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My mind feels like a foreign land
26.10.1016 - 09:11
Rabenrast - Dorf nahe Wolfsmark
Asgrim Blutfjell Eydís Vigdal

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Eydís Vigdal
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#8
Der Schnitt in ihrer Handfläche brannte, doch bei weitem nicht so sehr, wie all die Schnitte, mit denen Asgrim sie übersäte. Es war jedoch der Körperliche – klein, nahezu verborgen – der sie aufrecht hielt. Denn während Asgrim vom Pferd stieg, schwer wie sein unabänderlich fallendes Urteil, war da plötzlich nur noch das Blut in ihrer Faust. Warm. Lebendig. Echt. Alles andere war nur Rauschen.

Seine Bewegungen waren fließend. Bedrohlich ruhig. Selbst mit all dem schützenden Leder, den wärmenden Fellen schien er sich lautlos zu bewegen, mit der Statur eines Kriegers, den selbst der schärfer werdende Wind nicht zu behelligen traute. Er glitt lediglich vom Rücken seines riesigen Pferdes, und doch war es, als würde er ihr den Boden unter den Füßen nehmen. Sie hatte ihn so oft absteigen sehen. Nach der Jagd. Nach einem heimlichen Ausritt durch den Fluss an einem milden Sommertag, halbnackt, mit unzähligen Wassertropfen in seinem blonden Bart. Und von ihr, damals. Die Erinnerung schnitt härter als die Scherbe in ihrer Hand, die endlich fallen ließ.

Als ihr Blick den seinen kreuzte und hielt, war es, als hätte jemand einen Schleier weggerissen. Da war nichts wirklich Fremdes in seinen Zügen – nur mehr Schatten. Die Linien schärfer in seinem Gesicht waren schärfer, das Licht in seinen Augen blasser. Aber es war er. Und sie mochte schreien, bei all dem, was sich bei seinem Anblick in ihrer Brust regte. Doch sie tat es nicht, hob stattdessen nur das Kinn.

Seine Worte trafen sie kalt, wie Eisregen auf ungeschützte Haut. Doch was er sagte … war falsch. Es hätte alles geändert. Alles. Sie spürte, wie sich ihr Herz verkrampfte, wie ihre Kehle sich gegen das eiserne Schweigen wehrte. Aber sie konnte nicht antworten. Nicht auf das, was unausgesprochen zwischen ihnen stand. Nicht mit einer Wahrheit, die sie nie würde sagen können.

Denn was sollte sie sagen? Dass er nicht nur sie allein zurückgelassen hatte? Dass jeder Tag seither ein Tanz auf brennenden Kohlen gewesen war, ein Spagat zwischen Muttersein und Schweigen, zwischen Verleugnung und Schmach? Allein der Gedanke an ihren Sohn ließ sie innerlich taumeln, äußerlich blieb sie jedoch standhaft. Stoisch beinahe. Starrte ihn an wie eine Feste, die nie gefallen war. Doch in ihrem Inneren brach es, still.

Sie konnte sich ein Leben ohne sein Kind darin kaum vorstellen. Und doch war es genau dieses Leben, das er ihr beschert hatte, ohne es zu wissen. Ohne es zu ahnen.  „Du weißt gar nichts“, sagte sie leise. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber sie schnitt trotzdem tief. „Du warst fort, aber dein Schatten ist geblieben. Jeden verdammten Tag.“

Sie trat nicht zurück, obwohl er ihr nun so nah war. Fast einen Kopf größer, der Körper breiter, schwerer, wie das Auge eines Sturms, das sich über sie legte, sie abschirmte von Wind und Schnee. Sie roch ihn – Leder, Schnee, Stahl. Erinnerte sich plötzlich lebhaft, wie es damals gewesen war. Haut an Haut. Der Rauch des Kaminfeuers in ihrer Nase. Ihr langes Haar, das ihn kitzelte. Seine Hände auf ihren Hüften, besitzergreifend fest, als würde sie ihm gehören. Er würde sie niemals gehen lassen, hatte er ihr zugeraunt, irgendwann inmitten eines süßen Chaos aus Leidenschaft und Lust. Und dann war er verschwunden.

Sie spürte, wie sich ihr Atem beschleunigte. Nicht aus Angst, nicht einmal aus Zorn. Sondern aus einem ursprünglicheren Grund. Jenem, den sie all die Jahre vergebens gesucht hatte. Doch da war er wieder, wie eine sanfte Glut unter kalter Asche. Die Erinnerung an ihr Feuer. „Ich habe mich nichts hingegeben.“ Sie spuckte die Worte beinahe aus, mit fester, klarer Stimme.  „Ich habe überlebt.“

Sie schwieg nun, senkte jedoch nicht den Blick, ließ ihn sie ansehen, ließ ihn jede Linie in ihrem Gesicht lesen. Die tiefe Falte zwischen ihren blonden Brauen, die Müdigkeit in ihrem Blick, doch auch jedes noch so winzige Glimmen, das geblieben war. Sie umklammerte mit der linken Hand den Korb, während ihre blutende Rechte sich zur Faust ballte. Sie spürte die Nässe darin, das warme Rinnen zwischen den Fingern. Doch sie wich nicht zurück. Er war so nah, dass sie den Herzschlag in seiner Halsbeuge sehen konnte, so bildete sie es sich zumindest ein.  

Durch seine Nähe wurde ihr bewusst: seine Kälte war keine Mauer. Es war ein Nebel. Ein dichter zwar, aber einer, den man durchdringen konnte, wenn man den Weg kannte. Und einst hatte sie ihn gekannt. „Ich war nie dazu bestimmt, ein Teil deines Lebens zu sein, Asgrim Blutfjell. Ich weiß, dass ich lediglich ein kleiner Umweg gewesen bin.“ Ihre Stimme war ruhig, aber ihr Blick flackerte und ihre Stimme brach, als sein Name über ihre Lippen perlte. Etwas glomm in ihr auf. Nicht Hoffnung – niemals. Aber ein Hauch von Erinnerung. Von dem, was war, und was niemals hätte sein dürfen. „Doch du hast diesen einst geküsst.“

Eine Pause, schmal wie ein Klingenrücken. Ein Schritt nach vorn. Nur einer. Nah genug, dass sie den Atem zwischen ihnen spürte. „Und du konntest ihn nie fragen, was dieser Umweg für dich getragen hat.“ Dann trat sie zurück. Langsam. Und der Wind riss wieder an ihrem Mantel, an ihren Haaren, an ihrem Stolz. Sie drehte sich nicht um. Doch ihre Schultern bebten – nicht aus Schwäche, sondern weil sie endlich wieder atmete.
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My mind feels like a foreign land - von Asgrim Blutfjell - 14-06-2025, 15:38
RE: My mind feels like a foreign land - von Eydís Vigdal - 14-06-2025, 16:20
RE: My mind feels like a foreign land - von Asgrim Blutfjell - 14-06-2025, 18:07
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RE: My mind feels like a foreign land - von Eydís Vigdal - 14-06-2025, 22:40
RE: My mind feels like a foreign land - von Eydís Vigdal - 15-06-2025, 17:45
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