12-01-2025, 18:34 - Wörter:
Mit leichtem Zögern trat Orpheus näher und musterte den Großkönig aufmerksam. Die Atmosphäre im Raum war von einer seltsamen Mischung aus Überschwang und Anspannung erfüllt. Augusto, der eigentlich für seine ständige Unruhe bekannt war, schien in einem Zustand weit entfernt von den gewohnten Ausbrüchen des Zorns. Doch diese überschwängliche, fast zu fröhliche Laune ließ Orpheus nur noch vorsichtiger und misstrauischer werden, denn die Stimmung konnte jederzeit kippen.
„Nein, danke, Vater“, sagte er leise und schüttelte den Kopf, als Augusto ihm etwas zu trinken anbot. Ein Blick auf das Tablett, das der Diener bereitgestellt hatte, ließ ihn erschaudern – die Flasche Wein war schon fast leer, er fragte sich, die wievielte es heute bereits war. Orpheus hatte wenig Lust, sich auf das alkoholgeschwängerte Niveau seines Vaters zu begeben.
Die Geräusche der Pergamentrollen, die er zur Seite schob, füllten die Stille, während er sich auf der Kline niederließ. Es war eine Kline von weichem Leder und feinstem Stoff, doch Orpheus nahm kaum wahr, wie angenehm sie sich anfühlte, so angespannt war er. Seine Hände ruhten verschränkt in seinem Schoß, die Finger leicht ineinander verschlungen, ein stiller Ausdruck seiner inneren Unsicherheit.
Der Kommentar seines Vaters über Prinzessin Naila ließ ihn unmerklich zusammenzucken. Die Formulierung war ihm unangenehm, fast abstoßend, doch wagte er nicht, dies direkt anzusprechen. Orpheus wusste nur zu gut, wie leicht sein Vater in solchen Momenten die Geduld verlieren konnte. Stattdessen wählte er seine Worte mit Bedacht, um nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen.„Ich… ich bin mir sicher, dass Prinzessin Naila viele Vorzüge hat“, begann Orpheus ausweichend. Er blickte dabei unaufhörlich auf den kleinen Beistelltisch vor sich, als könnte er dort eine Antwort auf die Fragen finden, die sich in seinem Inneren türmten. „Aber… Vater“, setzte er an, wobei er sich einen Moment nahm, um nach den richtigen Worten zu suchen, „ist es nicht ein wenig merkwürdig, dass Leandros als Thronfolger nicht derjenige ist, der mit Prinzessin Naila vermählt werden soll? Immerhin ist sie die Erstgeborene von König Ridvan. Wäre eine solche Verbindung nicht von größerem Nutzen für das Reich? Eine Heirat, die das Bündnis noch weiter stärken würde?“ Er hob vorsichtig den Blick, suchte in den Augen seines Vaters nach einer Regung. Er wusste nicht, ob er gerade etwas Ungehöriges gesagt hatte und ob sein Vater nicht im nächsten Augenblick losbrüllen würde. Doch er konnte die Frage nicht loswerden, die ihn schon so lange quälte, seit man ihm eröffnet hatte, dass er Naila heiraten sollte.
„Ich weiß, dass solche Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen werden“, fügte Orpheus hinzu, diesmal mit ein wenig mehr Nachdruck in der Stimme, als wolle er sich selbst überzeugen. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich der Richtige für diese Rolle bin.“ Seine Stimme wurde immer leiser, als er den Satz beendete. Die letzten Worte klangen fast wie ein Flüstern, in denen sich die gesamte Unsicherheit und der innere Konflikt widerspiegelten, die ihn in dieser Situation quälten. Die Vorstellung, in naher Zukunft eine Frau zu heiraten, mit der er keinerlei Verbindung hatte, einer Prinzessin, die er kaum kannte – und dass er dies nicht aus persönlichem Wunsch, sondern aus politischen Erwägungen tun sollte – war ein Gedanke, den Orpheus kaum aushalten konnte. Er senkte den Blick wieder. Der sensible Prinz fühlte sich in diesem Moment einfach nur verloren, klein und unbedeutend, als stünde er in einem Labyrinth aus Erwartungen, das er selbst nicht betreten wollte. Alles, was er sich in diesem Moment wünschte, war, weit weg von all dem zu sein, vielleicht sogar in einer anderen Welt, in der diese politischen und familiären Verpflichtungen nicht existierten. Doch leider wusste er, dass es kein Entkommen gab.
