wäre Thomas darüber informiert gewesen, dass Alden gerade eine Taverne im Sinn hatte, welche er mit seiner Frau besuchen wollte, wenn sie nach Spring's Court kam, hätte er sie sicher vor ihm weggeschlossen und ihn vom Hof gejagt.
Als Grace freundlicherweise bereit war, Alden die Stallungen zu zeigen, war der Gesichtsausdruck des Fürsten eindeutig missbilligend. Alden bemerkte den finsteren Blick, den Thomas ihm zuwarf, als er der Fürstin folgte. Dies bestärkte ihn in dem Gedanken, sich vielleicht lieber ein Zimmer in der Stadt zu suchen, um weiteren Unmut des Hausherrn zu vermeiden. Er teilte seine Überlegungen Grace mit, als sie die Stallungen erreichten und er ihr den Korb mit den Einkäufen zurückgab. Der Ritter bemühte sich, eine gewisse Distanz zu wahren und sprach Grace förmlich an, während er es vermied, sie direkt anzusehen. Das veranlasste die junge Frau erneut, sich für sein Unbehagen und Thomas' Verhalten zu entschuldigen.
„Euer Gnaden, es gibt nichts, wofür Ihr Euch entschuldigen müsst. Die Anspannung liegt nicht in Eurer Verantwortung.“ Er sprach leise und streichelte Hercules sanft über die Nase. Die Geste beruhigte ihn, und er atmete tief durch. „Euer Mann ist über meine Anwesenheit unzufrieden, was ich respektiere. Dennoch gestehe ich, dass ich die Situation nicht vollständig vorhergesehen habe. Ich wollte keine Unruhe stiften und möchte nicht der Grund für weitere Spannungen sein, unter denen Ihr dann leiden müsst.“
Sein Blick wanderte erneut zu Grace, als sie mit einem scheuen Lächeln meinte, er müsse sie nicht euer Gnaden nennen und dass sie das ungezwungene Gespräch sehr geschätzt hätte. Der Wechsel von „Mylord“ zu einem vertraulichen „Du“ traf ihn unerwartet und ließ all seine Bemühungen um höfliche Distanz verblassen. Sein Herz klopfte laut, als er die junge Frau ansah, wie sie eine Strähne ihres Haares hinters Ohr schob. Wie gerne hätte er sie jetzt in seine Arme gezogen. Und er wusste, er konnte ihr keinen Wunsch abschlagen, auch wenn das bedeutete, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die Anfeindungen ihres Ehemanns zu ertragen.
Für einen Moment konnte Alden seine Gefühle nicht verbergen. Ihre Bemühungen, ihn zu beruhigen und die Brücke zu ihrem Ehemann zu schlagen, waren rührend, aber auch schmerzhaft, denn sie erinnerten ihn daran, dass sie nicht frei war. Die zarten Bande, die sich in so kurzer Zeit zwischen ihnen gesponnen hatten, waren gefährlich.
„Wenn es dein Wunsch ist, werde ich bleiben“, sagte Alden schließlich leise. Seine Stimme war ruhig, aber besorgt. „Doch wir müssen sehr vorsichtig mit diesen Vertraulichkeiten sein, Grace.“Er war nicht blind für die Spannung zwischen Grace und ihrem Ehemann, und die Tatsache, dass sie so darauf bedacht war, das Gleichgewicht zu wahren, machte ihm Sorgen. Trotzdem konnte er nicht anders, als ihrer Bitte nachzukommen. „Danke für deine Gastfreundschaft. Ich verspreche, alles zu tun, um weitere Unannehmlichkeiten an diesem Tag zu vermeiden.“
Nachdem Grace in die Küche gegangen war, brachte Alden Hercules in die Stallungen, wo der Stallbursche bereits auf ihn wartete, um ihm eine freie Box zu zeigen. Doch er ließ es sich nicht nehmen, sich selbst um das Pferd zu kümmern. Während der Ritter das Pferd versorgte, ließ er seine Gedanken schweifen. Es fiel ihm schwer, sich vorzustellen, wie Grace täglich mit diesem unsympathischen Kerl auskommen musste, besonders da sie sich ihm gegenüber ganz anders verhielt, als er sie auf dem Weg hierher erlebt hatte. Dennoch war sie bei weitem nicht die erste Frau, die Alden in einer solchen Situation erlebte und die in Gegenwart des charmanten Ritters geradezu aufblühte. Dennoch war Grace etwas besonderes, das spürte der Ritter nach dieser kurzen Zeit, die sie sich kannten.
Nachdem Alden sein Pferd sicher untergebracht hatte, schulterte er die Satteltasche mit seinen wenigen Reiseutensilien und ließ sich vom Stallburschen zum Haupthaus führen. Dort nahm ihn ein Diener in Empfang, sodass Alden nicht selbst durch das große Haus irren musste, um das Gästezimmer zu finden.
Das Anwesen war beeindruckend, das musste Alden neidlos zugeben und der Blick aus dem Fenster des Zimmers atemberaubend. Er stand eine Weile da und betrachtete das Meer, bevor er seine Jacke und das Hemd auszog, um sich in der bereitgestellten Waschschüssel frisch zu machen. Mit feuchten Händen strich er sich durch das Haar, um die Locken etwas zu glätten, und zog dann sein frisches Hemd an. Mehr gab es nicht zu tun, denn Alden reiste mit wenig Gepäck. Sollte der Fürst damit ein Problem haben, konnte er es nicht ändern.
Er begab sich zurück ans Fenster, um den Meerblick noch ein wenig zu genießen, bevor es Zeit für das Mittagessen war. Alden hoffte, dass Grace dafür sorgen würde, dass ein Diener ihn abholte und zum Speisesaal führte, denn er hatte keine Lust, sich durch das große Haus zu suchen.
