23-11-2024, 15:44 - Wörter:
I am not the only traveler
who has not repaid his debt

Ihre Zunge leckte sich über die Unterlippe. Sie schmeckte den Duft dieser Taverne, die Gewürze, die Angst der Menschen. All das lag in der Luft, während sie hier seelenruhig ihre Kontakte pflegte, plauderte, Pläne schmiedete, Vertrauen sammelte. Wer weiß, wozu es ihr irgendwann einmal nutzen würde. Es gab im Moment nur diesen einen Plan, der ganz oben stand: ihren Bruder aus dem Weg zu räumen und das Geschäft ihres verstorbenen Vaters an sich zu nehmen. Aber es musste dezent von statten gehen, sollte nicht auf sie zurückfallen. Sie wollte es unauffällig und diskret und außerdem sollten ihre eigenen Finger weiterhin so schön sauber bleiben, wie es bisher der Fall war. Ihre helle Haut stach in der Gegend Dharan Al-Bhars genauso auffällig hervor, wie es ihre weißen Haare taten. Alles an ihr schrie danach, dass sie nicht hier hin gehörte - und trotzdem war das Gegenteil der Fall.
Ein beinahe gewinnendes Lächeln umschmeichelte ihre rosigen Lippen, als sie den Mann gerade verabschiedete, mit dem sie sich unterhalten hatte. Zufrieden ließ sie ihre Fingerspitze langsam auf dem Rand des Weinglases kreisen, das hier ebenfalls so sehr auffiel, wie Alles andere an ihr.
Als plötzlich ihr Name erklang, drehte sie sich überrascht um und hielt noch in der Bewegung inne, als sie sah, wer da plötzlich vor ihr stand. Wie ein Geist aus der Vergangenheit blickte sie Caeus Valerius in die dunklen Augen. Ein Glitzern in ihren Augen verriet ihre Begeisterung, ehe es ihre Worte vermochten. Ihre Mundwinkel zogen sich in die Höhe, sodass man ihre weißen Zähne sehen konnte. "Das ist mal eine Überraschung", schnurrte sie ihm leise entgegen und deutete mit einem Kopfnicken auf den Platz neben sich. Mit einer kleinen Handbewegung beruhigte sie gleichzeitig die Wachen, die einen Schritt näher getreten waren, als der für sie unbekannte Mann sie angesprochen hatte. Die drei Männer entspannten sich sichtlich und traten den eben getanen Schritt wieder zurück. "Mit dir hätte ich hier nicht gerechnet, Caeus", entgegnete sie mit samtweicher Stimme und beobachtet jede seiner Bewegungen. Sie konnte nicht anders, als an früher zu denken. An die Haut, die sich unter seiner Rüstung befand. Die Muskeln, die sie so fest gehalten hatten, dass sie sich damals sicher in seinen Armen gefühlt hatte.
