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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

They were so easy to love

Linearer Modus
Szeneninformationen
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
14. Oktober 1016
Ort
Palastgärten der Castellanos
Tageszeit
14:30
#5
Selten bereitete es Naila Probleme, zwischen den Zeilen zu lesen und Bedeutung in die Stille zu deuten. Was sich bei manchen Personen wie das Zupfen eines Instrumentes herausstellte, um die richtigen Töne zu treffen und angestrebte Reaktionen herbeizurufen, kam bei anderen Personen eher dem Zuhören eines Liedes gleich. In Rajanis Fall war es hingegen manchmal angemessen, ihr Lied einzudämmen und sie zu einem späteren Zeitpunkt frei singen zu lassen; ihr Freundin und Weggefährtin stimmte Klänge an, die ihre Schönheit in roher, ungezügelter Ehrlichkeit fanden und den Zuhörer mit allen Farben eindeckte, die ihre Heimat zu bieten hatte. So bewusst sich die Prinzessin der Unruhe war, welche die Ältere nicht so recht stillsitzen ließ, wie oft sie kurz davor gewesen war, einen Ton über ihre Lippen zu bringen und ungeachtet der Gesellschaft ihre Geschichte zu teilen, so bewusster war sie sich, dass die Geschichten nicht immer für die Ohren der Anwesenden bestimmt waren. Naila vertraute dem neuen Zuwachs ihrer Gesellschafterinnen, aber nicht in soweit, dass sie ihr die Geheimnisse von anderen anvertraute. Sie fühlte sich sicher in den Gärten, aber nicht sicher genug, um Rajani frei sprechen zu lassen. Ein Seitenblick zu Rajani war getränkt von Wärme, aber auch von stummer Aufmerksamkeit und der Aufforderung, dass sie noch ein bisschen warten sollte. Heute würde sie endlich Zeit einräumen und sich die Geschichte in ihren privaten Gemächern anhören, bevor sie entschied, ob Elithea daran teilhaben konnte. In dieser Stunde hingegen wollte sie der Jüngeren eine Möglichkeit geben, ihr eigenes Lied zu singen.
“Das würde mich ungemein freuen, Elithea.” Die Stimme der Prinzessin war warm und mit echter Freude gefüllt. “In Matariyya kommen wir ständig zusammen, um gemeinsam zu musizieren und zu tanzen, nicht, Rajani?” Man erkannte ihr nicht unbedingt an, dass sie der Gedanke an ihre Heimat mit einer ähnlichen Wehmütigkeit füllte wie Elithea, überschattete die Wärme doch bewusst ihr Heimweh. Wenn auch aus völlig anderen Gründen, hatte sie ihr Zuhause in gewisser Weise verloren, musste sich an eine neue Umgebung anpassen und im Königshof von Castandor eine neue Heimat finden. Sie war sich allerdings auch im Klaren darüber, dass Elithea nicht einfach so zu ihren Wurzeln zurückkehren konnte, dass ein Schmerz die schöne Erinnerung verdunkelte - auch, dass sie die Hoffnung vermutlich nicht völlig aufgegeben hatte, wieder zurückkehren zu können. Es gab genügend Menschen am Hof, die den Trakas ständig versicherten, Eastergold Meadow würde bald wieder ihnen gehören, und Naila gehörte alleine ihres Standes wegen zu ihnen; aber war dies wirklich eine Botschaft, die sie einer jungen Frau ohne Halt vermitteln wollte? Ihrer Meinung nach war es ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, ihr eine neue Zukunft zu ermöglichen und die Vergangenheit langsam den Niederschriften zuzusprechen, die sie beide so sehr verehrten.
Eine solche Position, wie Naila sie innehatte, trug neben den vielen Vorzügen auch eine deutliche Verantwortung mit sich, vor allem ihrem Umfeld gegenüber. Wenn sie wollte, dass ihre Gesellschafterinnen ihren Platz am Hof fanden, genauso wie sie selbst, dann war es an ihr, den Weg dafür bereit zu legen. Bisher hatte sie damit mäßigen Erfolg gehabt, was sie tatsächlich ein wenig bedrückte. Während Rajani keine Gelegenheit gehabt hatte, ihr Geheimnis mit ihrer Prinzessin zu teilen, war es Naila bisher verwehrt geblieben, ihre Sorgen über die bestehende Struktur am Hof zu äußern. In Matariyya war es anders gewesen - den Frauen wurde so wenig Macht zugesprochen, dass sie mehr in Einheit und weniger in Konkurrenz lebten. Gold war fast wichtiger, als der Name es war, und die Nähe zu Männern außerhalb der Familie war ihnen so untersagt, dass sie sich nur gegenseitig zur Unterstützung und zum Trost gehabt hatten. Doch hier am castandorischen Hof war alles so ineinander verwoben, dass es kaum Platz gab, in die Reihen hinein zu schlüpfen, geschweige denn, sich in ihnen zurechtzufinden.

Naila vermisste Aanya, die heute mit ihrer Schwester unterwegs war. Sie war ihre Quelle zu dem Hof, ihre Stimme zu den Vernetzungen, ihr Ohr für Knistereien und Ungereimtheiten. Mit Rajani genoss sie die Leichtigkeiten ihres Lebens, mit Aanya die rauen Seiten, und die Informationen, die sie bis jetzt hatte sammeln können, waren leider vollkommen unzureichend. Dass sie nun im Augenwinkel eine Gestalt wahrnahm, die sich ihnen scheinbar fast unauffällig auf sicherer Distanz genähert hatte, schien fast wie ein Zeichen von Heofader.
Sich völlig bewusst, dass eine Reaktion ihrerseits die Inklusion des Neulings unabdinglich machte, drehte sie sich leicht und öffnete ihre Körperhaltung der Dame, die darin zu zögern schien, näher zu treten. Ein leichtes, ehrliches Lächeln umspielte ihre Lippen, das letzte Zeichen für ihre Leibgarde, die Füße still zu halten und den Gast passieren zu lassen. “Lady Acilius, was für eine Freude, Euch hier zu sehen!”, erhob sie ihre Stimme gerade so, dass sie Aurora erreichte. Mit Rajani tauschte sie einen kurzen Blick, den wohl nur sie verstand; Naila hatte auf die Gelegenheit gewartet, eine der höfisch Ansässigen alleine zu erwischen, ohne offensichtlich nach ihnen zu verlangen. Was für ein Zufall, nicht? “Kommt, setzt Euch doch zu uns. Ihr müsst sicher erschöpft von der Sonne sein.” In der Tat hatten sich die Frauen einen angenehm schattigen Platz gesucht, in dem allerlei Erfrischungen auf einem Tablett bereitstanden. Von Früchten, kleinem, leichten Gebäck, einer Wein- und Wasserkaraffe stand alles in ihrer Mitte, bereit, verzehrt zu werden.
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Nachrichten in diesem Thema
They were so easy to love - von Naila Castellanos - 27-12-2024, 19:34
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 31-12-2024, 17:37
RE: They were so easy to love - von Elithea Trakas - 07-01-2025, 23:52
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 12-01-2025, 17:02
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 26-01-2025, 07:10
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 01-03-2025, 12:04
RE: They were so easy to love - von Elithea Trakas - 08-03-2025, 23:14
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 19-03-2025, 21:00
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 05-04-2025, 10:56
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 13-05-2025, 15:50
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 21-05-2025, 21:15
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 31-05-2025, 05:28
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 13-06-2025, 18:00
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 16-07-2025, 20:25
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 27-07-2025, 11:33
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 20-09-2025, 17:54
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 26-11-2025, 15:59