26-01-2025, 10:51 - Wörter:
Conquer or Die
Der Tagesablauf der Hand des Großkönigs war klar strukturiert, mit wenigen Unterbrechungen, die Zephyr überhaupt noch überrascht aufschauen ließen. Während er durch die breiten Korridore lief und mit erhobenem Kopf die Treppen zu dem privaten Flügel der Königsfamilie erklomm, war er in Gedanken bereits an den nächsten Tag, seine Routine, das Ratstreffen und den obligatorischen Besuch im Heerlager. Es war zum Alltag geworden, dass er nur noch genauso viel schlief wie nötig und ein Häkchen nach dem anderen setzte, wobei sogar der Briefwechsel mit seiner Frau mittlerweile mit Politik durchtränkt war. Dass er seine kostbare Zeit auch für Augusto opfern musste, kam ihm dabei zunehmend wie eine Verschwendung vor.
Lange schon trug der Großkönig nicht mehr das Zepter in der Hand, doch fragen konnte man sich, ob er sich dessen überhaupt bewusst war. Zuzuschreiben hatte er das natürlich allein sich selbst; er konnte froh sein, dass er einen Cousin hatte, der ihm den Rücken frei hielt und ihm die schwierigen Entscheidungen abnahm. Ein Großkönig ließ sich seine Zurechnungsfähigkeit nicht vom Wein stehlen, oder von einem jungen Frühlingskönig provozieren und unrealistische Rachepläne schmieden, die weder Hand noch Fuß hatten. Jahr für Jahr war Zephyrs Respekt für Augusto gesunken, während er sich hinter ihm duckte, die Scherben der weggeworfenen Weingläser aufklaubte und sie in seinen eigenen Gemächern wieder zusammen klaubte. Leider befreite ihn das nicht von der Pflicht, ihm dennoch regelmäßig einen Besuch abzustatten und sich das obligatorische Ja abzuholen, das er hin und wieder ein wenig frei interpretierte. So trat die Königsgarde auch jetzt für ihn zur Seite, nachdem man ihn seinem Cousin angekündigt hatte.
Zephyrs Blick legte sich sofort auf die Gestalt, die inmitten des protzigen Raumes auf einem breiten, extra breiten Triclinicum lag. Er würdigte auch die große Weinkaraffe mit einem Blick, ehe er sich eine Faust aufs Herz legte und eine respektvolle Verbeugung andeutete. “Eure Majestät”, begrüßte er Augusto seinem Stand entsprechend und wartete auf die formale Aufforderung, sich zu setzen - was er gedachte, direkt gegenüber von Augusto zu tun. Man schenkte ihm ein Glas ein und er griff danach, trank aber nicht daraus. “Ich komme, um von dem Aufbau der Verteidigungsanlagen in Bardon Pass zu berichten.” In der Tat saß er bis zu einer Stunde noch auf seinem Pferd, auf dem Weg zurück zur Hauptstadt. Zephyr hatte nunmal keine Zeit für Pausen, und ehrlich gesagt wollte er dieses Gespräch auch nicht länger als nötig aufschieben.