„Nein, danke, Vater“, sagte er leise und schüttelte den Kopf, als Augusto ihm etwas zu trinken anbot. Ein Blick auf das Tablett, das der Diener bereitgestellt hatte, ließ ihn erschaudern – die Flasche Wein war schon fast leer, er fragte sich, die wievielte es heute bereits war. Orpheus hatte wenig Lust, sich auf das alkoholgeschwängerte Niveau seines Vaters zu begeben.
Die Geräusche der Pergamentrollen, die er zur Seite schob, füllten die Stille, während er sich auf der Kline niederließ. Es war eine Kline von weichem Leder und feinstem Stoff, doch Orpheus nahm kaum wahr, wie angenehm sie sich anfühlte, so angespannt war er. Seine Hände ruhten verschränkt in seinem Schoß, die Finger leicht ineinander verschlungen, ein stiller Ausdruck seiner inneren Unsicherheit.
Der Kommentar seines Vaters über Prinzessin Naila ließ ihn unmerklich zusammenzucken. Die Formulierung war ihm unangenehm, fast abstoßend, doch wagte er nicht, dies direkt anzusprechen. Orpheus wusste nur zu gut, wie leicht sein Vater in solchen Momenten die Geduld verlieren konnte. Stattdessen wählte er seine Worte mit Bedacht, um nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen.„Ich… ich bin mir sicher, dass Prinzessin Naila viele Vorzüge hat“, begann Orpheus ausweichend. Er blickte dabei unaufhörlich auf den kleinen Beistelltisch vor sich, als könnte er dort eine Antwort auf die Fragen finden, die sich in seinem Inneren türmten. „Aber… Vater“, setzte er an, wobei er sich einen Moment nahm, um nach den richtigen Worten zu suchen, „ist es nicht ein wenig merkwürdig, dass Leandros als Thronfolger nicht derjenige ist, der mit Prinzessin Naila vermählt werden soll? Immerhin ist sie die Erstgeborene von König Ridvan. Wäre eine solche Verbindung nicht von größerem Nutzen für das Reich? Eine Heirat, die das Bündnis noch weiter stärken würde?“ Er hob vorsichtig den Blick, suchte in den Augen seines Vaters nach einer Regung. Er wusste nicht, ob er gerade etwas Ungehöriges gesagt hatte und ob sein Vater nicht im nächsten Augenblick losbrüllen würde. Doch er konnte die Frage nicht loswerden, die ihn schon so lange quälte, seit man ihm eröffnet hatte, dass er Naila heiraten sollte.
„Ich weiß, dass solche Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen werden“, fügte Orpheus hinzu, diesmal mit ein wenig mehr Nachdruck in der Stimme, als wolle er sich selbst überzeugen. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich der Richtige für diese Rolle bin.“ Seine Stimme wurde immer leiser, als er den Satz beendete. Die letzten Worte klangen fast wie ein Flüstern, in denen sich die gesamte Unsicherheit und der innere Konflikt widerspiegelten, die ihn in dieser Situation quälten. Die Vorstellung, in naher Zukunft eine Frau zu heiraten, mit der er keinerlei Verbindung hatte, einer Prinzessin, die er kaum kannte – und dass er dies nicht aus persönlichem Wunsch, sondern aus politischen Erwägungen tun sollte – war ein Gedanke, den Orpheus kaum aushalten konnte. Er senkte den Blick wieder. Der sensible Prinz fühlte sich in diesem Moment einfach nur verloren, klein und unbedeutend, als stünde er in einem Labyrinth aus Erwartungen, das er selbst nicht betreten wollte. Alles, was er sich in diesem Moment wünschte, war, weit weg von all dem zu sein, vielleicht sogar in einer anderen Welt, in der diese politischen und familiären Verpflichtungen nicht existierten. Doch leider wusste er, dass es kein Entkommen gab.
