28-11-2024, 21:33 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28-11-2024, 21:53 von Sanna Lorenson.)
a song of ice and fire

„Entschuldigt …“, begann Sanna und hielt inne, als sie sah, wie ihre Tochter die kleinen Arme um den Fremden legte. Die gemeinsame Reise mit Tyra und Eneas hatte Valda verändert, das war unverkennbar. Sie war aufgeblüht, hatte gelernt, fremden Menschen zu vertrauen – vielleicht sogar ein wenig zu sehr. Besonders Eneas, zu dem sie eine fast kindliche Schwärmerei entwickelt hatte, hatte es ihr angetan und die junge Mutter würde das Gesicht des Söldners wohl nie vergessen, als Valda mit einem Kiesel vor ihm gestanden hatte und es ihm als einen Glücksbringer feierlich übergeben hatte. Doch Sanna wusste, dass sie wachsam bleiben musste, für Valda und für sich selbst. Die Welt war kein sicherer Ort, auch nicht hier, auch nicht jetzt.
„Mylady?“, die höfliche Ansprache des Mannes riss sie aus ihren Gedanken. Wie sonderbar diese Welt doch war. In ihrem Dorf hatten Männer sie höchstens betrunken gefragt, ob sie bereit sei, noch einen weiteren Bastard alleine großzuziehen. Und hier fragte ein völlig Fremder mit sanfter Stimme, ob es ihr gut ginge. Die Worte, die sie am liebsten gesagt hätte, brannten ihr auf der Zunge. Nein, wollte sie schreien. Nein, nichts ist gut. Doch stattdessen zwang sie sich zu einem vorsichtigen Lächeln, einer Maske, die sie nur allzu gut trug. Sie hatte sie schließlich auch vor Leif tragen müssen.
Ein kurzes Nicken folgte, ehe sie mit leiser Stimme sagte: „Wir sind erst seit ein paar Tagen hier. Alles ist noch ein bisschen … aufregend.“, jetzt erst fiel ihr das Schwert an der Seite des Mannes auf, ebenso die Tracht die er trug. Zwar waren ihr die gesellschaftlichen Etiketten des Frühlingslandes nicht bekannt, aber sie glaubte zumindest erahnen zu können, dass er kein einfacher Bürger zu sein schien. Vielleicht war er in dieser Stadt so etwas wie eine Wache? Das würde seinen sondierenden Blick zumindest erklären, den sie sonst von sich selbst im Wald auf der Jagd kannte. "Mein Name ist Sanna und das ist Valda.", stellte sie sich und ihre Tochter dann vor, welche ganz närrisch in das Gesicht des Fremden blickte. Sanna hatte noch nicht viele Menschen aus den anderen Ländern gesehen, doch selbst unter den Frühlingsländern fiel er mit diesem Teint auf. "Und wir wollten Euch gewiss nicht aufhalten.", sprach sie an ihre Tochter gewandt und stemmte dabei die Fäuste in die Hüfte, den kessen Blick ihrer Tochter mit einem Ausdruck erwidernd, der nur der einer liebenden Mutter sein konnte, die das eigene Amüsement über das Verhalten zu verbergen versuchte.
