18-11-2024, 15:58 - Wörter:
Ein Teil in Elaine glaubte noch immer, dass er nicht echt war. Dass sie träumte, so wie sie sich diese Situation schon so oft erträumt hatte. Wobei „erträumt“ dafür der falsche Begriff war. Godwyn hatte und würde sich für immer in ihre Gedanken und Träume schleichen. Sie nachts wach halten, sie trinken, schreien und weinen lassen, denn das war es, was er tat. Er brachte sie um den verstand mit seiner bloßen Existenz. Ob das besser sein würde, wenn er irgendwann nicht mehr wäre? Ihr Leben lang hatte sie gelernt, nach außen hin gute Miene zu bösem Spiel zu machen und daran klammerte sie sich fest. Sie würde viel dafür geben, herauszufinden, was in seinem Kopf vorging. Er war sichtlich überrascht, oder eher geschockt und das war gut so. Sollte er auch sein. Aber irgendetwas in ihr sagte ihr, dass ihr diese Situation nicht so viel Genugtuung geben würde, wie sie es sich ausgemalt hatte. Monatelang, Jahrelang in den dunkelsten Zeiten überhaupt.
Seine Worten trieben ihr Tränen in die Augen, auch wenn sie diese am liebsten niemals hätte Oberhand gewinnen lassen. Auch das war so eine Sache, die ihr durchaus bewusst war: Godwyn war ihre Nemesis und ihre größte Schwäche. Und sie hasste das. „Du -“ kurz fehlten ihr die Worte, wobei ihr diese sonst nie fehlten. „Schieb deinen Verrat nicht auf das System. Wenn du gewollt hättest, hättest du mich retten können. Aber du hast klar gemacht, auf welcher Seite du stehst.“, spuckte sie ihm abfällig entgegen und musterte ihn zitternd von oben nach unten. „“Der Fürst““, wiederholte sie ebenso abfällig. „Hör auf, dich ständig hinter allem und jedem zu verstecken. DU hast Entscheidungen getroffen und DU musst dafür Verantwortung übernehmen. DU hast mich auf dem Gewissen.“ Sie schüttelte verständnislos den Kopf, sah in die dunkle Gasse und ballte ihre Faust, um ihrem Ärger ein zusätzliches Ventil zu bieten. Es hatte keinen Sinn mit Godwyn derart zu diskutieren. Und doch konnte sie das, was er von sich gab nicht so stehen lassen. „Godwyn!“, schrie sie ihm dann entgegen und machte wieder einen Schritt auf ihn zu. „Wie kannst du nach all den Jahren immer noch glauben, ich sei eine skrupellose Mörderin?! Hab ich dir nie irgendetwas bedeutet?“ Gut, vielleicht war sie eine skrupellose Mörderin, aber seinen Bruder hatte sie nicht aus Freude getötet. Der Streit mit diesem hatte zu eskalieren gedroht und vor ihrem inneren Auge hatte sie ihr gesamtes gemeinsames Leben mit ihm zerfallen sehen. „Ich hab das für uns tun müssen“, entgegnete sie dann leiser, mit deutlich hörbar zitternder Stimme.
Worte wie ‚geliebt‘ machten es ihr schwer, ihre Mauer aufrecht zu erhalten. Godwyn war gut darin, die Steine dieser Stück für Stück heraushämmern und sich den Eingang, durch den er einst gegangen war, wieder freizuräumen. Sie musste ankämpfen, ihn nicht tiefer eindringen zu lassen. Elaine musste die Augen zusammen kneifen und die Hände heben, um tatsächlich physisch zu versuchen, die Bilder aus ihrem Kopf zu vertreiben, die dunkler waren als die Nacht, in der sie sich gerade befanden. „Ich weiß nicht, was du willst oder gewollt hast“, flüsterte sie leise, kopfschüttelnd. Ihr Inneres machte ihr derart zu schaffen, dass sie nicht wusste, ob sie gleich ihre Unterkunft wiederfinden würde. Sie atmete tief durch und schloss zum Sammeln die Augen. „Aber es hat nicht geendet, du hast es nicht zu Ende bringen können.“ Sie schluckte, machte wieder einen kleinen Schritt zurück und betrachtete ihn. Eingefallener und etwas grauer, wie er war. Seine Augen waren leerer, seine Haare zerzaust, überall an ihm klebte Dreck und Blut. Was war nur aus diesem Mann geworden? Der scharfe Geruch von Alkohol und Schweiß überdeckte, wie gut er sonst immer gerochen hatte. Ihr Gesicht in seiner Halsbeuge zu vergraben war immer die schönste Nähe gewesen – jetzt widerte er sie an. Doch sie runzelte die Stirn. Er sollte sie anwidern. Doch er tat es nicht. Eigentlich war die Versuchung groß, ihn in eine Wanne zu setzen und ihm den Schmutz, seine Fehler und seine Schuld von den Schultern zu waschen.
