09-06-2025, 10:48 - Wörter:
Moiras unausgesprochene Wut war immer Balsam für Cathals Seele gewesen. Ihre Entrüstung, ihr Unverständnis über die Entscheidungen, die über seinen Kopf hinweg getroffen wurden. Immer hatte sie sich danach zu ihm gesetzt, das Gesicht gerötet vor Zorn, und in flammenden Worten erklärt, wie lächerlich – wie dämlich – diese Erwachsenen doch waren. Heute war es nicht anders. Nur, dass sie jetzt selbst erwachsen waren. Und es nicht mehr um verbotene Ausritte oder zerkratzte Knie ging – sondern um Thronfolgen, Eide und ihre Leben, die nicht mehr rückgängig zu machen waren.
Er bemerkte das feine Zittern in ihrer Stimme – kaum hörbar, aber für ihn unüberhörbar. Ein schwaches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Fast wirkte es amüsiert, doch wer ihn kannte, wusste: es war die Art Lächeln, das einer Erinnerung entsprang – nicht unbedingt einer heiteren. Doch mittlerweile brauchte er ihren Zorn nicht mehr, denn in sein Wesen hatte sich eine stumpfe Resignation ausgebreitet, ein Wesen das die Entscheidungen anderer hinnahm, weil es ohnehin keine andere Möglichkeit gab.
Interessiert lauschte er ihren Ausführungen. Cathal hatte es sich schon früh zur Aufgabe gemacht, den scharfen Verstand seiner Schwester nicht nur zu erkennen, sondern weiter zu schärfen – wie eine Klinge, die nicht stumpf in einem seidenen Nest liegen sollte. Nie würde sie ein stummes Täubchen sein, das auf die Gnade des Vaters hoffte. Sie war klüger – womöglich klüger als ihre Lehrer. Und mit einer Schärfe in der Zunge gesegnet, dass Cathal jetzt schon jeden bedauerte, der töricht genug sein würde, sie zur Frau zu nehmen. "Nein, es spielt keine Rolle mehr." Er nickte auf ihre Worte hin, während seine Finger noch einmal über das grobe Holz der Boxenwand glitten. "Aber ich wollte mich vergewissern, ob nur ich die Verbindung kurzsichtig gedacht finde – oder auch du." Ein leiser Schalk stahl sich in seine goldenen Iriden, die ins Dunkel gerichtet waren, als blickte er in etwas, das nur er erkennen konnte. Als sei es sein Werk – und er mehr als zufrieden damit.
Ehrlich gesagt war es Cathal gleichgültig, wie seine Frau sein würde. Nicht aus Gleichgültigkeit der Person gegenüber – sondern weil es schlicht keine Rolle spielte. Er verstand die Emotion, mit der Moira an das Thema heranging. Vielleicht war es eine der wenigen Schwächen, die er in ihr sah – diese Hoffnung auf Bedeutung, auf Verbindung. Er glaubte, dass Frauen allgemein mit mehr Gefühl an das Thema Ehe herangingen – eine Sichtweise, die aus Erfahrung geboren war, nicht aus Herablassung. Für ihn war Ehe immer eine unausweichliche Tatsache gewesen, ein vertragliches Bündnis – kein romantisches Schicksal. Etwas, das sich aus strategischem Kalkül ergab, nicht aus dem Herzen.
Die Liebe, die seine Eltern ihren Kindern vorgelebt hatten, war echt gewesen – aber austauschbar. Ein flüchtiges Geschenk, das sich als Illusion entpuppte, sobald es um eine weitere Ehe ging. Cathal glaubte nicht an die Liebe. Aber er glaubte an gebärfreudige Becken. Und an das, was man mit ihnen sichern konnte. "Ich wollte Aodhán nicht in Verlegenheit bringen – ob nun schlecht oder überbordend gut über seine Cousine zu sprechen." Er zuckte leicht mit den Schultern, als sei die Angelegenheit kaum der Rede wert. "Ich hoffe aber sehr, dass sie des Denkens fähig ist. Sonst wird das eine ausgesprochen langatmige Ehe." Ein spöttisches Schnauben begleitete seine Worte. "Und das", fuhr er mit einem Hauch gespielter Empörung fort, "würde ich Vater noch übler nehmen als das beharrliche Ablehnen all meiner Vorschläge." Der theatralische Unterton in seiner Stimme ließ fast vergessen, wie tief die Enttäuschung über die Entscheidung seines Vaters in ihm verwurzelt war.
Cathal spürte, wie sie näher trat. Er wandte den Kopf in ihre Richtung, als würde er sie mit den Augen suchen – ein Trugschluss, der längst zu einer Geste geworden war. Seine Hand hob sich, fand wie von selbst ihren Weg zu ihrer Wange, strich sacht darüber, als müsste er sich vergewissern, dass sie wirklich da war. Ein schwaches, beinahe scheues Lächeln zuckte über seine Lippen. Sein Kunstwerk. "Du bist der klügste Mensch, den ich kenne, Moira." Seine Stimme war leise, aber fest, durchdrungen von ehrlicher Überzeugung, während sein Daumen zärtlich über ihre Haut glitt. "Ich wäre töricht, deine Meinung nicht einzuholen." Er wandte sich ihr nun ganz zu, legte beide Hände an ihr Gesicht – ein stilles, inniges Innehalten – und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. "Ich weiß …", raunte er an ihre Haut, seine Stirn für einen Herzschlag gegen ihre gelehnt, ehe er sie in seine Arme zog. Der Tag würde kommen, da er sie wirklich brauchen würde. Doch bis dahin würde sie gefährlicher werden müssen.
