04-06-2025, 20:22 - Wörter:

"War schön mit dir, Cathal", brummte Aodhán zum Abschied und ließ den erhobenen Arm wieder auf den Boden fallen. Langsam beruhigte sich sein Atem, und mit einem halb zusammengekniffenen Auge blickte er zu Moira auf, die sich neben ihn gehockt hatte. "Ach, weißt du, Moira…", seufzte er theatralisch und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, nur um anschließend scharf die Luft einzusaugen. "Eigentlich hab ich um deine Hand gekämpft – und haushoch verloren. Was soll ich sagen, ein Versuch war’s wert", log er beinahe unverschämt und verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen, das mehr Selbstironie als echter Charme war. Er sah sie nicht direkt an – zu gefährlich war der Gedanke, dass sie ihm den Scherz tatsächlich abkaufen könnte.
"Ein paar Treffer konnte ich landen, aber dein Bruder scheint gefühlslos zu sein.", murmelte Aodhán und verzog das Gesicht, als sie ihm ihr Taschentuch auf die blutende Wunde drückte. Normalerweise hätte er protestiert – mit einem Spruch oder wenigstens einem gequälten Lächeln –, doch sein Denken war träge, benebelt vom Schmerz. Er sah nur noch, wie sich das helle Tuch rot verfärbte. Keine Haushälterin der Welt würde das je wieder sauber bekommen. Ruiniert. Wie passend, dachte er flüchtig.
Aodhán seufzte erneut und kniff die Augen zusammen, als sich ein stechender Kopfschmerz bemerkbar machte.
"Du weißt doch – deine Meinung ist die einzige, die für mich zählt. Was bedeuten da schon all meine Gespielinnen …", murmelte er mit gespielter Gleichgültigkeit. Die er natürlich gar nicht hatte. Zumindest nicht in Scharen. Aber gut – als Druide, ebenso wie als Priesterin, haftete einem manchmal ein gewisser Ruf an. Je nachdem, welche Geschichten gerade die Runde machten.
Dann schenkte ihm Moira jenes seltene Lächeln, das er immer neidvoll in Cathals Richtung bemerkt hatte. Hah! Also hatte er heute doch in gewisser Weise etwas gewonnen. Er griff nach dem Taschentuch, und seine Fingerspitzen streiften kurz ihre weiche Hand. Eigentlich hatte er wenig Lust aufzustehen, doch der kalte Stein in seinem Rücken gönnte ihm keine Schonung. Bevor seine Muskeln verkrampften, erhob er sich und setzte sich auf. Die Schmach, die ihm durch Moiras Worte zuteilwurde, ließ sein Selbstvertrauen eine Etage tiefer sinken. Diese Frau... "Ich weiß nicht, wovor ich mehr Angst habe – davor, nochmal in die Faust deines Bruders zu laufen, oder davor, mit dir allein zu sein...", sagte er und presste das Taschentuch fester an seine Schläfe. Dann stampfte er ihr hinterher und schloss auf.
