14-06-2025, 18:07 - Wörter:

Ihr Nicken ließ Asgrim mit einem stechenden Gefühl der Unsicherheit zurück. Seine Lippen schürzten sich nachdenklich, während sich ein schwerer Schatten über seine Stirn zog. Er lehnte sich vorsichtig über den Hals seines Pferdes und strich dem kräftigen Hengst langsam und zögernd über das Fell – fast so, als hoffte er, durch diese beruhigende Geste auch die Unruhe in sich selbst zu lindern, die sich in den unruhigen Halbschritten des Tieres spiegelte. Das Tier schnaubte, warf den Kopf wild und zerrte am Zügel, als wolle es die drückende Stille hinter sich lassen. Getrieben von einer Unruhe, die auch Asgrim in der Brust spürte – ein dunkler Drang, weiterzugehen, bevor die Schatten der Vergangenheit ihn ganz einholten.
Doch jeder Schritt der Frau brannte sich tief in Asgrims Netzhaut, zog ihn wie ein dunkler Magnet in Bann. Geduldig zügelte er den unruhigen Hengst, zwang ihn zum Stehenbleiben, obwohl jede Faser in ihm nach Bewegung schrie. Sie glitt an ihm vorbei, umging Reiter und Ross mit einer kalter Entschlossenheit, schlug einen Weg ein, dessen Ziel Asgrim verborgen blieb. Der Schnee fiel dichter, wurde schwerer – als wolle die kalte Welt selbst die Spuren verschlingen, die sie hinterließ.
Der 32-Jährige verlagerte sein Gewicht leicht nach vorne, und der Schimmel unter ihm setzte sofort zu einem vorwärtstreibenden Schritt an. Mit einem feinen Kippen seines Beckens dirigierte er das Tier, der Frau zu folgen – zunächst in sicherem Abstand, dann langsam näherkommend.
Sie passierten die alte Schmiede, an der Arvid früher gestanden hatte, um Waffen zu schmieden oder die Hufe der Pferde der Reisenden zu beschlagen. Oft hatte dort ein kleines, blondes Mädchen im Schnee gesessen, hatte mit Dreck, Ästen und Schnee kleine Figuren gebaut, während ihr großer Bruder in der Nähe gewacht hatte. Doch heute lag die Schmiede verlassen und kalt da, nur ein misstrauisches Paar alter Augen lugte aus einem Fenster – vielleicht die Frau des Schmieds, die den frostigen Winter und die fremden Besucher mit Argwohn betrachtete.
"Eydís."Seine Stimme hallte durch die frostige Stille, fest und doch von einer leisen Bitterkeit durchzogen. Er hob den Blick und sah sie an, diese vertraute Gestalt, die vor seinem Pferd schritt – unerschütterlich, mit dem Korb fest in den Händen. Er erwartete keine Freude, keine Absolution, keine Gnade. Er wusste kaum noch, was er erwartete, denn von Hoffnungen und Gefühlen hatte er sich längst verabschiedet. Vielleicht sehnte er sich danach, ihren Zorn zu spüren, ihren Vorwurf zu hören – irgendetwas, das ihm zeigte, dass sie noch dieselbe war, die er einst gekannt hatte.
Ein leises Schnalzen ließ den Hengst antraben. Mit einem eleganten Schwung zog er an der Blondine vorbei, nur um den Schimmel abrupt zu stoppen und sich direkt vor ihr in den Weg zu stellen. "Wohin gehst du?", seine Stimme klang überraschend weich, fast fragil in ihrer Einfachheit. Die Frage war so banal, dass sie ihn selbst einen Moment lang irritierte — nicht, weil er unbedingt wissen wollte, wohin sie ging, sondern weil er sich für einen Augenblick fühlte, als hätte er sie genau diese Frage unter anderen Umständen gestellt. Vor zehn Jahren, bevor er in die Einöde gezogen war und nie mehr zurückkehrte.
