28-01-2025, 11:56 - Wörter:
Die Tage im Frühlingsland fühlten sich an wie aus einer anderen Welt. Die Farben waren satter, die Luft wärmer, und die Menschen begegneten ihr mit einer Freundlichkeit, die sie fast misstrauisch machte. Es war, als wollte man ihr ständig etwas beweisen. Sanna war sich nicht sicher, ob sie sich in Springs Court jemals wirklich heimisch fühlen würde.
Ihre Gedanken trugen sie immer wieder zurück zu ihrer Heimat: die raue Frische der Wälder, das vertraute Knistern der Blätter unter ihren Stiefeln, der Bogen in ihrer Hand und die Jagd, die nicht nur Überleben, sondern ein Teil ihrer selbst war. Hier jedoch schien man sie anders zu sehen. Nicht als Kämpferin, nicht als Jägerin. Sondern als zarte Lotusblüte – ein Bild, das sie mehr amüsierte als alles andere, doch zugleich auch eine leise Frustration in ihr weckte.
Sanna seufzte leise. Das Frühlingsland hatte seine Reize, das konnte sie nicht leugnen. Aber manchmal fragte sie sich, ob sie bei ihrer Entscheidung, hier zu bleiben, nicht einen Teil von sich selbst zurückgelassen hatte – und ob sie diesen Teil jemals wiederfinden würde.
Sannas Blick glitt zu Valda, die mit strahlenden Augen und einem Lachen, das die Luft erfüllte, einer Blumenhändlerin gegenüberstand. Geschickte Hände flochten gerade eine leuchtende Blüte in das Haar des Mädchens, als sei sie selbst Teil des Frühlings geworden. Es war ein Moment voller Unbeschwertheit und Schönheit – und dennoch spürte Sanna, wie ihr Herz schwerer wurde.
Hier, in diesen sonnendurchfluteten Straßen, fühlte sich der Spagat zwischen dem Muttersein und dem Verlust ihrer eigenen Identität überwältigender an als jemals zuvor. Im Winterland hatte sie nie gezweifelt. Die klare, raue Luft hatte sie stark gemacht, und die Anforderungen des Lebens hatten ihr stets Sinn gegeben. Doch hier… hier wuchs die Last mit jedem Schritt, den sie in dieser fremden Welt tat.
Während Valda aufblühte und strahlte wie die Blumen, die überall die Stadt schmückten, fühlte Sanna sich, als würde sie allmählich verkümmern. Ein Baum, entwurzelt und an einen zu hellen, zu fremden Ort verpflanzt. Die Wärme, die Valda so sehr zu genießen schien, brannte Sanna nur aus.
Sie atmete tief durch und sah dabei zu, wie ihre Tochter die Stände bewunderte, ohne von der leisen Zerrissenheit in Sannas Innerem zu wissen. Ein bittersüßer Anblick – das Wissen, dass sie hier Valda zuliebe bleiben musste, und zugleich die wachsende Angst, dabei sich selbst zu verlieren.
“Mama, können wir das Tante Tyra geben?”
Sanna neigte den Kopf leicht zur Seite, ein leises Schmunzeln auf den Lippen, als sie sich erneut fragte, woher Valda diesmal das Gebäckstück hatte. Es war, als hätte das Mädchen eine Gabe, Essen aus dem Nichts aufzutreiben. "Wenn Sie uns das nächste Mal besucht, ist es vermutlich verdorben", bemerkte sie mit einem Hauch von Bedauern und schüttelte dabei den Kopf.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie einen Mann. Sein Erscheinungsbild ließ keinen Zweifel daran, dass er ein Winterländer war. Die kräftigen Schultern, die vernarbte Haut, die ruhige Entschlossenheit in seiner Haltung – all das trug die vertraute Härte ihrer Heimat in sich. Vielleicht war seine Haut nur etwas zu wettergegerbt. Vermutliche in Söldner.
Es überraschte Sanna, wie sehr allein dieser Anblick sie erdete. Für einen Moment schien die Schwere, die das Frühlingsland auf ihr Herz legte, nachzulassen. Es war wie eine Erinnerung an klare Winde, dunkle Wälder und den Winterhimmel, der so unendlich weit schien.
Doch noch etwas anderes ließ ihren Blick an ihm haften, hielt sie fest wie unsichtbare Fäden. Es war mehr als nur das Gefühl von Vertrautheit – es war ein Erkennen. Ein Stich der Erinnerung, der sie durchfuhr, als sie sein Gesicht genauer betrachtete. Ihre Augen schmälerten sich, suchten die letzten Zweifel aus seinem Antlitz zu tilgen. "Ivar?" Ihre Stimme brach die Umgebungsgeräusche, wie ein Stein, der ins ruhige Wasser geworfen wurde. Es war keine bloße Überraschung, die in den zwei Silben mitschwang. Nein, da war mehr. Eine Schärfe, ein leises Zittern, das Wut und Enttäuschung verriet – alt und tief.
