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My mind feels like a foreign land
26.10.1016 - 09:11
Rabenrast - Dorf nahe Wolfsmark
Asgrim Blutfjell Eydís Vigdal

Unregistered
Asgrim Blutfjell
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#9

Sie hielt seinem Blick stand – unbewegt, ungebeugt – und in Asgrim regte sich eine leise, bittere Genugtuung. Es war der flüchtige Beweis, dass noch ein Funke jener Eydís in ihr brannte, die er einst fast fanatisch verehrt hatte. Nicht das Mädchen, das gefallen war – sondern die, die zu lodern wusste, wenn man sie herausforderte. Doch seine Miene blieb unbewegt. Er sah auf sie herab mit einer Intensität, als wolle er eine Wahrheit aus ihrem Gesicht lesen, die er selbst nicht benennen konnte. Etwas, das vielleicht verriet, was in den vergangenen zehn Jahren geschehen war. Ob die Dunkelheit in ihren Augen die Folge der Jahre war – oder die Strafe für eine Entscheidung, die sie einst getroffen hatte.

Und obwohl sie ihm gegenüberstand, wirkte sie seltsam fern. Wie ein Echo ihrer selbst. Etwas in ihm wollte sie greifen, festhalten, schütteln – nicht aus Wut, sondern aus dem verzweifelten Wunsch, sie zurückzuholen. Oder die Jahre die zwischen ihnen standen. Aber seine Hände blieben ruhig, seine Züge hart. Denn Asgrim wusste, dass manche Abgründe zu tief wurden, wenn man sie zu lange ansah. Und je länger er suchte, desto mehr wuchs der bittere Verdacht, dass er sich in seiner Annahme getäuscht hatte. Dass es nicht die Welt oder sie selbst gewesen war, die Eydís gebrochen hatte – sondern vielleicht er. Ein Gedanke, der wie kaltes Eisen in seiner Brust lag. Doch selbst wenn er es erkannte, blieb sein Blick hart. Asgrim kannte kein Zurück – nur Vorwärts. Und sie musste nun zeigen, ob noch etwas in ihr war, das mitkam. Oder sich ihre Wege hier endgültig trennten.

„Ich habe überlebt.“

Asgrim konnte nicht wissen, was in Eydís' Leben geschehen war – nicht wirklich. Er wusste nichts von dem Kind, das er hinterlassen hatte. Nichts von dem zarten, kaum geformten Leben, das in ihrem Leib herangewachsen war, während er sich entschlossen hatte, zu verschwinden. Er konnte nicht ahnen, dass sein Verschwinden sie nicht nur mit Scham zurückließ, sondern mit einem Makel, der in den Augen der Dorfbewohner nie verziehen wurde. Dass sie, kaum mehr als ein Mädchen selbst, zur Zielscheibe wurde – für Spott, Misstrauen und kalte Blicke.

Asgrim trug die Narben vieler Kämpfe, doch jene, die er Eydís zugefügt hatte, waren unsichtbar – und doch tief. Er konnte sich nicht vorstellen, wie viele Türen sich vor ihr geschlossen hatten. Wie viele helfende Hände zurückgezogen wurden, als ihr Bauch zu rund wurde, um noch verleugnet zu werden. Und vielleicht war es auch besser so. Denn was hätte es geändert?
Es wäre mühsam gewesen, darüber zu philosophieren, was hätte sein können, wenn er geblieben wäre. Wenn er ihre stille Angst bemerkt hätte. Ihren suchenden Blick. Es gab zu viele Eventualitäten. Zu viele Wege, die nie gegangen wurden. Und Asgrim war keiner, der in Möglichkeiten dachte. Er war jemand, der sich dem Jetzt stellte – oder sich davor verschloss. Also ließ er sich in eine Ahnungslosigkeit fallen, die alles leichter machte. Denn Unwissenheit war nicht nur Schutz. Sie war auch eine Waffe. Eine, die er gegen sich selbst richtete, ohne es je zu merken.

"Du hättest den Schatten loslassen sollen." Die Worte fielen ruhig, fast tonlos, doch ihre Schwere lag wie kalter Reif in der Luft zwischen ihnen. Er hatte seine Geister in die Kälte geworfen, begraben unter dem Schnee ferner Berge, hinter sich gelassen wie eine Hülle, die er nicht mehr brauchte. Sie hingegen hatte die ihren umklammert, sie anscheinend genährt, sie sich zum Begleiter gemacht. Und jetzt stand sie da – von einem Leben gezeichnet, das ihm fremd war und das er nicht zu tragen gedachte.
Asgrim hob die Hand, langsam, beinahe bedächtig – und doch lag etwas Unvermeidliches in der Geste. Seine Finger legten sich um ihr stoisches Kinn, hielten sie fest. Der raue Daumen strich über die markante Linie ihres Kiefers, als wolle er sich vergewissern, dass sie wirklich da war – aus Fleisch, aus Trotz, aus einer Vergangenheit, die nicht totzukriegen war. Doch es war keine Zärtlichkeit in seiner Berührung. Kein Trost, kein Frieden. Nur das kalte Echo eines alten Besitzanspruchs, der nie ausgesprochen, aber stets spürbar gewesen war. Und etwas in seinem Blick verriet, dass er sich daran erinnerte.

"Du hast Recht. Du warst nie dafür bestimmt ein Teil meines Lebens zu sein." Die Worte kamen leise aber rau. Asgrim nickte leicht, als würde er einem - oder vielmehr ihrem - Urteil zustimmen, das längst gefällt war. Seine Hand löste sich langsam von ihrem Kinn, glitt hinab, als hätte jede Spannung ihn verlassen. Schlaff fiel sie an seine Seite, die Schultern ein Hauch schwerer, das Gesicht undurchdringlich. Doch in seinen Augen loderte noch etwas – kein Zorn, kein Schmerz, sondern dieser stumme, tief vergrabene Trotz, mit dem er sich selbst vor der Welt schützte.

Kurz kam sie näher – zu nah, als dass die Erinnerung nicht wie ein Donnerschlag in Asgrims Gliedern nachhallen konnte. Ihr Duft, so vertraut wie ein altes Lied, stieg ihm in die Nase, brachte für einen flüchtigen Moment etwas Weiches in seine Miene, bevor sich seine Kiefer wieder anspannten, wie unter dem Druck nicht gesprochener Worte. "Und was hat dieser Umweg für mich getragen?" Ihre Stimme war ruhig, doch ihre Worte trugen Dornen. Rätselhaft, wie so vieles an ihr, und doch so deutlich, dass sie ihn trafen, noch bevor er sie ganz verstanden hatte. Asgrims Stirn legte sich in Falten, während sein Blick sich verengte – nicht aus Unverständnis, sondern aus einem vorsichtigen Abtasten der Bedeutung.

Dann wich sie zurück. Wieder einen Schritt entfernt.

Der Wind schnitt zwischen ihnen wie ein kalter Keil, und obwohl der Schimmel ungeduldig schnaubte und mit den Hufen scharrte, schien die Stille um sie herum schwerer und lauter als jedes Geräusch zu sein.
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My mind feels like a foreign land - von Asgrim Blutfjell - 14-06-2025, 15:38
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RE: My mind feels like a foreign land - von Asgrim Blutfjell - 14-06-2025, 18:07
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