31-05-2025, 09:23 - Wörter:
Hatte Ivar seiner Schwester überhaupt etwas zu sagen? Er wusste, dass er sie enttäuscht hatte; das sah er in ihrem Blick, in dem unvergossene Tränen brannten. Sanna versuchte so vehement, stark zu sein, aber für ihren älteren Bruder wirkte sie genauso trotzig und verletzt wie vor einem Jahrzehnt, als er sie mit Martha allein gelassen hatte und nie wieder zurückgekehrt war. Beinahe war es, als wäre die Zeit stehen geblieben und sie hätten sich überhaupt nicht verändert. Er nur mit den Narben, die er von seinem Vater hatte. Mit kurzen, blonden Haaren und wütenden Augen. Er, der das Leben ernst nahm und nie ein stärkeres Gefühl verspürt hatte wie die Rachegelüste gegenüber dem Mann, der kein Recht hatte, seiner Familie solche Schmerzen zuzufügen.
Dann Sanna, die kaum aus ihren Kinderschuhen herausgewachsen war und nur aus der Sicht eines Kindes verstand, warum er ihr Bruder sie zurück. Die nicht wusste, dass Martha die Tür vor ihrem Sohn zugeschlagen hatte und sich vermutlich verraten fühlte. Sie, die Ivars Handgelenk umklammert und ihn angebettelt hatte, mitgenommen zu werden. Es war die gleiche Hand, die nun die des Kindes umklammert hielt und damit der größte Beweis, was für eine Zeit tatsächlich zwischen den Geschwistern vergangen war.
Ivar starrte auf das kleine Bündel, dessen Kopf zu groß für seinen Körper war. Auf den ersten Blick konnte er nicht ganz ausmachen, ob es nun Junge oder Mädchen war, was die Hand seiner Schwester drückte und mit großen, aber nicht ängstlichen Augen zu ihm hochsah. Mit leicht gerunzelten Augenbrauen erwiderte er den Blick und schnaufte schließlich.
Dann Sanna, die kaum aus ihren Kinderschuhen herausgewachsen war und nur aus der Sicht eines Kindes verstand, warum er ihr Bruder sie zurück. Die nicht wusste, dass Martha die Tür vor ihrem Sohn zugeschlagen hatte und sich vermutlich verraten fühlte. Sie, die Ivars Handgelenk umklammert und ihn angebettelt hatte, mitgenommen zu werden. Es war die gleiche Hand, die nun die des Kindes umklammert hielt und damit der größte Beweis, was für eine Zeit tatsächlich zwischen den Geschwistern vergangen war.
Ivar starrte auf das kleine Bündel, dessen Kopf zu groß für seinen Körper war. Auf den ersten Blick konnte er nicht ganz ausmachen, ob es nun Junge oder Mädchen war, was die Hand seiner Schwester drückte und mit großen, aber nicht ängstlichen Augen zu ihm hochsah. Mit leicht gerunzelten Augenbrauen erwiderte er den Blick und schnaufte schließlich.
“Wen hast du gefickt, dass es braune Haare hat.”
Beachtlich, wenn die letzten drei Generationen der Lorenson allesamt blond gewesen waren. War es die einzige Frage, die er an Sanna hatte? Nein, aber dann wiederum war sie diejenige gewesen, die ihn damit überrumpelt hatte, dass er scheinbar Onkel war. In bester Ivar-Manier ging er natürlich nicht ernst mit dem Wiedersehen um, denn alles, was ihn in seiner Mir-ist-alles-egal-Einstellung blockierte, wurde in erster Linie erstmal ignoriert oder ins Lächerliche gezogen. Nachdem er sein Zuhause und seine Heimat hinter sich gelassen hatte, hatte er daran festgehalten, dass es nichts gab, wohin er zurückkehren konnte, und nichts, was über ihn trauern würde, wenn er sich zu tief in die Scheiße ritt. Eine Schwester änderte daran nichts, denn sicher würde sie bald feststellen, dass ihr Leben ohne ihn besser verlaufen war als mit ihm - und dass sie besser daran tat, ihn wieder hinter sich zu lassen, bevor er sie mit in die Scheiße ritt.