28-11-2024, 23:15 - Wörter:
a song of ice and fire

Aufmerksam hörte sie zu als er von seinen Wurzeln sprach. Matariyya. Sanna kannte nur vage Geschichten von dem Land das wohl den stärksten Kontrast zum Winterland darstellen dürfte. "Da nahm Eure Mutter eine weite Reise auf sich.", sagte sie mit einer gewissen Anerkennung in der Stimme. Dahingegen war ihre Reise lediglich ein Katzensprung gewesen. Kein Meer hatte sich zwischen ihr und ihrem Ziel befunden, kein ganzes anderes Land. "Sie muss eine tapfere Frau sein.".
Zaghaft nickte sie. "Es ist hier auf jeden Fall bedeutend wärmer. Ich kann verstehen, warum die Frauen der Frühlingsländer lieber Kleider als Lederkluft tragen.", sie selbst würde sich ebenfalls andere Kleidung zulegen müssen, auch wenn die junge Blondine nicht wusste, ob sie sich jemals in einem Kleid sehen würde. Oder ob sie es bequem finden würde. Aber auch im Frühlingsland würde erst einmal der Winter hineinbrechen, auch wenn er hier vermutlich milder war als in Norsteading.
Überraschung huschte über Sannas Gesicht, als Farid beiläufig erwähnte, dass sein eigener Vater gelegentlich Unterstützung im Haushalt benötigte. „Oh!“, das Wort schlüpfte zwischen ihren Lippen hervor, bevor sie es zurückhalten konnte. Ihre Augen weiteten sich kurz, und sie bemerkte, wie ihre Haltung einen Moment unsicher wurde.
Es war wirklich ein seltsamer Zufall – fast zu seltsam, um wahr zu sein. Valda war ausgerechnet dem Mann in die Arme gelaufen, der vielleicht eine Anstellung für sie wusste? Sanna bemühte sich, nicht zu misstrauisch zu wirken, auch wenn sie diese Eigenart des Lebens nicht einfach so hinnehmen konnte. Sie hatte gelernt, dass Zufälle oft ihre Tücken hatten, und dass nichts im Leben wirklich umsonst kam. Gleichzeitig fiel ihr auf, dass Farid selbst erstaunlich frei von Argwohn war. Er hätte genauso gut annehmen können, dass sie eine Betrügerin war, eine Frau, die alte Männer ausnutzte und mit deren Habe verschwand. Aber er schien diese Möglichkeit nicht einmal in Erwägung zu ziehen, oder wenn doch, ließ er es sich nicht anmerken. Am Ende würden sie beide wohl darauf angewiesen sein, einander ein kleines Maß an Vertrauen zu schenken – ein fragiler Pakt, der auf nichts als der Hoffnung basierte, dass die Dinge gut ausgehen würden. Valda jedenfalls hatte längst entschieden, wem sie vertraute. Das zeigte ihr strahlendes Gesicht deutlich genug.
Seine Überraschung über ihre Berufung ließ das klassische selbstsichere Lächeln auf ihrem Gesicht schlüpfen, welches sie in den Winterlanden jeher besessen hatte. Sie hatte nie die Fürsorge eines Mannes benötigt, geschweige denn einen um zu überleben. Daher nickte sie. "Ja, solltet Ihr Euch also mal für ein schönes Fell interessieren. Das Jagen und Gerben ist mein Handwerk.", sie machte einen scherzhaften Knicks. Sanna erinnerte sich, dass die Frauen in anderen Königreichen weniger selbstständig lebten. Also war sie vermutlich ebenso ein kleinere kultureller Schock für ihn, wie er mit seiner Art für sie.
Begeistert klatschte Valda in die Hände als Farid ihr anbot ein paar Beeren zu kaufen. "Ich schätze Ihr habt sie schon für Euch eingenommen.", seufzte Sanna theatralisch, einen warmen Ausdruck in den hellen Augen. "Lebt euer Vater auch in der Hauptstadt oder Außerhalb?", fragte sie interessiert, vielleicht die Hoffnung hegend, dass er nicht mitten in dem Trubel hier lebte. Doch das wäre vermutlich zu viel des Glücks.
