25-10-2024, 21:23 - Wörter:
Der zweitgeborene Sohn des Großkönigs war sicherlich noch sehr jung und unerfahren, was die Ränkespiele auf der Weltenbühne anging. Sein bisheriges Leben hatte aus allen Annehmlichkeiten bestanden, die man sich nur wünschen konnte. Ihm hatte es an nichts gemangelt und er hatte nach Belieben reisen und die Orte besuchen können, wie er wollte. Sicherlich hatte Orpheus seinen Blick nicht vor der Armut oder der Gewalt verschlossen, die in manchen Teilen Arcandas vorherrschte, dennoch war er immer ein Stückweit davon geschützt gewesen, hatte stets Ritter um sich gehabt, die ihr Leben für seins gegeben hätten. Und auch wenn er auf seinen Reisen vielleicht mal nicht so bequem nächtigen konnte, wie gewohnt, konnte er doch sicher sein, in seinem Zuhause immer wieder ein wohlbehütetes Heim finden zu können.
Das alles stand nun auf der Kippe und so sehr sich Orpheus auch dagegen gewehrt hatte, zu akzeptieren, dass sie sich im Krieg befanden, hatte er die bittere Pille schließlich doch schlucken müssen. Auf Dauer half es eben nicht, das Geschehen einfach zu ignorieren und wegzusehen. Es holte einen schließlich doch wieder ein. Und der Prinz musste sich seinen Verantwortungen stellen, ob er wollte oder nicht.
Nun stand Orpheus da, das Flugblatt in der Hand, und seine Augen spiegelten das Unbehagen wider, das in ihm aufstieg. Der Heermeister, Belisarius, war das Gegenteil von dem, was er anstrebte – kalt, berechnend, ein Mann, der das Schachbrett des Krieges mit einer grausamen Präzision beherrschte. Und doch... er wusste, dass es Belisarius war, der in diesen unsicheren Zeiten das Schicksal ihres Hauses mitbestimmen würde.
Orpheus konnte den spöttischen Ausdruck in Belisarius' Augen nicht übersehen, als ihm der Heermeister das Flugblatt förmlich aus seinen Händen riss. Der junge Prinz fühlte sich wie ein Kind, dessen naive Fragen ein bitteres Lächeln hervorriefen – als wäre es lächerlich, überhaupt nach Sinn und Bedeutung in den Machenschaften der Welt zu suchen. Belisarius’ Abscheu war nicht subtil, und auch wenn Orpheus wusste, dass der Kriegsherr seine Familie – und insbesondere ihn selbst – für schwach und bedeutungslos hielt, schnürte ihm die offensichtliche Geringschätzung des Mannes erneut die Kehle zu.
Seine harten Worte hallten in der großen Halle wider, durchdrungen von einem Zynismus, den Orpheus kaum ertragen konnte. Als Beliarius Fürst Athanas erwähnte, runzelte der Prinz die Stirn und hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt, dass er so blind gewesen war. Natürlich hatte Zephyr Kenntnis über diese Flugblätter, wenn nicht sogar mit dem Heermeister zusammen entworfen.
Orpheus versuchte, ruhig zu bleiben, während der Heermeister das Flugblatt ablegte, als sei es nicht mehr als eine belanglose Notiz. Stavros war der Erste, der auf dessen Worte reagierte und er sprach dem Prinzen aus dem Herzen. Im Gegensatz zu seinem aufgebrachten Cousin wählte er dann allerdings eine etwas diplomatischere Formulierung. „Ich verstehe Eure Absicht dahinter sehr gut, Belisarius. Aber wie mein Cousin sagt, kann man das der Öffentlichkeit auch anders vermitteln, nämlich indem man sie über die Fakten informiert und ihnen versichert, dass wir alles tun werden, um unser Reich zu schützen. Ihnen Hoffnung geben, anstatt noch zusätzlich unnötige Panik zu schüren.“
Bei der Erwähnung eines Attentäters am Hofe des Fürsten Athanas weiteten sich Orpheus' Augen. Zephyr hatte ihm davon nichts gesagt – allerdings hatte er seinen Mentor in letzter Zeit kaum zu Gesicht bekommen, geschweige denn die Gelegenheit gehabt, ein ruhiges Wort mit ihm zu wechseln. Orpheus war bei weitem nicht so empfindlich, wie Belisarius vielleicht annahm; er wusste sehr wohl, was mit Attentätern geschah, sobald man ihrer habhaft wurde. Mit einem leisen Seufzen massierte er die schmerzende Stelle zwischen seinen Augen, während Stavros sich entrüstet über die schroffe Behandlung des Prinzen durch den Heermeister äußerte. Natürlich hätte Orpheus auf eine korrekte Ansprache bestehen können, doch angesichts der gewaltigen Aufgabe, die vor ihnen lag, erschien ihm das fast schon lächerlich nebensächlich.
