02-11-2024, 21:59 - Wörter:
The breaking of a wave cannot explain the whole sea.

Remus streifte durch die Gassen, musterte die niedrig gebauten Häuser, das warme Licht der Feuer das aus den Fenstern drang. Die letzten Einwohner kamen vom Markt mit ihren Einkäufen zurück, wurden an den Haustüren von ihrer Familie empfangen. In manch einer Ecke sah man einen Obdachlosen sitzen, in Lumpen gehüllt und der bitteren Kälte standhaltend, die sich in den abendlichen Stunden über das Land legte. Eine Katze lief mit einer Ratte im Maul über eines der Dächer und warf einen langen Schatten im Licht der untergehenden Sonne. Remus sollte sich eigentlich langsam nach dem Wirtshaus umsehen, ein Zimmer mieten und den Tag am Waschbecken von sich waschen.
Doch seine Beine führten ihn, wie von Schicksalshand geleitet, an den Hafen. Zu den riesigen Walfischfangschiffen, die vor Anker lagen. Sein Atem kondensierte in der kühlen Luft und er selbst merkte, dass er sich wohl auch bald einen etwas dickeren Wams zulegen würde müssen. Hatte er eigentlich jemals darüber nachgedacht das Meer zu bereisen? Die hellen Augen des Söldners tasteten den Horizont ab, während er sich gegen einen breiten Holzpfahl lehnte, der die Docks säumte. Ob Leander auf diese Idee gekommen war? Die rauen Lippen verzogen sich zu einer nachdenklichen Linie, ehe eine Bewegung im Augenwinkel seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Eine recht hochgewachsene, schwarzhaarige Frau war gerade im Begriff sich von dem Hafen zu entfernen und für einen Moment hatte Remus das Gefühl, als würde er sie kennen. Was sehr unwahrscheinlich war, denn er war - bis auf ein oder zwei Mal mit seinem Vater - nicht im Herbstland gewesen.
Dennoch.. das ebenholzfarbige Haar, die schlanke Gestalt und das doch recht markante Gesicht weckten eine Erinnerung in dem jungen Prudenius. Er stieß sich mit einem Ausdruck von Überraschung von dem Pfahl ab, schulterte wieder seinen Reisebeutel und trat auf die Frau zu. "Bei allem was mir heilig ist... Caragh?", erstaunen wie auch scheu stahl sich in das graublau seiner Augen.
