30-05-2025, 17:34 - Wörter:
Die Wärme des leise prasselnden Kaminfeuers ihres Schlafgemachs hatte Reinka schon vor Stunden in einen bleiernen Schlaf gelockt. Unter den schweren Fellen, die so vertraut nach Rauch, Winter und Heimat rochen, schlief Reinka tief – tiefer, als sie es von sich gewohnt war. Die Tage seit Eriks Aufbruch hatten sich gezogen wie Kälte durch alte Knochen. Sie war ungewohnt unruhig gewesen, hatte ihre Tage damit verbracht, in den Stallungen herumzulungern, bei ihren geliebten Pferden, ihre Bewegungen zu beobachten, ihre Gesichter zu zeichnen, um sich selbst daran zu erinnern, dass sie noch immer einen Platz in dieser Welt hatte. Mit dem feinen Unterschied, dass sie diesen Platz nicht länger auf dem Rücken eines noch rohen Pferdes oder im Turnierring fand.
Die Dienerschaft wisperte leise, wenn sie glaubten, sie höre es nicht. Flatterten um sie herum wie Motten um eine Kerze. Jeder wollte ihr abnehmen, was sie einst mit Stolz selbst getan hatte – selbst das Striegeln ihres Wallachs wurde ihr aus der Hand genommen. Und das Einreiten der Remonten? ’Aber doch nicht in Eurem Zustand, Herrin.’ Reinka hatte mehr als einmal den Wunsch verspürt, einen Eimer Wasser nach der nächsten besorgten Magd zu werfen, die ihr mit diesen Worten entgegen trat. Sie war schwanger, nicht krank!
Und wie an jedem Tag der vergangenen Wochen war es ihr auch heute schwergefallen, diese verfluchte Müdigkeit abzuschütteln. Diese lähmende Erschöpfung, die sich stets wie ein schwerer Mantel auf ihre Schultern legte, sobald die Sonne sich gen Horizont aufmachte. Am Vormittag hatte sie sich noch übergeben müssen – zum dritten Mal diese Woche – und ihr karges Mittagessen hatte sie in ihren Gemächern eingenommen, damit niemand ihre schwankende Stimmung sah. Denn nur wenn das Feuer knisterte und die Schatten an den Wänden zu tanzen begannen, fühlte sie sich wieder wie sie selbst. Zumindest ein wenig. Aber selbst das war trügerisch. Sie war nicht mehr dieselbe Frau, die einst mit blutiger Schläfe stand ihr Schwert umklammerte und lachend die stärksten Männer in die Knie zwang. Und sie schlief einfach viel zu viel.
Jetzt lag sie also da, das zerzauste Haar halb aus der kunstvollen Flechtfrisur gelöst, der Atem ruhig und gleichmäßig. Die immerwährende winterländische Kälte, die durch die Ritzen der Fenster drang, kühlte ihre vom Schlaf geröteten Wangen, die unter den weichen Fellen hervorlugten. Und ihr Leib, noch nicht rund, aber merklich weicher, spannte sich unter dem schlichten Nachtgewand aus weichem, hellen Leinen, die Schnürung am Brustbein lose. Der Stoff schmiegte sich an ihre Haut, warm vom Feuer, schmeichelte der Form ihrer Hüften, aber verbarg die sanften Anzeichen dessen, was in ihr heranwuchs.
Sie bemerkte seine Nähe, ehe sie ganz erwachte – der vertraute Geruch von Leder, Wild und Erik selbst drang in ihr Bewusstsein, ehe seine Fingerspitzen ihre Stirn berührten. Ein Kuss, sanft wie fallender Schnee. Sie blinzelte, schmiegte sich tiefer in die Felle, als wolle sie den Moment bewahren. Eine friedliche Ruhe stieg in ihr auf – und eine Welle stummer Erleichterung. „Mmmh...“ Ein Laut, kaum mehr als das, verließ ihre Lippen. Die Müdigkeit haftete ihr noch an, aber ihr träger Blick suchte ihn bereits im Halbdunkel ihres Gemachs – und fand ihn. Groß. Breit. Der hünenhafte Schatten eines Mannes, den sie mit jedem Atemzug mehr vermisst hatte, als sie es je zugegeben könnte. Ihre Finger streckten sich langsam nach ihm aus, streiften seine schwielige Handfläche. “Du bist zurück“, murmelte sie verschlafen, doch er war längst fort – nicht weit, aber genug, dass sie die Kälte in der Luft spürte, wo eben noch seine Wärme gewesen war.
