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My mind's a place I can′t escape your ghost
02.08.1016 - 23:00
In den Straßen
Elaine Beaufort Godwyn Wakefield

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Godwyn Wakefield
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#2
Vor zwölf Tagen hatten sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Stadt Eastergold Meadow überrannt und eingenommen. Die Bewohner waren so unvorbereitet und überrascht, dass es kaum Widerstand gegeben hatte. Godwyn war erleichtert darüber gewesen, dass das Blutvergießen auf ein Minimum beschränkt geblieben war. Obwohl er als Ritter der königlichen Garde uneingeschränkt loyal an der Seite seines Königs stand, war er keiner, der sich am Töten erfreute. Er kämpfte für seine Pflicht, nicht für Ruhm oder Blutlust.

Der Fürst von Eastergold Meadow hatte vernünftig reagiert und seine Männer zur Kapitulation aufgefordert, doch es hatte nicht gereicht, um alle zu beruhigen. Einzelne Soldaten hatten sich aufgelehnt, und es war zu kleineren Scharmützeln in den engen Straßen gekommen. Auch Unbeteiligte waren dabei ums Leben gekommen. Die Bevölkerung war tief erschüttert, die Stadt lag wie betäubt. Die ersten Tage nach der Eroberung waren unheimlich ruhig gewesen. Leere Straßen, verschlossene Türen, und jene, die fliehen konnten, waren bereits in Richtung der neu gezogenen Grenze nach Castandor aufgebrochen. Die Stadt schien den Atem anzuhalten, während sie darauf wartete, welches Schicksal Fürst Trakas ereilen würde.

König Charles hatte nach der Einnahme Boten in alle Himmelsrichtungen des Frühlingslandes geschickt, um seine Fürsten zu sich zu rufen. Auch nach Wyndshott Steading war ein Bote unterwegs gewesen. Tage später war zwar nicht sein Vater, aber Godwyns ältester Bruder Edwin eingetroffen, um für das Fürstenhaus der Wakefields zu sprechen. Das Wiedersehen der Brüder war kühl und distanziert verlaufen. Sie hatten sich in den letzten Jahren wenig zu sagen gehabt, zu viel lag zwischen ihnen, unausgesprochene Vorwürfe und schwelende Konflikte, die mit jedem Treffen neu entbrannten. Godwyns spärliche Besuche zu Hause waren stets eine Qual, vor allem, weil die Erinnerungen an Elaine ihn auf Schritt und Tritt zu verfolgen schienen. Jedes vertraute Eck, jeder Raum in der Burg ließ sie in seinen Gedanken wieder lebendig werden – ihr Lachen, das einst durch die Hallen gehallt hatte, der flüchtige Duft ihres Parfüms, der ihn in den Wahnsinn trieb, oder der Anblick ihrer dunklen Locken, die er zu sehen glaubte, wann immer er sich umdrehte.

Godwyn hatte gedacht, er wäre vorbereitet auf das, was kommen würde. Doch als die Fürsten in der großen Halle zusammentraten und das Schicksal von Fürst Trakas besiegelten, spürte er ein tiefes Unbehagen in sich aufsteigen. Die Abstimmung verlief schneller, als er es erwartet hatte, sie stimmten mehrheitlich dafür, dass Trakas hingerichtet werden sollte, trotz seiner bedingungslosen Kapitulation. Godwyn war geschockt. Er hatte gehofft, dass es zumindest eine Möglichkeit zur Gnade geben würde, doch die politischen Machtspiele der Fürsten hatten diese Hoffnung zunichtegemacht.

Als der Tag der Hinrichtung gekommen war, hatte er als Leibwache neben dem König gestanden, den Blick starr auf den Platz gerichtet, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Die Geräusche der Menge, das Murmeln, das Tuscheln – alles schien gedämpft, wie durch einen Schleier. Godwyn hatte den Kopf gesenkt, als Trakas auf das Schafott geführt wurde, und leise den Kopf geschüttelt. Es war ein Akt, den er zutiefst verabscheute. Doch was hätte er tun können? Er war ein Ritter, gebunden an seine Pflicht und seinen König. Sich dagegen aufzulehnen hätte ihn nicht nur seinen Rang, sondern vielleicht auch sein Leben gekostet.

Nach der Hinrichtung des einstigen Fürsten brach die zuvor gedrückte Stimmung in Eastergold Meadow endgültig auf. Die Stille, die die Stadt in den letzten Tagen beherrscht hatte, verwandelte sich in Chaos und Aufruhr. Die Luft war schwer von Wut, Angst und Trauer, die sich nun in Tumulten entluden.

Godwyn und die anderen Ritter hatten alle Hände voll zu tun, den König zu schützen und die Ordnung in der Stadt wiederherzustellen. Immer wieder mussten sie gegen die aufgebrachte Bevölkerung vorgehen, was zu zahlreichen Verletzten führte. Ein Gegenstand traf ihn an der Stirn, doch er schenkte dem kaum Beachtung, wischte das Blut mit dem Ärmel seiner Jacke fort und kämpfte weiter. Erst gegen Abend begann sich die Lage allmählich zu beruhigen, und die Straßen wurden wieder etwas stiller.

Erschöpft zog der Ritter der Königsgarde sich in eine der Tavernen zurück, welche den Auseinandersetzungen einigermaßen Stand gehalten hatte und bestellte einen Krug Wein, bei dem es nicht bleiben sollte. Als der Alkohol zu wirken begann und sich seine Sinne verlangsamten, verließ Godwyn die Taverne. Er brauchte frische Luft, oder besser gesagt, eine Pause vom Lärm und den Menschen. In der düsteren Seitengasse neben der Taverne suchte er eine Ecke auf, um sich zu erleichtern. Der modrige Geruch der Gasse vermischte sich mit dem alkoholischen Dunst, der von ihm ausging. Die Gasse war leer und still, ein kurzer Moment der Ruhe, den er dringend benötigte.

Godwyn lehnte sich an die Wand, während er seine Gedanken versuchte, für einen Moment zu ordnen. Die Anspannung ließ etwas nach, als er plötzlich Schritte hinter sich hörte. Erst leise, dann deutlicher. Sie waren vorsichtig, als wollte jemand unbemerkt bleiben – oder zumindest nicht sofort auf sich aufmerksam machen. Godwyn drehte sich langsam um, seine Hand unbewusst zum Schwertgriff an seiner Seite wandernd. Die Dunkelheit machte es schwer, die Gestalt zu erkennen, doch irgendetwas ließ sein Herz schneller schlagen. Da war etwas Vertrautes in der Art, wie diese Person sich bewegte.

Dann sprach sie, und Godwyn glaubte, sein Herz müsse stehen bleiben. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er die Person an, die sich langsam näherte, unfähig sich zu rühren. Das konnte nicht sein – der Alkohol musste ihm einen Streich spielen. Er kniff die Augen zusammen, um sich zu vergewissern, doch als er sie wieder öffnete, stand sie immer noch vor ihm. Es dauerte einige Sekunden, bis er seine Stimme wiederfand, und als er sprach, klang sie heiser und eingerostet, als hätte er lange nicht gesprochen. „Das kann nicht sein… du bist tot. Im Feuer gestorben. Bist du ihr Geist, der kommt, um sich zu rächen? Heofader, steh mir bei.“

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My mind's a place I can′t escape your ghost - von Elaine Beaufort - 14-09-2024, 23:00
RE: My mind's a place I can′t escape your ghost - von Godwyn Wakefield - 15-09-2024, 19:37
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