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Wherever the Wind blows
13.10.1016 - 12:00
Marktplatz in Spring's Court

Winterland
Sanna Lorenson
Winterland
Alter 22
Beruf Jägerin
Wohnort Rabenrast
Stand Ledig
User Natsch
#10
Sanna betrachtete das Gesicht ihres Bruders, sah, wie sich die Röte ihrer Hand auf seiner Wange abzeichnete. Es war ein seltsames Bild – vertraut und gleichzeitig fremd. Seine Finger berührten die Stelle. Sie hatte sich dieses Wiedersehen anders vorgestellt. Wärmer. Näher. Sie hatte geglaubt, dass das Band zwischen ihnen stark genug gewesen wäre, um die Jahre zu überbrücken. Dass sie sich noch immer blind verstehen würden. Aber jetzt, wo sie ihm gegenüberstand, wurde ihr schmerzhaft klar, wie viel Zeit vergangen war. Wie viele Worte ungesagt geblieben waren. Wie sehr sie sich verändert hatten – jeder auf seine Weise, in Welten, die sich nicht mehr berührten.
Vielleicht war es naiv gewesen, zu glauben, dass das Blut allein reichte. Dass eine gemeinsame Kindheit, Erinnerungen ewig gültig machte. Sie fühlte eine schmerzende Leere in ihrer Brust, wo sie sich Trost erhofft hatte. Dieses Wiedersehen war kein Ankommen. Kein Heimkommen. Es war ein Aufeinandertreffen zweier Fremder mit derselben Geschichte – aber mit verschiedenen Versionen davon. Und während sie ihn ansah, wurde ihr klar, dass manches nicht mehr zu heilen war. Nicht jede Distanz ließ sich überbrücken. Manchmal blieb nur die Erkenntnis, dass das, was einmal war, nicht zurückkehren würde. Und das war okay. Und vielleicht war das nicht nur in dieser Beziehung so.

“Ach, und meine letzten Monate waren nicht der letzte Dreck oder was? Glaubst du ich kann jetzt noch… ne heulende Schwester gebrauchen, glaubst du ich hab danach gefragt?”

Sanna spürte, wie in ihr etwas hochkochte, das sie eigentlich hatte unterdrücken wollen. Sie hatte nicht vorgehabt, einen Wettstreit darüber zu beginnen, wessen Leben zuletzt beschissener gewesen war – und doch standen sie nun genau da. "Leb damit", knurrte sie, "ich hab auch nicht danach gefragt, meinem herzallerliebsten Bruder über die Füße zu laufen, der mich als Erstes fragt, wen ich gef–..." Ihre Kiefer knallten aufeinander. Nicht, weil sie es nicht hätte aussprechen können – sie hätte es laut schreien können –, sondern weil sie bei Heofader wirklich nicht in die Situation kommen wollte, ihrer zweijährigen Tochter zu erklären, was es mit Ficken auf sich hatte. Es reichte schon, dass sie regelmäßig Tyras Flüche entschärfen musste, wenn die Kleine alles aufschnappte, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

Dennoch perlte ein Lachen von ihren Lippen – ehrlich und warm –, ausgelöst von Valdas Mut, ihrer kindlichen Empörung und diesem instinktiven Drang, das Einzige zu schützen, das sie in ihrem kurzen Leben wirklich kannte: ihre Mutter. Ivars halb verschluckter Fluch – der so verdammt nach Tyra klang – versickerte in Wortfetzen, bevor er gefährlich werden konnte. Unter anderen Umständen hätte sie ihm vermutlich einen weiteren scharfen Blick zugeworfen, aber stattdessen blieb ihr nur ein amüsiertes Zucken in den Mundwinkeln. Vielleicht... war sie doch ein bisschen wie Helvi. Ein Gedanke, der sie gleichzeitig erschreckte und fast schon erheiterte.

“Es tut mir leid, okay?!”

Etwas in Ivars Ton ließ Sanna erstarren. Das Lachen, das eben noch aus ihr herausgebrochen war, verstummte sofort – wie abgeschnitten. Doch die Tränen versiegten nicht. Sie wischte sich hastig mit dem Ärmel über das Gesicht, als könnte sie damit auch die letzten Jahre von sich abreiben. Doch die Nässe kehrte immer wieder zurück, als wären ihre Augen nicht bereit, den Schmerz loszulassen.
"Du bist ein Idiot, Ivar...", murmelte sie, und obwohl ihre Stimme fest klang, zitterte eine leise Nuance darin. Etwas, das verriet, wie tief es ging. Ihre Schultern blieben aufrecht, doch sie bebten – kaum sichtbar, aber unübersehbar für jeden, der genau hinsah. "Und ich hab dich vermisst. Jahrelang." Die Worte fielen schwer, beinahe wie ein Eingeständnis, das sie sich selbst nicht erlauben wollte. "Ich hab mir Sorgen gemacht." Nie hatte sie wirklich damit aufgehört. Und irgendwo tief in ihr – lächerlich und trotzig – lebte der Wunsch noch immer, er hätte sie damals einfach mitgenommen. Vielleicht wäre sie dann heute genauso geworden wie er. Laut, wütend, voller Trotz. Vielleicht hätte sie gelernt, wie man schreit statt schweigt. Vielleicht hätte sie gelernt, nicht nur für andere stark zu sein, sondern auch für sich selbst. Und wer weiß – vielleicht wäre sie jetzt auch irgendwo unterwegs, an der Seite ihres Bruders, um dem nächsten Idioten eine zu verpassen. "…also tu gefälligst einfach nur für fünf verdammte Minuten so, als wären wir noch Ivar und Sanna. Nicht zwei Fremde, die sich zufällig auf dem Markt über den Weg laufen und nicht wissen, ob sie sich anschweigen oder anschreien sollen." Ihre Stimme brach nicht – aber sie war dicht davor. "Umarme mich einfach. Bevor wir uns wieder verlieren. Bevor wir wieder gehen, als wäre nichts gewesen. Und wir nie wieder die Chance bekommen, es richtig zu machen." Für einen Moment – kaum mehr als ein Atemzug – fiel der harte Schleier von ihrem Gesicht. Und da war sie. Das kleine Mädchen, das sich zu groß gab für seine Angst. Das so lange stark gewesen war, weil es musste. Weil es keiner sonst war. Das kleine Mädchen aus diesem verdammten Nest nahe Wolfsmark, das viel zu früh gelernt hatte, wie man Mauern baut – und jetzt nicht wusste, wie man sie wieder einreißt.
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Wherever the Wind blows - von Ivar Lorenson - 27-01-2025, 08:42
RE: Wherever the Wind blows - von Ivar Lorenson - 02-02-2025, 04:35
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