Erst jetzt bemerkte sie die Hauer auf ihrem Nachttisch. Groß. Sorgsam glatt poliert. Ein sanftes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Natürlich hatte er an sie gedacht. Erik konnte ein wahrhafter Idiot sein – ein lauter, ungezogener, freiheitsliebender Idiot. Aber nie vergaß er sie.
Langsam schob sie sich unter den Fellen hervor und erhob sich bedächtig. Ihr Unterleib schmerzte leicht, wie so oft in letzter Zeit, und ein leiser Laut der Unzufriedenheit entwich ihr, als sie die Beine aus dem Bett schwang und ihre Füße den kalten Steinboden berührten. Sie griff nach einem wärmenden, gewebten Umhang, schlang ihn sich um die Schultern, und tappte gemächlich durch den halbdunklen Raum, hin zum mächtigen Kamin. Die Dienerschaft hatte ein ausgeklügeltes System eingerichtet: Mit heißem Stein gewärmte Wasserkrüge, in dicke Filzdecken gehüllt, bereit für die frühen Morgenstunden, falls der Herr oder die Herrin ein Bad wünschten. Eigentlich wurde nun von ihr erwartet, dass sie in diesem Fall eine Leibmagd zu wecken hatte, doch heute würde sie sich allein um ihren Ehemann kümmern.
Schweigend trug sie den ersten Krug zum Zuber, goss das heiße Wasser hinein. Der Dampf stieg auf, umspielte ihr Gesicht, ließ ihre Wangen noch röter erscheinen. Dann griff sie nach einem zweiten Krug, goss kaltes Wasser dazu, um die Mischung zu mildern. Ihre Bewegungen waren sicher, präzise – ganz Reinka. „Wie war die Jagd?“ Ihre Stimme war leise, brüchig fast. Sie wollte nicht neugierig wirken, und doch war sie es. Bevor sie den nächsten Krug holte, warf sie Erik einen prüfenden Blick zu. Er wirkte angespannt, seine Schultern trugen mehr als nur die Last der Jagd. Und Reinka spürte mit jeder Faser ihres Körpers, dass er etwas mit sich trug, das schwerer war als das Wildbret, das morgen die Burg sättigen würde. Sie sagte nichts weiter. Fragte nicht nach. Tat, als wäre die Kunde über das hitzige Gefecht von Leif und Erik noch nicht bis zu ihr gedrungen. Noch nicht. Aber sie hoffte, dass er ihr gleich erzählen würde, was sie wissen musste – nicht als künftige Fürstin, nicht als Schwester des Kronprinzen, sondern als Frau, die ihn liebte.
Die Dienerschaft wisperte leise, wenn sie glaubten, sie höre es nicht. Flatterten um sie herum wie Motten um eine Kerze. Jeder wollte ihr abnehmen, was sie einst mit Stolz selbst getan hatte – selbst das Striegeln ihres Wallachs wurde ihr aus der Hand genommen. Und das Einreiten der Remonten? ’Aber doch nicht in Eurem Zustand, Herrin.’ Reinka hatte mehr als einmal den Wunsch verspürt, einen Eimer Wasser nach der nächsten besorgten Magd zu werfen, die ihr mit diesen Worten entgegen trat. Sie war schwanger, nicht krank!
Und wie an jedem Tag der vergangenen Wochen war es ihr auch heute schwergefallen, diese verfluchte Müdigkeit abzuschütteln. Diese lähmende Erschöpfung, die sich stets wie ein schwerer Mantel auf ihre Schultern legte, sobald die Sonne sich gen Horizont aufmachte. Am Vormittag hatte sie sich noch übergeben müssen – zum dritten Mal diese Woche – und ihr karges Mittagessen hatte sie in ihren Gemächern eingenommen, damit niemand ihre schwankende Stimmung sah. Denn nur wenn das Feuer knisterte und die Schatten an den Wänden zu tanzen begannen, fühlte sie sich wieder wie sie selbst. Zumindest ein wenig. Aber selbst das war trügerisch. Sie war nicht mehr dieselbe Frau, die einst mit blutiger Schläfe stand ihr Schwert umklammerte und lachend die stärksten Männer in die Knie zwang. Und sie schlief einfach viel zu viel.
