01-06-2025, 15:01 - Wörter:
Ein sehnsüchtiges Seufzen kam über ihre Lippen, als ihr Gast von den starken, mutigen und kampferprobten Winterländerinnen erzählte, als hätte er sie mit eigenen Augen gesehen. Völlig versunken in eine Welt aus Geschichten, Märchen und Legenden stützte sie sogar für einen kurzen Moment das Gesicht in die Hände und lauschte einfach nur seiner weichen Stimme. Vermutlich hatte er Recht und alleine die Tatsache, dass sich Freyja alleine auf den Weg gemacht hatte, war etwas Besonderes... Doch warum fühlte es sich dann nicht so an? Warum hatte sie keine tollen und heroischen Geschichten zu erzählen? Ihre Reise war tagelang absolut unspektakulär, ja sogar langweilig, gewesen. Was sie vermutlich nicht wusste, war, dass sie sich die Langeweile zurück wünschen würde, wenn sie dann tatsächlich in Abenteuer geriet. Freyja tat gerne so, als wäre sie besonders mutig und übertrieb vielleicht auch manchmal ein wenig mit ihrem eigenen Geschick, doch die Wahrheit war, dass sie ziemlich unbedarft und naiv durch die Welt ging. Vermutlich hatte sie bisher einfach besonders viel Glück gehabt. Und sie sollte den Göttern dafür danken, so viel stand fest.
"
Während der junge Mann in seinem Münzbeutel kramte, dachte sie über seine Frage nach. "
"
Ich wünschte, ich könnte auch mit einem Schwert kämpfen. Obwohl ich dort aufgewachsen bin, habe ich den Umgang mit Waffen irgendwie nie richtig erlernt
", gab sie enttäuscht zu und zuckte mit den Schultern, so als wäre es nicht der Rede wert. "Wer weiß, vielleicht kann es mir ja irgendjemand beibringen
", fügte sie beinahe verschwörerisch zu und wackelte mit den Augenbrauen, als sie dem jungen Mann wieder ins Gesicht blickte. Sicherlich wäre es von Vorteil eine Waffe führen zu können, bei dem Plan, den sie sich in den letzten Wochen zurecht gelegt hatte. Noch immer wusste sie nämlich nicht, wie sie der Gruppe eine Hilfe sein konnte, wenn sie sich den Abenteurern und Abenteurerinnen anschloss. Für ein gut eingeschenkten Met würde sich im Wald sicherlich niemand mehr interessieren.Während der junge Mann in seinem Münzbeutel kramte, dachte sie über seine Frage nach. "
Ich möchte mich der Gruppe anschließen, ja
", gab sie zu und hatte im gleichen Moment das Gefühl, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Was ihr überhaupt nicht schmeckte war seine Formulierung, dass sie den Drachen jagen wollte, daher schüttelte sie kurz danach schon wieder den Kopf und entkräftete ihre eigenen Worte. "Ihr haltet mich jetzt vielleicht für völlig durchgeknallt, aber ich bin der Meinung, dass man einen Drachen nicht jagen und töten sollte
", flüsterte sie geheimnisvoll und lehnte sich weiter über den Tresen. "Ich habe keine Ahnung, wie einfach man ein Wildschwein erlegen kann, aber ich würde niemals die Waffe gegen ein so wunderbares Wesen erheben
", fügte sie hinzu und warf einen Blick zu dem Gast, der ein paar Stühle weiter saß. Mit dieser Meinung sollte sie sicher nicht hausieren gehen. "Aber bitte, verratet es keinem! Ich... Keine Ahnung
", endete sie und sackte ein wenig in sich zusammen. "Ich habe das Gefühl, dass ich diese Reise antreten muss. Aber... Wenn jemand weiß, dass ich den Drachen gar nicht wirklich erledigen will, dann nimmt man mich bestimmt nicht mit
", murmelte sie und wurde immer leiser und kleiner in ihrer Gestik. Sofort kochte die Angst hoch, dass sie ihm damit zu viel verraten haben könnte. Freyja fing unangenehm an zu schwitzen und wischte sich die Hände unruhig an dem dreckigen Geschirrtuch ab, das um ihre Hüfte hing.
