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Hail to the King, Hail to the One
20.09.1016 - 13:00
Arbeitszimmer des Großkönigs
Orpheus Castellanos *Augusto Castellanos

Unregistered
Orpheus Castellanos
Alter
Beruf
Wohnort
Stand
User
#1
Hail to the King, Hail to the One
Kneel to the Crown, Stand in the Sun

Orpheus hatte die Nachricht seines Vaters am Morgen vor dem Training erhalten. Ein einziger, schlichter Satz, überbracht durch einen Diener: „Seine Majestät wünscht Euch zu sprechen, sobald es Euch möglich ist.“ Keine weiteren Erklärungen, keine Andeutungen, nichts. Doch diese wenigen Worte reichten aus, um seinen Geist in einen unaufhörlichen Sturm aus Gedanken und Vermutungen zu stürzen, der ihn den ganzen Vormittag nicht losließ.

Was will er von mir? Diese Frage hatte ihn durch das Training mit Belisarius begleitet, wie ein Stein, der in seinem Schuh drückte. Normalerweise half ihm das Kampftraining, den Kopf freizubekommen, doch heute war jeder Hieb, jede Abwehr, von einem flüchtigen Blick in die Leere begleitet. Seine Konzentration schwankte, und sein Lehrer hatte ihn mehr als einmal zurechtgewiesen. Doch die Ungewissheit nagte weiter an ihm. Warum ließ Augusto nach ihm schicken? War es eine Angelegenheit von Bedeutung oder einfach eine Laune? Würde ihn ein Gespräch erwarten, das ihm Halt gab – oder eines, das ihn zermürbte?

Sein Vater war selten ein Mann, der ohne Grund handelte. Zumindest hatte das früher einmal gegolten. In den letzten Jahren jedoch war Augusto schwer einzuschätzen geworden. Manche sprachen leise über den Einfluss des Weins, andere über die Schwere des Alters und die Verbitterung eines Mannes, der mehr verloren als gewonnen hatte. Orpheus vermutete, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen lag. Es war schmerzhaft, den einst so strahlenden König in diesem Zustand zu sehen, und noch schmerzhafter, nicht zu wissen, was ihn in diesem Moment erwarten würde.

Nachdem er sich nach dem Training frisch gemacht und eine Kleinigkeit gegessen hatte – obwohl ihm jeder Bissen schwer im Magen lag –, machte er sich auf den Weg. Die langen Gänge des Palastes zogen sich endlos dahin. Orpheus ging mit festen, aber unruhigen Schritten, den Blick auf den Marmorboden vor sich geheftet. Die prunkvollen Wandteppiche, die majestätischen Säulen – einst Symbole des Ruhms seines Hauses – fühlten sich erdrückend an. Alles schien ihn daran zu erinnern, wie sehr das Gewicht der Erwartungen auf ihm lastete.

Sein Verstand drehte sich unaufhörlich um die Fragen und Sorgen: Ist er nüchtern? Hat er getrunken? Will er ein ernsthaftes Gespräch führen oder bin ich nur hier, weil er jemanden braucht, an dem er seine Wut auslassen kann? Er hatte die launischen Ausbrüche seines Vaters erlebt, seine unberechenbaren Wutausbrüche, ebenso wie die Momente seltener Klarheit, in denen Augusto noch einmal die Weisheit und Entschlossenheit seines früheren Selbst zeigte. Als Kind hatte Orpheus ihn bewundert – den strahlenden König, den weisen Herrscher, der in einer einzigen Audienz ganze Räume fesseln konnte. Doch diese Momente wurden seltener, und die Unsicherheit, in welchem Zustand er ihn antreffen würde, war fast unerträglich.

Als er schließlich die schwere Tür erreichte, die zum Arbeitszimmer des Großkönigs führte, schlug sein Herz schneller. Die Wache nickte ihm zu und zog mit einem kräftigen Zug die Tür auf. Ein süßlich-schwerer Geruch von abgestandenem Wein wehte ihm entgegen, bevor er einen Fuß in den Raum setzen konnte. Der Geruch verriet, dass Augusto bereits getrunken hatte. Das war keine Überraschung, aber es entlockte Orpheus dennoch einen stummen Seufzer. In gewisser Weise war das vielleicht sogar besser, als wenn sein Vater völlig nüchtern gewesen wäre. Der Wein brachte manchmal eine trügerische Milde mit sich, eine Art oberflächliche Nachsicht, die Gespräche weniger schneidend machte. Doch ebenso oft hatte der Alkohol das Gegenteil bewirkt – die Entfesselung eines Zorns, der unverhältnismäßig und unberechenbar war.

Orpheus konnte nicht wissen, welche Version von Augusto ihn heute erwartete. Das machte die Situation nicht einfacher. Es blieb zu hoffen, dass er bereits eine Phase gewisser weinseliger Zufriedenheit erreicht hatte.

„Prinz Orpheus, Eure Majestät“, verkündete die Wache, bevor sie sich zurückzog und die Tür hinter ihm schloss.

Der Raum lag im Halbdunkel, die Vorhänge halb zugezogen. Die Luft war stickig, die Bücherregale von einer feinen Staubschicht bedeckt. Der massive Schreibtisch, einst ein Sinnbild für Disziplin und Ordnung, war jetzt bedeckt mit Papieren, leeren Pokalen und einer halb entleerten Weinflasche. Dahinter saß Augusto, der Großkönig, ein Mann, dessen Präsenz immer noch Ehrfurcht gebot – auch wenn der Glanz in seinen Augen längst verblasst war.

Orpheus atmete tief ein, zwang sich zur Ruhe und trat näher. „Eure Majestät.“ Er verbeugte sich, wie es die Etikette gebot und blickte dann den König an.

„Ihr habt nach mir schicken lassen, Vater?" Seine Stimme war ruhig, kontrolliert. Doch in seinem Inneren tobte es.
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Hail to the King, Hail to the One - von Orpheus Castellanos - 30-11-2024, 20:27
RE: Hail to the King, Hail to the One - von Orpheus Castellanos - 12-01-2025, 18:34
RE: Hail to the King, Hail to the One - von Orpheus Castellanos - 11-03-2025, 21:37

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