Jetzt lag sie also da, das zerzauste Haar halb aus der kunstvollen Flechtfrisur gelöst, der Atem ruhig und gleichmäßig. Die immerwährende winterländische Kälte, die durch die Ritzen der Fenster drang, kühlte ihre vom Schlaf geröteten Wangen, die unter den weichen Fellen hervorlugten. Und ihr Leib, noch nicht rund, aber merklich weicher, spannte sich unter dem schlichten Nachtgewand aus weichem, hellen Leinen, die Schnürung am Brustbein lose. Der Stoff schmiegte sich an ihre Haut, warm vom Feuer, schmeichelte der Form ihrer Hüften, aber verbarg die sanften Anzeichen dessen, was in ihr heranwuchs.
Sie bemerkte seine Nähe, ehe sie ganz erwachte – der vertraute Geruch von Leder, Wild und Erik selbst drang in ihr Bewusstsein, ehe seine Fingerspitzen ihre Stirn berührten. Ein Kuss, sanft wie fallender Schnee. Sie blinzelte, schmiegte sich tiefer in die Felle, als wolle sie den Moment bewahren. Eine friedliche Ruhe stieg in ihr auf – und eine Welle stummer Erleichterung. „Mmmh...“ Ein Laut, kaum mehr als das, verließ ihre Lippen. Die Müdigkeit haftete ihr noch an, aber ihr träger Blick suchte ihn bereits im Halbdunkel ihres Gemachs – und fand ihn. Groß. Breit. Der hünenhafte Schatten eines Mannes, den sie mit jedem Atemzug mehr vermisst hatte, als sie es je zugegeben könnte. Ihre Finger streckten sich langsam nach ihm aus, streiften seine schwielige Handfläche. “Du bist zurück“, murmelte sie verschlafen, doch er war längst fort – nicht weit, aber genug, dass sie die Kälte in der Luft spürte, wo eben noch seine Wärme gewesen war.
Erst jetzt bemerkte sie die Hauer auf ihrem Nachttisch. Groß. Sorgsam glatt poliert. Ein sanftes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Natürlich hatte er an sie gedacht. Erik konnte ein wahrhafter Idiot sein – ein lauter, ungezogener, freiheitsliebender Idiot. Aber nie vergaß er sie.
Langsam schob sie sich unter den Fellen hervor und erhob sich bedächtig. Ihr Unterleib schmerzte leicht, wie so oft in letzter Zeit, und ein leiser Laut der Unzufriedenheit entwich ihr, als sie die Beine aus dem Bett schwang und ihre Füße den kalten Steinboden berührten. Sie griff nach einem wärmenden, gewebten Umhang, schlang ihn sich um die Schultern, und tappte gemächlich durch den halbdunklen Raum, hin zum mächtigen Kamin. Die Dienerschaft hatte ein ausgeklügeltes System eingerichtet: Mit heißem Stein gewärmte Wasserkrüge, in dicke Filzdecken gehüllt, bereit für die frühen Morgenstunden, falls der Herr oder die Herrin ein Bad wünschten. Eigentlich wurde nun von ihr erwartet, dass sie in diesem Fall eine Leibmagd zu wecken hatte, doch heute würde sie sich allein um ihren Ehemann kümmern.
Schweigend trug sie den ersten Krug zum Zuber, goss das heiße Wasser hinein. Der Dampf stieg auf, umspielte ihr Gesicht, ließ ihre Wangen noch röter erscheinen. Dann griff sie nach einem zweiten Krug, goss kaltes Wasser dazu, um die Mischung zu mildern. Ihre Bewegungen waren sicher, präzise – ganz Reinka. „Wie war die Jagd?“ Ihre Stimme war leise, brüchig fast. Sie wollte nicht neugierig wirken, und doch war sie es. Bevor sie den nächsten Krug holte, warf sie Erik einen prüfenden Blick zu. Er wirkte angespannt, seine Schultern trugen mehr als nur die Last der Jagd. Und Reinka spürte mit jeder Faser ihres Körpers, dass er etwas mit sich trug, das schwerer war als das Wildbret, das morgen die Burg sättigen würde. Sie sagte nichts weiter. Fragte nicht nach. Tat, als wäre die Kunde über das hitzige Gefecht von Leif und Erik noch nicht bis zu ihr gedrungen. Noch nicht. Aber sie hoffte, dass er ihr gleich erzählen würde, was sie wissen musste – nicht als künftige Fürstin, nicht als Schwester des Kronprinzen, sondern als Frau, die ihn liebte.
