07-07-2025, 16:49 - Wörter:
“-gefickt hab?”
Sannas Blick fuhr wie ein Pfeil in Ivars Gesicht. Ihre Hand ballte sich zur Faust. Am liebsten hätte sie ihm eine verpasst – mit Schmackes und ohne Vorwarnung. Doch sie schluckte den Zorn herunter, spürte nur, wie sein Feuer ihr eigenes anfachte. "Was heißt... gefickt?" Valdas kleine Stimme bahnte sich mühsam ihren Weg durch das Gemurmel der Menge. Sanna biss sich auf die Innenseite der Wange.
"Gefickt. Gefickt. Gefickt." Valda kicherte fröhlich und klatschte in die Hände, als hätte sie gerade ein besonders schönes Wort gelernt. Sannas Blick blieb an ihrer Tochter hängen. Und der Wunsch, ihrem Bruder eigenhändig den Hals umzudrehen, wurde mit jedem Gefickt übermächtiger. "Bei Heofader...", knurrte sie, "warum müsst ihr Söldner bloß reden wie die letzte Hafendirne?" Sie zwang sich zu einem stählernen Lächeln, während sie Valda ansah. "Das erklären wir dir gleich, mein Schatz." Dann wandte sie sich wieder Ivar zu.
Sein Umgang mit der Situation warf mehr Fragen auf, als er beantwortete. Natürlich hatte Sanna nicht geglaubt, dass alles zwischen ihnen einfach oder gar normal wäre – aber sie hatte es sich gewünscht. Vielleicht naiv, vielleicht töricht, aber eben gewünscht.
Dass er sie nicht umarmte, sondern sie wortlos am Handgelenk packte und aus der Menge zog, überraschte sie kaum. Und doch fühlte es sich an wie ein weiterer Schlag, einer, der ihre Lippen zu einer schmalen, unbeweglichen Linie presste.
Als Valda ins Straucheln geriet, hielt Sanna kurz inne, bückte sich und hob ihre Tochter auf den Arm, während Ivar sie weiter hinter sich her durch das Gedränge zog – so zielstrebig wie rücksichtslos.
“Ich kann dich nicht umarmen”
Sanna sah ihn lange an – ruhig, aber mit einer Nachdenklichkeit, die sich nicht verbergen ließ. Dann ließ sie Valda sanft zurück auf den Boden, deren kleine Hand sich instinktiv nach der ihrer Mutter ausstreckte. Das Kind schwieg, obwohl sie vermutlich noch genau wusste, was sie vorhin hatte fragen wollen. Doch sie spürte die angespannte Luft, das unausgesprochene zwischen den Erwachsenen – Kinder hatten für solche Dinge ein feines Gespür.
Sanna ließ Ivars Worte wirken. Sie hallten nach, schälten sich langsam aus ihrer Bedeutung und hinterließen ein Gefühl, das sie nicht leiden konnte. "Ich kann dich nicht umarmen" – es klang, als sei Zuneigung ein Almosen. Als müsse sie warten, bitten, hoffen. Und das widerstrebte ihr. Tief in ihr regte sich etwas, das sich gegen diese Rolle stemmte. Sie war keine Bedürftige. Keine Bittstellerin. Und schon gar nicht eine, die sich mit Bröckchen abspeisen ließ – nicht von ihm. Oder von irgendeinem anderen Mann.
Und doch… Sannas Blick glitt kurz zum Himmel, als könnte sie dort etwas finden, das ihr im Innern fehlte. Ihre Geduld vielleicht. Oder den Mut, über den eigenen Stolz zu springen. Das Frühlingsland hatte Spuren in ihr hinterlassen – feine Risse, die nicht bluteten, aber schmerzten. Ihre Abwesenheit in Rabenrast, die Sorge um Eydís, all die losen Enden, die sie zurückgelassen hatte… all das hatte sie mürbe gemacht. Weicher, vielleicht. Aber auch verletzlicher. Und sie hasste es.
Ihre braunen Augen senkten sich wieder auf ihren Bruder, dessen Geduld sie vermutlich bereits zu sehr auf die Probe gestellt hatte. Mit einem leisen Seufzen trat sie den letzten Schritt auf ihn zu, überbrückte die schmale Distanz und legte die Arme um ihn. Sie zog ihn fest an sich, ihr Kopf lehnte sich an seine Brust, wo der kräftige Herzschlag durch den Stoff zu spüren war. Und während sie dort stand, still, regungslos, wurde ihr mit fast brutaler Klarheit bewusst, dass sie sich noch nie so einsam gefühlt hatte, wie in diesem Moment. "Du musst ihr erklären, was gefickt bedeutet.", murmelte sie an seiner Brust, ihre Stimme rau vor unterdrückter Erschöpfung – und um die Tränen zu verbergen, die ihr längst die Sicht zu nehmen drohten.