Er bemerkte das feine Zittern in ihrer Stimme – kaum hörbar, aber für ihn unüberhörbar. Ein schwaches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Fast wirkte es amüsiert, doch wer ihn kannte, wusste: es war die Art Lächeln, das einer Erinnerung entsprang – nicht unbedingt einer heiteren. Doch mittlerweile brauchte er ihren Zorn nicht mehr, denn in sein Wesen hatte sich eine stumpfe Resignation ausgebreitet, ein Wesen das die Entscheidungen anderer hinnahm, weil es ohnehin keine andere Möglichkeit gab.
Interessiert lauschte er ihren Ausführungen. Cathal hatte es sich schon früh zur Aufgabe gemacht, den scharfen Verstand seiner Schwester nicht nur zu erkennen, sondern weiter zu schärfen – wie eine Klinge, die nicht stumpf in einem seidenen Nest liegen sollte. Nie würde sie ein stummes Täubchen sein, das auf die Gnade des Vaters hoffte. Sie war klüger – womöglich klüger als ihre Lehrer. Und mit einer Schärfe in der Zunge gesegnet, dass Cathal jetzt schon jeden bedauerte, der töricht genug sein würde, sie zur Frau zu nehmen. "Nein, es spielt keine Rolle mehr." Er nickte auf ihre Worte hin, während seine Finger noch einmal über das grobe Holz der Boxenwand glitten. "Aber ich wollte mich vergewissern, ob nur ich die Verbindung kurzsichtig gedacht finde – oder auch du." Ein leiser Schalk stahl sich in seine goldenen Iriden, die ins Dunkel gerichtet waren, als blickte er in etwas, das nur er erkennen konnte. Als sei es sein Werk – und er mehr als zufrieden damit.
Ehrlich gesagt war es Cathal gleichgültig, wie seine Frau sein würde. Nicht aus Gleichgültigkeit der Person gegenüber – sondern weil es schlicht keine Rolle spielte. Er verstand die Emotion, mit der Moira an das Thema heranging. Vielleicht war es eine der wenigen Schwächen, die er in ihr sah – diese Hoffnung auf Bedeutung, auf Verbindung. Er glaubte, dass Frauen allgemein mit mehr Gefühl an das Thema Ehe herangingen – eine Sichtweise, die aus Erfahrung geboren war, nicht aus Herablassung. Für ihn war Ehe immer eine unausweichliche Tatsache gewesen, ein vertragliches Bündnis – kein romantisches Schicksal. Etwas, das sich aus strategischem Kalkül ergab, nicht aus dem Herzen.
Die Liebe, die seine Eltern ihren Kindern vorgelebt hatten, war echt gewesen – aber austauschbar. Ein flüchtiges Geschenk, das sich als Illusion entpuppte, sobald es um eine weitere Ehe ging. Cathal glaubte nicht an die Liebe. Aber er glaubte an gebärfreudige Becken. Und an das, was man mit ihnen sichern konnte. "Ich wollte Aodhán nicht in Verlegenheit bringen – ob nun schlecht oder überbordend gut über seine Cousine zu sprechen." Er zuckte leicht mit den Schultern, als sei die Angelegenheit kaum der Rede wert. "Ich hoffe aber sehr, dass sie des Denkens fähig ist. Sonst wird das eine ausgesprochen langatmige Ehe." Ein spöttisches Schnauben begleitete seine Worte. "Und das", fuhr er mit einem Hauch gespielter Empörung fort, "würde ich Vater noch übler nehmen als das beharrliche Ablehnen all meiner Vorschläge." Der theatralische Unterton in seiner Stimme ließ fast vergessen, wie tief die Enttäuschung über die Entscheidung seines Vaters in ihm verwurzelt war.
Cathal spürte, wie sie näher trat. Er wandte den Kopf in ihre Richtung, als würde er sie mit den Augen suchen – ein Trugschluss, der längst zu einer Geste geworden war. Seine Hand hob sich, fand wie von selbst ihren Weg zu ihrer Wange, strich sacht darüber, als müsste er sich vergewissern, dass sie wirklich da war. Ein schwaches, beinahe scheues Lächeln zuckte über seine Lippen. Sein Kunstwerk. "Du bist der klügste Mensch, den ich kenne, Moira." Seine Stimme war leise, aber fest, durchdrungen von ehrlicher Überzeugung, während sein Daumen zärtlich über ihre Haut glitt. "Ich wäre töricht, deine Meinung nicht einzuholen." Er wandte sich ihr nun ganz zu, legte beide Hände an ihr Gesicht – ein stilles, inniges Innehalten – und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. "Ich weiß …", raunte er an ihre Haut, seine Stirn für einen Herzschlag gegen ihre gelehnt, ehe er sie in seine Arme zog. Der Tag würde kommen, da er sie wirklich brauchen würde. Doch bis dahin würde sie gefährlicher werden müssen.
