09-12-2024, 13:49 - Wörter:
Hafiz war ihr geprügelter Hund und sorgte regelmäßig dafür, dass Safi sich in einem angestrengten Seufzen wiederfand. Sie beäugte ihn kritisch, als er sagte, er habe sich extra für sie gewaschen und tatsächlich sah er nicht so verkrustet aus wie sonst. Normalerweise roch man Hafiz bereits von weitem. Er scherte sich nicht um derart weltliche Dinge und der Respekt auf den Straßen schien ihm recht zu geben. “Ahmar“, seufzte sie leise und tadelnd und legte eine Hand an seine Wange, um ihn etwas näher betrachten zu können. “Während ich das einerseits sehr schätze, sollst du wissen, dass du dich niemals für mich unwohl fühlen sollst. Mein Respekt gilt dir, egal ob gewaschen oder nicht.“ Sie tätschelte die äußerst saubere Wange kurz ein bisschen, ehe er sie bei sich einhakte und irgendeine Richtung ansteuerte. Vielleicht war es dumm, sich so öffentlich blicken zu lassen, aber Hafiz kannte diese Straßen besser als jeder andere Mensch der Hauptstadt. Mit dieser Faust an ihrer Seite würde ihr niemals etwas passieren, das wusste Safiyya.
Bei seinen Worten, die erstaunlicherweise recht weise waren, nickte sie nach einiger Zeit. Er hatte recht und leise seufzte die junge Frau an seinem Arm. Sie prägte sich jede Gasse genau ein. Den Dreck, den Gestank, die zerschlissenen Tücher, die als Eingangstür herhielten, die Schreie eines Babys nur unweit von hier, die fauligen Essensreste, die jemand vor seiner Unterkunft aufgehoben hatte. Vielleicht sollte jemand all das hier niederbrennen, um diese Menschen von ihrem Leid zu erlösen. Kurz lehnte sie ihre Wange an seinen breiten Arm. “Wenn wir nicht daran denken sollen, womit sollten wir uns heute Nacht denn stattdessen befassen?“, entgegnete sie herausfordernd schmunzelnd und sah zu ihm auf.
Nach einem kurzen Spaziergang erreichten sie einen Ort in der Hafengegend, den der Schläger scheinbar vorbereitet hatte. Datteln, Wein, eine Decke? Safiyya blieb ebenfalls stehen und beäugte Hafiz skeptisch, während sie seinen Worten lauschte. Sie nickte, weil sie die Wirkung des Wassers verstehen konnte. Eine Flut hatte ihr vor vielen Jahren bereits alles genommen, nun hatte es andere Menschen getroffen. Matariyya stand unter keinem guten Stern. “Oder?“, wiederholte sie schmunzelnd und schüttelte den Kopf. “Mach mir ja keinen Antrag. Du weißt, dass ich dich nur heirate, wenn du mir statt eines Rings Ridvans Kopf bringst.“ Das hatten sie schon längst so abgemacht und daran würde sie solange festhalten, bis der alte König nicht mehr war. Und selbst dann vielleicht noch.
Sie musterte die sorgsam hergerichtete Decke. Das Problem war, dass sie keine normalen Menschen waren. Sie hielten die Züge der Unterwelt in ihren Händen und planten ein Attentat auf das Königshaus. Nichts, aber auch wirklich gar nichts in dieser Welt machte sie beide irgendwie normal. Sie waren gebrochene Seelen, mit denen das Leben es nicht gut gemeint hatte. Die ihre Empathie und Emotionalität für Verstand, Verführung und Leibeskraft eingetauscht hatten. Nicht willentlich, aber doch schicksalshaft. Safiyya versuchte diese Gedanken, die sie daran hinderten, an etwas anderes zu denken, zu verdrängen und sah zu Hafiz auf. “Es wäre schön, einen Abend ohne Pläne und Weltuntergangsszenarien zu verbringen.“, stimmte sie ihm nach einer Zeit leise zu, machte dann ein paar Schritte auf die Decke und ließ sich elegant nieder. Ihr herausfordernder Blick fand seinen, damit er ihr folgte. “Jetzt komm schon, wenn ich den Wein alleine trinke, musst du mich später zurück tragen.“
Bei seinen Worten, die erstaunlicherweise recht weise waren, nickte sie nach einiger Zeit. Er hatte recht und leise seufzte die junge Frau an seinem Arm. Sie prägte sich jede Gasse genau ein. Den Dreck, den Gestank, die zerschlissenen Tücher, die als Eingangstür herhielten, die Schreie eines Babys nur unweit von hier, die fauligen Essensreste, die jemand vor seiner Unterkunft aufgehoben hatte. Vielleicht sollte jemand all das hier niederbrennen, um diese Menschen von ihrem Leid zu erlösen. Kurz lehnte sie ihre Wange an seinen breiten Arm. “Wenn wir nicht daran denken sollen, womit sollten wir uns heute Nacht denn stattdessen befassen?“, entgegnete sie herausfordernd schmunzelnd und sah zu ihm auf.
Nach einem kurzen Spaziergang erreichten sie einen Ort in der Hafengegend, den der Schläger scheinbar vorbereitet hatte. Datteln, Wein, eine Decke? Safiyya blieb ebenfalls stehen und beäugte Hafiz skeptisch, während sie seinen Worten lauschte. Sie nickte, weil sie die Wirkung des Wassers verstehen konnte. Eine Flut hatte ihr vor vielen Jahren bereits alles genommen, nun hatte es andere Menschen getroffen. Matariyya stand unter keinem guten Stern. “Oder?“, wiederholte sie schmunzelnd und schüttelte den Kopf. “Mach mir ja keinen Antrag. Du weißt, dass ich dich nur heirate, wenn du mir statt eines Rings Ridvans Kopf bringst.“ Das hatten sie schon längst so abgemacht und daran würde sie solange festhalten, bis der alte König nicht mehr war. Und selbst dann vielleicht noch.
Sie musterte die sorgsam hergerichtete Decke. Das Problem war, dass sie keine normalen Menschen waren. Sie hielten die Züge der Unterwelt in ihren Händen und planten ein Attentat auf das Königshaus. Nichts, aber auch wirklich gar nichts in dieser Welt machte sie beide irgendwie normal. Sie waren gebrochene Seelen, mit denen das Leben es nicht gut gemeint hatte. Die ihre Empathie und Emotionalität für Verstand, Verführung und Leibeskraft eingetauscht hatten. Nicht willentlich, aber doch schicksalshaft. Safiyya versuchte diese Gedanken, die sie daran hinderten, an etwas anderes zu denken, zu verdrängen und sah zu Hafiz auf. “Es wäre schön, einen Abend ohne Pläne und Weltuntergangsszenarien zu verbringen.“, stimmte sie ihm nach einer Zeit leise zu, machte dann ein paar Schritte auf die Decke und ließ sich elegant nieder. Ihr herausfordernder Blick fand seinen, damit er ihr folgte. “Jetzt komm schon, wenn ich den Wein alleine trinke, musst du mich später zurück tragen.“