Sie löste sich von diesen Gedanken, denn der Ton seiner Stimme änderte sich. Er klang verwirrt, aber im selben Atemzug klarer und nachdenklicher. Er kam sogar einen Schritt näher und automatisch hielt sie die Distanz, indem sie etwas zurückwich. Klare Momente in seinem Verstand machten ihr Angst. Nach wie vor war er, auch wenn er das niemals glauben würde, derjenige, der sie am besten kannte. Er hatte sie in der gemeinsamen Zeit viel zu oft tatsächlich so kennengelernt wie sie war – oder gern gewesen wäre, hätte das Schicksal ihr nicht so oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Was?“, fragte sie kurz stirnrunzelnd und kopfschüttelnd. Was für eine seltsame Eingebung schien er da zu haben? Und wir gehen getrennte Wege - für immer. Sie sog kurz heftig Luft ein und schluckte. Verdammt, sie wollte kein offenes Buch für ihn sein, doch er besaß Schlüssel, von denen sie nicht wusste, dass er sie hatte. Wenn sie ehrlich war, waren die Gedanken an ihn die gewesen, die sie am Leben gehalten hatten. Irgendwann vor ihm zu stehen, ihm diese Dinge an den Kopf zu werfen und – egal, es hatte ihr Kraft gegeben und Punkt. Welchen Sinn hatte ihr Leben, wenn er nicht mehr war?
Vorsichtig hob sie den Kopf und trat automatisch wieder ein Stückchen näher an ihn heran, um ihn besser sehen zu können. Seine Augen waren etwas weniger leer als vorhin und es war, als könnte sie den Schmerz fühlen, den er fühlte. Es tat weh, seinem Blick stand zu halten, aber in irgendeiner Art und Weise tat dieser Schmerz auch gut. Sie verdiente ihn. Vielleicht verdienten sie beide ihn. Langsam schüttelte sie den Kopf während er sprach und wartete, bis er zu Ende gesprochen hatte. „Ich bin…“, begann sie langsam, wusste aber gar nicht, wie sie diesen Satz beenden sollte. Also fing sie nochmal neu an. „Niemand hat mich jemals so gekannt, wie du mich gekannt hast.“ Und das war die Wahrheit. Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie sich frei, wohl und geliebt gefühlt hatte – an seiner Seite. „Aber-“ und ihre Gesichtszüge wurden automatisch wieder schärfer, ihre Körperhaltung straffer und ihre Stimme wieder verächtlicher, als hätte sich ein Schalter umgelegt. „Du musstest das zerstören. Du hast uns aufgegeben – mich aufgegeben. Und ich dummes Weib laufe dir auch noch bis hierher hinterher.“ Sie schüttelte erneut den Kopf. Sie wusste, dass sie ihm wieder keine richtige Antwort gegeben hatte. Das konnte sie nicht. Sie konnte ihm nicht sagen, dass er die Liebe ihres Lebens gewesen war. Dass sie bereit gewesen war, alles für diesen Mann zu tun. Dass sie seinen Bruder getötet hatte, um Godwyn bei sich halten zu können. Sie war verlogen und nicht mal ehrlich zu sich selbst – wie sollte sie es dann zu ihm sein?
Seine Worten trieben ihr Tränen in die Augen, auch wenn sie diese am liebsten niemals hätte Oberhand gewinnen lassen. Auch das war so eine Sache, die ihr durchaus bewusst war: Godwyn war ihre Nemesis und ihre größte Schwäche. Und sie hasste das. „Du -“ kurz fehlten ihr die Worte, wobei ihr diese sonst nie fehlten. „Schieb deinen Verrat nicht auf das System. Wenn du gewollt hättest, hättest du mich retten können. Aber du hast klar gemacht, auf welcher Seite du stehst.“, spuckte sie ihm abfällig entgegen und musterte ihn zitternd von oben nach unten. „“Der Fürst““, wiederholte sie ebenso abfällig. „Hör auf, dich ständig hinter allem und jedem zu verstecken. DU hast Entscheidungen getroffen und DU musst dafür Verantwortung übernehmen. DU hast mich auf dem Gewissen.“ Sie schüttelte verständnislos den Kopf, sah in die dunkle Gasse und ballte ihre Faust, um ihrem Ärger ein zusätzliches Ventil zu bieten. Es hatte keinen Sinn mit Godwyn derart zu diskutieren. Und doch konnte sie das, was er von sich gab nicht so stehen lassen. „Godwyn!“, schrie sie ihm dann entgegen und machte wieder einen Schritt auf ihn zu. „Wie kannst du nach all den Jahren immer noch glauben, ich sei eine skrupellose Mörderin?! Hab ich dir nie irgendetwas bedeutet?“ Gut, vielleicht war sie eine skrupellose Mörderin, aber seinen Bruder hatte sie nicht aus Freude getötet. Der Streit mit diesem hatte zu eskalieren gedroht und vor ihrem inneren Auge hatte sie ihr gesamtes gemeinsames Leben mit ihm zerfallen sehen. „Ich hab das für uns tun müssen“, entgegnete sie dann leiser, mit deutlich hörbar zitternder Stimme.
