28-10-2024, 20:16 - Wörter:
Daten und Rechnung lagen ihr nicht, weshalb sie gar nicht beantworten könnte, wie viele Tage seit dem Tod ihres Vaters vergangen waren. Oder Wochen. Oder Monate. Ihr Kopf arbeitete bei diesen Themen mit Gefühlen und Gedanken, aber nicht mit Fakten. Es war etwas Zeit vergangen, aber noch lange nicht genug, um sich angemessen zurecht zu finden. Um den Spagat zwischen Verpflichtung und Trauer zu schaffen. Eine Weile schritt Liadhnán stumm neben Caragh her, nicht etwa, weil ihnen beide die Worte fehlten, sondern weil sie manchmal einfach keinerlei benötigten. In der Anwesenheit ihrer Hohepriesterin fand Lia so viel Kraft und Energie, dass es sich fast anfühlte, als würden Worte diese Kräfte durchbrechen. Caragh war mehr als ihre Freundin und mehr als irgendeine Geistliche. Sie war Lias direkte Verbindung zu dem, für das sie lebte. Zu dem, weshalb sie lebte. Für sie war die Priesterin nicht vergleichbar mit irgendeinem Menschen auf dieser Welt und nur noch die Herrin vom Berg war der Mutter näher als ihre engste Vertraute.
Deshalb hatte sie sich natürlich ihren hellen Wollmantel übergeworfen, als Caragh sie dazu ermahnt hatte. Vermutlich hätte sie den wärmenden Stoff einfach vergessen und hätte erst auf dem Waldpfad die Kälte gespürt. Ihr Unterkleid setzte leicht auf dem Boden auf und weil dieser noch feucht von der verregneten Nacht war, sammelte sich mit jedem Schritt mehr Dreck am Saum des Kleides. Doch weder Lia, noch ihre Hausdamen schien das zu stören, immerhin war man es gewohnt, dass die Kleider der Fürstin manchmal eine besondere Behandlung beim Waschen brauchten.
Als Caragh das Wort an sich nahm, seufzte Lia leise. Nicht, weil erstere sprach, sondern weil sie nicht wusste, was sie antworten sollte. Vielleicht, konnte die große Mutter ihr helfen, die Gedanken im Kopf zu ordnen. Daher blieb Lia kurz stehen, streifte sich Schuhe und Socken von den Füßen, um den moosigen Weg barfuß zu betreten. Kaum hatte sie beide Füße auf den feuchten Boden gesetzt, schloss sie wohlig seufzend die Augen und schmunzelte. Besser. Ordnung in die Gedanken? Das funktionierte noch nicht so gut, aber es gab kaum etwas, das die Fürstin mehr liebte, als die Reinheit der Natur unter ihren Füßen zu spüren. „Ich weiß nicht. Vielleicht ein bisschen.“ Sie hatte gelernt, dass man dem Mann an seinem Schreibtisch in Ruhe arbeiten lassen sollte und dass es angeblich besser war, wenn man Schuhe trug, um Gäste zu empfangen.
„Ein Junge, ein ältester Sohn einer fürstlichen Familie wächst mit den Lehren auf, später einmal die Rolle des Vaters zu übernehmen, aber…“ Mittlerweile begann sie damit, wieder langsam einen Fuß vor den anderen zu setzen. „Mathúin ist nicht besonders… mitteilsam, was seine Arbeiten angeht. Er lässt mich ihn nicht unterstützen.“ Oder war er der Meinung, dass sie das nicht konnte? Es gab Momente, anfangs häufiger als mittlerweile, in welchen er sie schockiert ansah – eben weil sie zum Beispiel keine Schuhe zum Empfang trug. Vielleicht hatte er sich seine Meinung auf dieser Grundlage gebildet. „Ich bin sicher, Saoirse wäre eine bessere Fürstin geworden.“, sprach sie über ihre jüngere Schwester. „Oder sogar du – Deine Weitsicht sogar in weltliche Dinge ist unvergleichlich.“ Sie schüttelte den Kopf. „Versprich, dass du bei offiziellen Anlässen nie von meiner Seite weichst!“ Sie schob ein nervöses Lachen hinterher, um den letzten Satz, den sie eigentlich todernst meinte, etwas aufzulockern.
Deshalb hatte sie sich natürlich ihren hellen Wollmantel übergeworfen, als Caragh sie dazu ermahnt hatte. Vermutlich hätte sie den wärmenden Stoff einfach vergessen und hätte erst auf dem Waldpfad die Kälte gespürt. Ihr Unterkleid setzte leicht auf dem Boden auf und weil dieser noch feucht von der verregneten Nacht war, sammelte sich mit jedem Schritt mehr Dreck am Saum des Kleides. Doch weder Lia, noch ihre Hausdamen schien das zu stören, immerhin war man es gewohnt, dass die Kleider der Fürstin manchmal eine besondere Behandlung beim Waschen brauchten.
Als Caragh das Wort an sich nahm, seufzte Lia leise. Nicht, weil erstere sprach, sondern weil sie nicht wusste, was sie antworten sollte. Vielleicht, konnte die große Mutter ihr helfen, die Gedanken im Kopf zu ordnen. Daher blieb Lia kurz stehen, streifte sich Schuhe und Socken von den Füßen, um den moosigen Weg barfuß zu betreten. Kaum hatte sie beide Füße auf den feuchten Boden gesetzt, schloss sie wohlig seufzend die Augen und schmunzelte. Besser. Ordnung in die Gedanken? Das funktionierte noch nicht so gut, aber es gab kaum etwas, das die Fürstin mehr liebte, als die Reinheit der Natur unter ihren Füßen zu spüren. „Ich weiß nicht. Vielleicht ein bisschen.“ Sie hatte gelernt, dass man dem Mann an seinem Schreibtisch in Ruhe arbeiten lassen sollte und dass es angeblich besser war, wenn man Schuhe trug, um Gäste zu empfangen.
„Ein Junge, ein ältester Sohn einer fürstlichen Familie wächst mit den Lehren auf, später einmal die Rolle des Vaters zu übernehmen, aber…“ Mittlerweile begann sie damit, wieder langsam einen Fuß vor den anderen zu setzen. „Mathúin ist nicht besonders… mitteilsam, was seine Arbeiten angeht. Er lässt mich ihn nicht unterstützen.“ Oder war er der Meinung, dass sie das nicht konnte? Es gab Momente, anfangs häufiger als mittlerweile, in welchen er sie schockiert ansah – eben weil sie zum Beispiel keine Schuhe zum Empfang trug. Vielleicht hatte er sich seine Meinung auf dieser Grundlage gebildet. „Ich bin sicher, Saoirse wäre eine bessere Fürstin geworden.“, sprach sie über ihre jüngere Schwester. „Oder sogar du – Deine Weitsicht sogar in weltliche Dinge ist unvergleichlich.“ Sie schüttelte den Kopf. „Versprich, dass du bei offiziellen Anlässen nie von meiner Seite weichst!“ Sie schob ein nervöses Lachen hinterher, um den letzten Satz, den sie eigentlich todernst meinte, etwas aufzulockern.