„Lass gut sein, Stavros,“ sagte er schließlich leise, seine Stimme müde und voller Resignation. „Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.“
Orpheus straffte sich, blickte zu Belisarius, der ein Schwert aufnahm und dessen Gewicht prüfte. „Nun gut, hier sind wir also“, sagte der Prinz und deutete auf die bereitliegenden Waffen. „Womit fangen wir an?“
Das alles stand nun auf der Kippe und so sehr sich Orpheus auch dagegen gewehrt hatte, zu akzeptieren, dass sie sich im Krieg befanden, hatte er die bittere Pille schließlich doch schlucken müssen. Auf Dauer half es eben nicht, das Geschehen einfach zu ignorieren und wegzusehen. Es holte einen schließlich doch wieder ein. Und der Prinz musste sich seinen Verantwortungen stellen, ob er wollte oder nicht.
Nun stand Orpheus da, das Flugblatt in der Hand, und seine Augen spiegelten das Unbehagen wider, das in ihm aufstieg. Der Heermeister, Belisarius, war das Gegenteil von dem, was er anstrebte – kalt, berechnend, ein Mann, der das Schachbrett des Krieges mit einer grausamen Präzision beherrschte. Und doch... er wusste, dass es Belisarius war, der in diesen unsicheren Zeiten das Schicksal ihres Hauses mitbestimmen würde.
Orpheus konnte den spöttischen Ausdruck in Belisarius' Augen nicht übersehen, als ihm der Heermeister das Flugblatt förmlich aus seinen Händen riss. Der junge Prinz fühlte sich wie ein Kind, dessen naive Fragen ein bitteres Lächeln hervorriefen – als wäre es lächerlich, überhaupt nach Sinn und Bedeutung in den Machenschaften der Welt zu suchen. Belisarius’ Abscheu war nicht subtil, und auch wenn Orpheus wusste, dass der Kriegsherr seine Familie – und insbesondere ihn selbst – für schwach und bedeutungslos hielt, schnürte ihm die offensichtliche Geringschätzung des Mannes erneut die Kehle zu.
Seine harten Worte hallten in der großen Halle wider, durchdrungen von einem Zynismus, den Orpheus kaum ertragen konnte. Als Beliarius Fürst Athanas erwähnte, runzelte der Prinz die Stirn und hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt, dass er so blind gewesen war. Natürlich hatte Zephyr Kenntnis über diese Flugblätter, wenn nicht sogar mit dem Heermeister zusammen entworfen.
Orpheus versuchte, ruhig zu bleiben, während der Heermeister das Flugblatt ablegte, als sei es nicht mehr als eine belanglose Notiz. Stavros war der Erste, der auf dessen Worte reagierte und er sprach dem Prinzen aus dem Herzen. Im Gegensatz zu seinem aufgebrachten Cousin wählte er dann allerdings eine etwas diplomatischere Formulierung. „Ich verstehe Eure Absicht dahinter sehr gut, Belisarius. Aber wie mein Cousin sagt, kann man das der Öffentlichkeit auch anders vermitteln, nämlich indem man sie über die Fakten informiert und ihnen versichert, dass wir alles tun werden, um unser Reich zu schützen. Ihnen Hoffnung geben, anstatt noch zusätzlich unnötige Panik zu schüren.“
Bei der Erwähnung eines Attentäters am Hofe des Fürsten Athanas weiteten sich Orpheus' Augen. Zephyr hatte ihm davon nichts gesagt – allerdings hatte er seinen Mentor in letzter Zeit kaum zu Gesicht bekommen, geschweige denn die Gelegenheit gehabt, ein ruhiges Wort mit ihm zu wechseln. Orpheus war bei weitem nicht so empfindlich, wie Belisarius vielleicht annahm; er wusste sehr wohl, was mit Attentätern geschah, sobald man ihrer habhaft wurde. Mit einem leisen Seufzen massierte er die schmerzende Stelle zwischen seinen Augen, während Stavros sich entrüstet über die schroffe Behandlung des Prinzen durch den Heermeister äußerte. Natürlich hätte Orpheus auf eine korrekte Ansprache bestehen können, doch angesichts der gewaltigen Aufgabe, die vor ihnen lag, erschien ihm das fast schon lächerlich nebensächlich.
„Lass gut sein, Stavros,“ sagte er schließlich leise, seine Stimme müde und voller Resignation. „Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.“
Orpheus straffte sich, blickte zu Belisarius, der ein Schwert aufnahm und dessen Gewicht prüfte. „Nun gut, hier sind wir also“, sagte der Prinz und deutete auf die bereitliegenden Waffen. „Womit fangen wir an?“
