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Way down we go
08.10.1016 - 10:45
Kenmara Festung und Stallungen
Cathal Fraser Moira Fraser

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Moira Fraser
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#6
Moiras Finger krallten sich unwillkürlich um die Kante des hölzernen Verschlags, als Cathals Worte sich wie Dornen in ihr festsetzten. 

‘Was ich will, hat in diesen Mauern nie eine Rolle gespielt.’

Es war nicht nur Bitterkeit, die darin mitschwang. Es war eine tiefe, stille Erschöpfung – ein Eingeständnis, das schwerer wog als jeder Vorwurf. Und dennoch hatte sie gewusst, dass er so dachte. Tief in ihrem Innersten hatte sie es immer geahnt. Und doch tat es weh, es aus seinem Mund zu hören. Denn sie hatte sich immer danach gerichtet, was er wollte. Seine Wünsche waren ihr Kompass gewesen – nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung. Weil sie nur dann das Gefühl gehabt hatte, wirklich gesehen zu werden. Gebraucht zu werden. Sein Vertrauen, seine Nähe, sein Rat – das war ihr Heim gewesen, mehr als jedes einzelne ihrer hübschen Gemächer in ihrem Flügel der Festung.

Aber Moira schluckte den Schmerz hinunter, so wie sie es immer getan hatte. Sie durfte sich nicht von Gefühlen leiten lassen, nicht jetzt. Nicht bei ihm, in diesem Moment. Stattdessen strich sie sich eine verirrte Haarsträhne hinter das Ohr und hob den Blick, wohl wissend, dass er ihn nicht erwidern konnte – doch vielleicht spürte er ihn trotzdem.

„Vater denkt nur in Linien“, sagte sie ruhig, wohlgesetzt. „Blutlinien, Allianzen, Grenzverläufe. Er sieht nicht, was zwischen den Worten liegt. Nicht, was Menschen bewegt – oder was sie zerstört.“ Sie atmete leise durch. Der Name Henaghen war ihr nicht fremd, im Gegenteil. Aber Aodhán Henaghen hatte so viel gemein mit diesem Teil seiner Familie wie die raue See unter den Klippen mit den sommerländischen Sandwüsten. „Ich verzeihe ihm diese Entscheidung nicht“, fuhr sie fort, leiser nun. „Nicht, weil ich nicht wusste, dass sie kommen würde. Sondern weil er sie dir genommen hat. So wie er dir so vieles genommen hat.“ Ein Zittern schlich sich in ihre Stimme, kaum hörbar, als sie an all die Dinge dachte, die man für ihren Bruder entschieden hatte, nur weil er nicht sehen konnte. Doch statt in dunklen Erinnerungen zu versinken, richtete sie sich auf, ließ den Rücken gerade werden, die Stimme klar.

„Eine Verbindung mit den Henaghens …“, begann sie und wog jedes Wort wie eine Waage, „ist strategisch betrachtet ein wenig durchdachter Schachzug. Sie sind stolz, ja, bilden aber keine geeinte Front im Land. Sie tragen ihre Fehden über Generationen hinweg und wenden sich selten aus Überzeugung neuen Allianzen zu – nur aus Notwendigkeit. Und ich bezweifle, dass Vater ihnen diese Notwendigkeit glaubhaft machen konnte.“ Sie ließ den Blick über die Stallgasse schweifen, obwohl dort nichts war, das ihre Aufmerksamkeit brauchte. Ihre Gedanken rasten weiter.

„Eine Verbindung mit Castandor hätte den Einfluss unseres Hauses in neue Bahnen lenken können. Ein Zeichen des Vertrauens, das auf lange Sicht mehr als nur Sicherheit gebracht hätte – es hätte Türen geöffnet. Und das Winterland…“ – sie hielt inne – „es hätte uns eine Position der Stärke gegeben. Keine Abhängigkeit. Keine Gunst. Sondern echte Partnerschaft.“ Dann verstummte sie kurz, schüttelte kaum merklich den Kopf. „Aber all das spielt keine Rolle mehr, nicht wahr?“ Ihr Ton war nicht resigniert – sondern nüchtern. Wie jemand, der das Spielbrett betrachtet, obwohl der letzte Zug längst getan war.

Ein leises Lächeln stahl sich in ihre Züge, traurig und doch warm, als sie wieder zu ihm sprach. „Vielleicht… vielleicht ist sie ja anders. Deine Braut. Vielleicht bringt sie etwas mit, das wir nicht sehen können – oder nicht sehen wollen.“ Dann wandte sie sich ihm ganz zu. „Hat Aodhán gesagt, wie sie sein soll?“, fragte sie leise, fast zärtlich, als ginge es um ein altes, kostbares Lied, dessen Melodie man nur flüchtig vernommen hat. „Ob sie lacht? Ob sie denkt? Ob sie träumt? Oder gehorcht sie nur?“ Sie ließ ihm Zeit, die Frage in sich wirken zu lassen, während in ihrem Inneren etwas wie ein Funke brannte – nicht aus Neid, nicht aus Missgunst. Sondern aus dem unbändigen Wunsch, dass er, der ihr Bruder war, mehr verdiente.

Dann trat sie einen halben Schritt näher, kaum wahrnehmbar, doch spürbar in der Luft zwischen ihnen. Ihre Stimme senkte sich. „Du fragst mich nach meiner Meinung.“ Ihre Lippen zuckten. „Du könntest mir keine größere Ehre erweisen, Bruder.“ Ein Funken von Stolz blitzte in ihren Augen auf – nicht für sich, sondern für ihn. Weil er sie fragte. „Ich werde dir immer sagen, was ich denke, Cathal. Und ich werde dir beistehen, komme was wolle.“ Dann schwieg sie. Ließ ihm Raum. Ließ ihm Stille. Doch sie wich nicht.
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Way down we go - von Cathal Fraser - 04-06-2025, 18:22
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