Ihre Gedanken trugen sie immer wieder zurück zu ihrer Heimat: die raue Frische der Wälder, das vertraute Knistern der Blätter unter ihren Stiefeln, der Bogen in ihrer Hand und die Jagd, die nicht nur Überleben, sondern ein Teil ihrer selbst war. Hier jedoch schien man sie anders zu sehen. Nicht als Kämpferin, nicht als Jägerin. Sondern als zarte Lotusblüte – ein Bild, das sie mehr amüsierte als alles andere, doch zugleich auch eine leise Frustration in ihr weckte.
Sanna seufzte leise. Das Frühlingsland hatte seine Reize, das konnte sie nicht leugnen. Aber manchmal fragte sie sich, ob sie bei ihrer Entscheidung, hier zu bleiben, nicht einen Teil von sich selbst zurückgelassen hatte – und ob sie diesen Teil jemals wiederfinden würde.
Sannas Blick glitt zu Valda, die mit strahlenden Augen und einem Lachen, das die Luft erfüllte, einer Blumenhändlerin gegenüberstand. Geschickte Hände flochten gerade eine leuchtende Blüte in das Haar des Mädchens, als sei sie selbst Teil des Frühlings geworden. Es war ein Moment voller Unbeschwertheit und Schönheit – und dennoch spürte Sanna, wie ihr Herz schwerer wurde.
Hier, in diesen sonnendurchfluteten Straßen, fühlte sich der Spagat zwischen dem Muttersein und dem Verlust ihrer eigenen Identität überwältigender an als jemals zuvor. Im Winterland hatte sie nie gezweifelt. Die klare, raue Luft hatte sie stark gemacht, und die Anforderungen des Lebens hatten ihr stets Sinn gegeben. Doch hier… hier wuchs die Last mit jedem Schritt, den sie in dieser fremden Welt tat.
Während Valda aufblühte und strahlte wie die Blumen, die überall die Stadt schmückten, fühlte Sanna sich, als würde sie allmählich verkümmern. Ein Baum, entwurzelt und an einen zu hellen, zu fremden Ort verpflanzt. Die Wärme, die Valda so sehr zu genießen schien, brannte Sanna nur aus.
Sie atmete tief durch und sah dabei zu, wie ihre Tochter die Stände bewunderte, ohne von der leisen Zerrissenheit in Sannas Innerem zu wissen. Ein bittersüßer Anblick – das Wissen, dass sie hier Valda zuliebe bleiben musste, und zugleich die wachsende Angst, dabei sich selbst zu verlieren.
“Mama, können wir das Tante Tyra geben?”
Sanna neigte den Kopf leicht zur Seite, ein leises Schmunzeln auf den Lippen, als sie sich erneut fragte, woher Valda diesmal das Gebäckstück hatte. Es war, als hätte das Mädchen eine Gabe, Essen aus dem Nichts aufzutreiben. "Wenn Sie uns das nächste Mal besucht, ist es vermutlich verdorben", bemerkte sie mit einem Hauch von Bedauern und schüttelte dabei den Kopf.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie einen Mann. Sein Erscheinungsbild ließ keinen Zweifel daran, dass er ein Winterländer war. Die kräftigen Schultern, die vernarbte Haut, die ruhige Entschlossenheit in seiner Haltung – all das trug die vertraute Härte ihrer Heimat in sich. Vielleicht war seine Haut nur etwas zu wettergegerbt. Vermutliche in Söldner.
Es überraschte Sanna, wie sehr allein dieser Anblick sie erdete. Für einen Moment schien die Schwere, die das Frühlingsland auf ihr Herz legte, nachzulassen. Es war wie eine Erinnerung an klare Winde, dunkle Wälder und den Winterhimmel, der so unendlich weit schien.
Doch noch etwas anderes ließ ihren Blick an ihm haften, hielt sie fest wie unsichtbare Fäden. Es war mehr als nur das Gefühl von Vertrautheit – es war ein Erkennen. Ein Stich der Erinnerung, der sie durchfuhr, als sie sein Gesicht genauer betrachtete. Ihre Augen schmälerten sich, suchten die letzten Zweifel aus seinem Antlitz zu tilgen. "Ivar?" Ihre Stimme brach die Umgebungsgeräusche, wie ein Stein, der ins ruhige Wasser geworfen wurde. Es war keine bloße Überraschung, die in den zwei Silben mitschwang. Nein, da war mehr. Eine Schärfe, ein leises Zittern, das Wut und Enttäuschung verriet – alt und tief.
