29-01-2025, 08:24 - Wörter:

Frustriert trat er gegen eine Wurzel und hob damit gleich ein wenig Gras aus, so viel unkontrollierte Kraft steckte dahinter. Helfen tat es trotzdem nicht, so wie die ganze Nacht schon nicht dabei geholfen hatte, seine mentale Gesundheit zu fördern. Dass Erik immer noch da war und den ganzen Ausbruch mitbekam, schürte nur die Glut in ihm, auch wenn sie nicht gegen seinen Waffenbruder gerichtet war. Jetzt versuchte er es auch noch mit Gefühlsduseleien; Leif hatte wirklich keinen einzigen Geduldsfaden mehr für solche Gespräche übrig. „Nein“, knurrte er daher, ein Grollen tief aus der Kehle, und wieder war es nicht an Erik direkt gerichtet. Aber er war nunmal der Einzige, der da war, und der Einzige, der Leifs Laune deswegen aushalten musste. „Es liegt nicht an den Kriegsvorbereitungen. Zufrieden??“ Wilde Augen fixierten den Krieger über die Schulter und schienen ihn regelrecht niederzustarren wie ein Tier, das sein Territorium markierte. Und wieder; was machte er eigentlich hier?
Sanna und Valda waren da draußen und kämpften vielleicht um ihr Überleben, und er hatte nichts Besseres zutun, als seinen Schwager oder den Baumstumpf zu Kleinholz zu verarbeiten. Zu Heofaders Arsch mit den Vorsätzen, er merke sich seine Sorge nicht an, die ihn seit Tagen schon von innen heraus auffraß. Die letzten Stunden hatte er versucht, dem Drang entgegen zu wirken, sich nach ihnen auf die Suche zu machen, auch wenn er wusste, dass er eventuell beobachtet wurde, dass die Idee mehr als dumm war, und wofür? Damit er hier langsam seinen Verstand verlieren konnte? Damit Erik Zeuge von seiner dunkelsten Seite wurde? Nicht mehr. Der Mond stand zu hoch, um Entscheidungen zu hinterfragen; Leif würde sich nicht länger vormachen, er könne sich selbst unter Kontrolle halten, wenn jeder einzige Gedanke sich um Valda drehte und warum er nicht Mann genug war, selbst nach ihr zu suchen.
„Geh ins Bett, Bruder“, waren die letzten Worte, die Leif an seinen Schwager richtete, ehe er nach dem Wams und seinem Umhang griff, um sie sich auf dem Weg zu den Stallungen überzuziehen. Die Axt ließ er stecken — vielleicht würde sie ihn morgen daran erinnern, was für Dummheiten er in der Nacht begangen hatte, als er nicht mehr hatte leugnen können, ein besorgter Vater zu sein.
