07-06-2025, 07:19 - Wörter:
Sicher hatte Ivar es irgendwie kommen sehen. Wenn man sich wie der größte Arsch auf dem Kontinent benahm, dann kam es nunmal zwangsläufig dazu, dass eine Hand in seinem Gesicht landete - von einer Hure zum Beispiel, nachdem er sie auswechselbar genannt hatte. Von einer Bäuerin, die den Klaps auf den Hintern ihrer Tochter nicht geduldet hatte. Oder von dem jungen Kartenspieler, der sich nicht getraut hatte, seine Faust zu benutzen, ganz unterschiedlich, wirklich. Eine Sache hatten diese Hände aber gemeinsam: Sie klatschten mehr, als dass sie wirklich weh taten.
Als Sannas Hand also im Gesicht des Söldners landete, dachte er nicht an die Wucht, die seinen Kiefer zur Seite fegte. Es überraschte ihn nicht einmal. Wenn sie ihn in Heofaders Arschritze stecken wollte, dann musste sie sich hinten anstellen. Mit seiner Art brachte er nunmal nicht nur seine Schwester zur Weißglut, man konnte sogar fast meinen, dass er es drauf anlegte.
Eine gelöste Strähne im Gesicht, tastete Ivar nach der brennenden Stelle und stellte mit bitterer Freude fest, dass seine Schwester ziemlich zielsicher war für ihr Alter. Aus Erfahrung musste er sich um die jungen Frauen eigentlich keine Sorgen machen, sondern um die Mütter, um die, die hart anpackten und ihren Kindern schon auch mal eine Ohrfeige verpassten. Das Brennen in seinem Gesicht erinnerte ihn an die Hand, die Martha schon gegen ihn erhoben hatte, da hatte er sich noch nicht wehren können. Wie es Sanna nach seinem Aufbruch ergangen war?
Aber natürlich fragte er sie das nicht. Wenn überhaupt, dann fand er eigentlich, dass mit der Ohrfeige alles gesagt war - mehr, als ihre Worte je hätten sagen können. Er war halt ein respektloser Arsch und sie bestrafte ihn dafür; mehr noch mit den Tränen, die ihre Stimme belegten und sie schniefen ließen, was Ivar schließlich dazu veranlasste, sie wieder anzusehen. Schonmal Frauen heulen lassen? Wenn es eine Sache gab, die Ivar eigentlich vermeiden wollte, dann genau sowas Dummes, denn Fäuste, ja, Wut, ja, aber was sollte er mit Tränen anfangen. Die Interessierten des Bäckerstandes schienen auch langsam genug davon zu haben, den Streit von zwei Fremden zu ignorieren (dabei war das Frühlingsland besonders gut darin, ihre hohe Nase nicht in Belange zu stecken, die sie nichts angingen), und warfen ihnen verstohlene Blicke zu. Ivar wollte das alles doch gar nicht. Er wollte einen Laib Brot für seine Reisen kaufen und sich dann aus dem Staub machen. Was war so schwer daran, vor seiner Vergangenheit davon zu laufen?
Als Sannas Hand also im Gesicht des Söldners landete, dachte er nicht an die Wucht, die seinen Kiefer zur Seite fegte. Es überraschte ihn nicht einmal. Wenn sie ihn in Heofaders Arschritze stecken wollte, dann musste sie sich hinten anstellen. Mit seiner Art brachte er nunmal nicht nur seine Schwester zur Weißglut, man konnte sogar fast meinen, dass er es drauf anlegte.
Eine gelöste Strähne im Gesicht, tastete Ivar nach der brennenden Stelle und stellte mit bitterer Freude fest, dass seine Schwester ziemlich zielsicher war für ihr Alter. Aus Erfahrung musste er sich um die jungen Frauen eigentlich keine Sorgen machen, sondern um die Mütter, um die, die hart anpackten und ihren Kindern schon auch mal eine Ohrfeige verpassten. Das Brennen in seinem Gesicht erinnerte ihn an die Hand, die Martha schon gegen ihn erhoben hatte, da hatte er sich noch nicht wehren können. Wie es Sanna nach seinem Aufbruch ergangen war?
Aber natürlich fragte er sie das nicht. Wenn überhaupt, dann fand er eigentlich, dass mit der Ohrfeige alles gesagt war - mehr, als ihre Worte je hätten sagen können. Er war halt ein respektloser Arsch und sie bestrafte ihn dafür; mehr noch mit den Tränen, die ihre Stimme belegten und sie schniefen ließen, was Ivar schließlich dazu veranlasste, sie wieder anzusehen. Schonmal Frauen heulen lassen? Wenn es eine Sache gab, die Ivar eigentlich vermeiden wollte, dann genau sowas Dummes, denn Fäuste, ja, Wut, ja, aber was sollte er mit Tränen anfangen. Die Interessierten des Bäckerstandes schienen auch langsam genug davon zu haben, den Streit von zwei Fremden zu ignorieren (dabei war das Frühlingsland besonders gut darin, ihre hohe Nase nicht in Belange zu stecken, die sie nichts angingen), und warfen ihnen verstohlene Blicke zu. Ivar wollte das alles doch gar nicht. Er wollte einen Laib Brot für seine Reisen kaufen und sich dann aus dem Staub machen. Was war so schwer daran, vor seiner Vergangenheit davon zu laufen?
“Ach, und meine letzten Monate waren nicht der letzte Dreck oder was? Glaubst du ich kann jetzt noch… ne heulende Schwester gebrauchen, glaubst du ich hab danach gefragt?”
Im selben Moment stieß irgendwas gegen sein Bein, und bevor er davon ausging, dass irgendein Schoßhund keine Orientierung hatte und mit dem Kopf gegen ihn gelaufen war, sah er das Kind sein Bein zurückziehen. Unglauben mischte sich mit einer Wut, die eigentlich gar nicht gegen irgendjemanden gerichtet war, und er konnte sich ein “Ah, mann, du Fickwa-!”
nicht verkneifen, als er sein Bein wegzog und Sanna zu allem Überfluss auch noch begann zu lachen. Unter dicken, fetten Tränen war das erstickte, helle Glucksen das Schönste, was Ivar heute gehört hatte, und damit wusste er nun wirklich gar nichts mehr anzufangen. “Es tut mir leid, okay?!”
, war auch wirklich nicht das, was er eigentlich sagen wollte, denn es hing zu nah an der Wahrheit, die sich nicht aussprechen ließ. Dass er sie nicht hatte zurücklassen wollen. Dass ihr tränenüberströmtes Gesicht damals im Schnee die Manifestation seines Scheiterns als großer Bruder war - als Mensch, und er danach kein mensch mehr sein wollte. Was war aus dem Plan geworden, Sanna von sich zu stoßen und einfach seiner Wege zu gehen, so wie er es immer tat - allein, einsam in den Rachen der Welt springend, bis sie es Leid hatte, ihn auszuspucken.