Sannas Blick fuhr wie ein Pfeil in Ivars Gesicht. Ihre Hand ballte sich zur Faust. Am liebsten hätte sie ihm eine verpasst – mit Schmackes und ohne Vorwarnung. Doch sie schluckte den Zorn herunter, spürte nur, wie sein Feuer ihr eigenes anfachte. "Was heißt... gefickt?" Valdas kleine Stimme bahnte sich mühsam ihren Weg durch das Gemurmel der Menge. Sanna biss sich auf die Innenseite der Wange.
"Gefickt. Gefickt. Gefickt." Valda kicherte fröhlich und klatschte in die Hände, als hätte sie gerade ein besonders schönes Wort gelernt. Sannas Blick blieb an ihrer Tochter hängen. Und der Wunsch, ihrem Bruder eigenhändig den Hals umzudrehen, wurde mit jedem Gefickt übermächtiger. "Bei Heofader...", knurrte sie, "warum müsst ihr Söldner bloß reden wie die letzte Hafendirne?" Sie zwang sich zu einem stählernen Lächeln, während sie Valda ansah. "Das erklären wir dir gleich, mein Schatz." Dann wandte sie sich wieder Ivar zu.
Sein Umgang mit der Situation warf mehr Fragen auf, als er beantwortete. Natürlich hatte Sanna nicht geglaubt, dass alles zwischen ihnen einfach oder gar normal wäre – aber sie hatte es sich gewünscht. Vielleicht naiv, vielleicht töricht, aber eben gewünscht.
Dass er sie nicht umarmte, sondern sie wortlos am Handgelenk packte und aus der Menge zog, überraschte sie kaum. Und doch fühlte es sich an wie ein weiterer Schlag, einer, der ihre Lippen zu einer schmalen, unbeweglichen Linie presste.
Als Valda ins Straucheln geriet, hielt Sanna kurz inne, bückte sich und hob ihre Tochter auf den Arm, während Ivar sie weiter hinter sich her durch das Gedränge zog – so zielstrebig wie rücksichtslos.
“Ich kann dich nicht umarmen”
Sanna sah ihn lange an – ruhig, aber mit einer Nachdenklichkeit, die sich nicht verbergen ließ. Dann ließ sie Valda sanft zurück auf den Boden, deren kleine Hand sich instinktiv nach der ihrer Mutter ausstreckte. Das Kind schwieg, obwohl sie vermutlich noch genau wusste, was sie vorhin hatte fragen wollen. Doch sie spürte die angespannte Luft, das unausgesprochene zwischen den Erwachsenen – Kinder hatten für solche Dinge ein feines Gespür.
Sanna ließ Ivars Worte wirken. Sie hallten nach, schälten sich langsam aus ihrer Bedeutung und hinterließen ein Gefühl, das sie nicht leiden konnte. "Ich kann dich nicht umarmen" – es klang, als sei Zuneigung ein Almosen. Als müsse sie warten, bitten, hoffen. Und das widerstrebte ihr. Tief in ihr regte sich etwas, das sich gegen diese Rolle stemmte. Sie war keine Bedürftige. Keine Bittstellerin. Und schon gar nicht eine, die sich mit Bröckchen abspeisen ließ – nicht von ihm. Oder von irgendeinem anderen Mann.
Und doch… Sannas Blick glitt kurz zum Himmel, als könnte sie dort etwas finden, das ihr im Innern fehlte. Ihre Geduld vielleicht. Oder den Mut, über den eigenen Stolz zu springen. Das Frühlingsland hatte Spuren in ihr hinterlassen – feine Risse, die nicht bluteten, aber schmerzten. Ihre Abwesenheit in Rabenrast, die Sorge um Eydís, all die losen Enden, die sie zurückgelassen hatte… all das hatte sie mürbe gemacht. Weicher, vielleicht. Aber auch verletzlicher. Und sie hasste es.
Ihre braunen Augen senkten sich wieder auf ihren Bruder, dessen Geduld sie vermutlich bereits zu sehr auf die Probe gestellt hatte. Mit einem leisen Seufzen trat sie den letzten Schritt auf ihn zu, überbrückte die schmale Distanz und legte die Arme um ihn. Sie zog ihn fest an sich, ihr Kopf lehnte sich an seine Brust, wo der kräftige Herzschlag durch den Stoff zu spüren war. Und während sie dort stand, still, regungslos, wurde ihr mit fast brutaler Klarheit bewusst, dass sie sich noch nie so einsam gefühlt hatte, wie in diesem Moment. "Du musst ihr erklären, was gefickt bedeutet.", murmelte sie an seiner Brust, ihre Stimme rau vor unterdrückter Erschöpfung – und um die Tränen zu verbergen, die ihr längst die Sicht zu nehmen drohten.
