10-11-2024, 13:31 - Wörter:
Just two Bros bitching about Life

Deswegen war er also hier und stapfte irgendwo im Nirgendwo über ein frühlingsländisches, vermutlich nicht ganz herrenloses Feld, wenn man die vergangene Anwesenheit von Kühen in Betracht zog. Vielleicht war er zu weich geworden. Nicht einmal alles hatte er dem Händler genommen, ihm seine Kleider gelassen, seinen Gaul, den Wagen, die Frau. In dem kleinen Beutel befand sich genauso viel, wie er brauchen würde, um sich ein Zimmer in einem billigen Gasthaus, ein ordentliches Mal, ein Bad und ein Paar neue Kleidung zuzulegen, und, ach ja, eventuell auch noch seinen Wegbegleiter durchzufüttern. Diese nervige Präsenz, an die er sich doch irgendwie gewöhnt hatte und von der er doch fast schwören konnte, dass sie mittlerweile sein Schatten war, so wie Khaled sich an seine Fersen geheftet hatte. Oder war es andersrum gewesen? Vielleicht hatte Ivar es satt, allein zu sein. Vielleicht vermisste er das Kuhfladengesicht von Eneas und Tyra, die öfter mit der Faust seine Lippen geküsst hatte als ihm lieb war. Eventuell konnte er auch nicht zusehen, wie Khaled an dem Anblick verging, wie Rana sich an den Hals des - jetzt nur noch halb so reichen - Händler schmiss, in der Hoffnung auf ein schönes Haus in Spring’s Court und Sicherheit. Letztendlich war es aber Khaleds Entscheidung gewesen, mit ihm zu kommen, und aus welchen Gründen auch immer hatte er danach beschlossen, Ivar mit Schweigen zu strafen. Als wäre es seine Schuld, dass er ein gebrochenes Herz zu flicken hatte. Lächerlich.
“Es war deine Entscheidung, weißt”, brach es irgendwann nach zwei Stunden Wanderung durch dieses gottlosen Wiesenhügel aus ihm raus, den von Tau und Morgen gelösten Restschnupfen hochziehend. “Ich hab dir nicht gesagt, dass du mich begleiten musst.” Eventuell hatte er die Zeit der Entscheidung sehr kurz geschnitten, so von ein paar Tagen, die er Khaled hätte geben können, runter auf ungefähr zwei Minuten, wo er spontan entschieden hatte, den Händler zu überfallen und ihm die Hälfte seines Goldes, sowie die Lederstiefel und sein Schnitzmesser abknöpfen. Obwohl er es nicht ausgesprochen hatte, stand klar in der Luft, dass der Dieb zwischen zwei Wegen hatte abwägen müssen - oder mehr, gegeben, dass Ivar ihm mit seiner greifbaren Freiheit die Tore zur Welt geöffnet hatte. Warum Khaled sich ausgerechnet für den Weg mit dem Söldner entschieden hatte, war genauso klar wie der Nebel auf den Feldern und Ivar war es leid, das Schweigen dafür sprechen zu lassen, was für eine miserable Entscheidung Khaled doch getroffen hatte.