Worte wie ‚geliebt‘ machten es ihr schwer, ihre Mauer aufrecht zu erhalten. Godwyn war gut darin, die Steine dieser Stück für Stück heraushämmern und sich den Eingang, durch den er einst gegangen war, wieder freizuräumen. Sie musste ankämpfen, ihn nicht tiefer eindringen zu lassen. Elaine musste die Augen zusammen kneifen und die Hände heben, um tatsächlich physisch zu versuchen, die Bilder aus ihrem Kopf zu vertreiben, die dunkler waren als die Nacht, in der sie sich gerade befanden. „Ich weiß nicht, was du willst oder gewollt hast“, flüsterte sie leise, kopfschüttelnd. Ihr Inneres machte ihr derart zu schaffen, dass sie nicht wusste, ob sie gleich ihre Unterkunft wiederfinden würde. Sie atmete tief durch und schloss zum Sammeln die Augen. „Aber es hat nicht geendet, du hast es nicht zu Ende bringen können.“ Sie schluckte, machte wieder einen kleinen Schritt zurück und betrachtete ihn. Eingefallener und etwas grauer, wie er war. Seine Augen waren leerer, seine Haare zerzaust, überall an ihm klebte Dreck und Blut. Was war nur aus diesem Mann geworden? Der scharfe Geruch von Alkohol und Schweiß überdeckte, wie gut er sonst immer gerochen hatte. Ihr Gesicht in seiner Halsbeuge zu vergraben war immer die schönste Nähe gewesen – jetzt widerte er sie an. Doch sie runzelte die Stirn. Er sollte sie anwidern. Doch er tat es nicht. Eigentlich war die Versuchung groß, ihn in eine Wanne zu setzen und ihm den Schmutz, seine Fehler und seine Schuld von den Schultern zu waschen.
Sie löste sich von diesen Gedanken, denn der Ton seiner Stimme änderte sich. Er klang verwirrt, aber im selben Atemzug klarer und nachdenklicher. Er kam sogar einen Schritt näher und automatisch hielt sie die Distanz, indem sie etwas zurückwich. Klare Momente in seinem Verstand machten ihr Angst. Nach wie vor war er, auch wenn er das niemals glauben würde, derjenige, der sie am besten kannte. Er hatte sie in der gemeinsamen Zeit viel zu oft tatsächlich so kennengelernt wie sie war – oder gern gewesen wäre, hätte das Schicksal ihr nicht so oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Was?“, fragte sie kurz stirnrunzelnd und kopfschüttelnd. Was für eine seltsame Eingebung schien er da zu haben? Und wir gehen getrennte Wege - für immer. Sie sog kurz heftig Luft ein und schluckte. Verdammt, sie wollte kein offenes Buch für ihn sein, doch er besaß Schlüssel, von denen sie nicht wusste, dass er sie hatte. Wenn sie ehrlich war, waren die Gedanken an ihn die gewesen, die sie am Leben gehalten hatten. Irgendwann vor ihm zu stehen, ihm diese Dinge an den Kopf zu werfen und – egal, es hatte ihr Kraft gegeben und Punkt. Welchen Sinn hatte ihr Leben, wenn er nicht mehr war?
Vorsichtig hob sie den Kopf und trat automatisch wieder ein Stückchen näher an ihn heran, um ihn besser sehen zu können. Seine Augen waren etwas weniger leer als vorhin und es war, als könnte sie den Schmerz fühlen, den er fühlte. Es tat weh, seinem Blick stand zu halten, aber in irgendeiner Art und Weise tat dieser Schmerz auch gut. Sie verdiente ihn. Vielleicht verdienten sie beide ihn. Langsam schüttelte sie den Kopf während er sprach und wartete, bis er zu Ende gesprochen hatte. „Ich bin…“, begann sie langsam, wusste aber gar nicht, wie sie diesen Satz beenden sollte. Also fing sie nochmal neu an. „Niemand hat mich jemals so gekannt, wie du mich gekannt hast.“ Und das war die Wahrheit. Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie sich frei, wohl und geliebt gefühlt hatte – an seiner Seite. „Aber-“ und ihre Gesichtszüge wurden automatisch wieder schärfer, ihre Körperhaltung straffer und ihre Stimme wieder verächtlicher, als hätte sich ein Schalter umgelegt. „Du musstest das zerstören. Du hast uns aufgegeben – mich aufgegeben. Und ich dummes Weib laufe dir auch noch bis hierher hinterher.“ Sie schüttelte erneut den Kopf. Sie wusste, dass sie ihm wieder keine richtige Antwort gegeben hatte. Das konnte sie nicht. Sie konnte ihm nicht sagen, dass er die Liebe ihres Lebens gewesen war. Dass sie bereit gewesen war, alles für diesen Mann zu tun. Dass sie seinen Bruder getötet hatte, um Godwyn bei sich halten zu können. Sie war verlogen und nicht mal ehrlich zu sich selbst – wie sollte sie es dann zu ihm sein?
