02-02-2025, 04:35 - Wörter:

Dass er nun aber auf dem Markt in Spring’s Court von einer Fremden erkannt wurde, machte ihn misstrauisch. Es war nicht das erste Mal, dass man ihn ansprach, sicher auch nicht das erste Mal, dass man ihn als gesuchten Winterländer identifizierte, auch wenn die unangenehmen Situationen mit den Jahren abgenommen hatten. Mittlerweile hatte er sich abgewöhnt, auf seinen Namen großartig zu reagieren und sich damit zu verraten, weshalb er der Frau neben sich nur einen abschätzigen Blick über die Schulter zuwarf. Das Kind neben ihr guckte ihn nun auch mit großen Augen an. Na großartig. Eine Winterländerin, die ihn offensichtlich mit seiner Vergangenheit in Verbindung brachte und mit ihrem Balg unterwegs war. Das machte es schwieriger, sich ihr in der Gasse zu entledigen, wenn sie ihm folgte. Genau das hatte er ja grad noch gebraucht, oder? Eine Frau, die sich vermutlich bereits ein Vermögen ausrechnete, was sie mit seinem Kopfgeld alles anstellen könnte.
Laut stieß Ivar Luft durch seine Nase und ließ den Blick beiläufig über den Markt schweifen auf der Suche nach anderen winterländischen Gesichtern, die zu ihr gehören könnten. “Willst du das echt hier mitten auf dem Markt machen, neben dem Mädchen?” Wieder ruhte sein Blick auf der Frau mit dem blonden Haar, das so typisch für seine Heimatsregion war. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er fast sagen, sie wirkte verletzt; enttäuscht? Da konnte sie sich aber hinten anstellen. “Ich schlage vor, wir tun so, als hättest du mich nie angesprochen”, antwortete er nonchalant, der Stimmung des Marktes angepasst, um kein Aufsehen zu erregen. In Spring’s Court gab es viele Wachen, die ihm lästig werden konnten, wenn die Falschen sie informierten, und die Bäckerin schaute sie bereits so an, als wäre sie sich nicht sicher, wie sie die Situation deuten sollte. Ivar machte sich daran, das Brot in seinem Beutel zu verstauen und wandte sich von dem Stand ab, dass die Bäckerin ihn nicht mehr verstehen konnte. Denn er war noch nicht fertig mit der Fremden. Beim Gehen rempelte er absichtlich ihre Schulter an und schenkte ihr eine letzte Warnung, die sie hoffentlich zögern ließ und ihm die Möglichkeit gab, unterzutauchen. “Will ein Kind ungern mutterlos machen.”
