12-07-2025, 08:58 - Wörter:
Wenn der Söldner sich mit einer bestimmten Eigenschaft nicht rühmen konnte, dann war das… Zurückhaltung, Ehrgefühl, Feingespür, Intelligenz, Besonnenheit, Empathie, Hilfsbereitschaft, aber eben auch Geduld. Wollte er nicht. Konnte er nicht. Er hatte Sanna ein Angebot gemacht und typisch Weibsbild, das sie war, brauchte sie mal wieder ewig, um es sich durch den Kopf gehen zu lassen. Nicht dass es ihn verunsicherte oder so nen anderen Schwachsinn, als hätte sie nicht eben etwas Unmögliches von ihm erwartet und jetzt ließ sie ihn in der Luft hängen. Schlimmer noch, er fing an, etwas in ihrem Blick zu suchen; eine Antwort vielleicht, die sie ihm nicht geben wollte. Keine Ahnung, was er da fand, aber es machte das präsente Schuldgefühl null besser. Heofaders stinkendem Dreckschwanz sei Dank, jetzt fühlten sie sich beide schlecht.
Ivar war wirklich kurz davor, einfach zu gehen. Das Wissen, dass er sich danach noch schlechter fühlen würde, war mitunter das Einzige, was ihn hier Wurzeln schlagen ließ, wenn man den großen Blick der Göre mal vorne weg nahm. Vorsichtig, aber trotzig, mit fremden Augen, die ihm doch so vertraut waren und deswegen noch mehr irritierten. Genervt wandte er seinen Blick von ihr ab.
Na ja, falsch gedacht.
Es hatte fast etwas Geschlagenes, etwas von einer Niederlage, als er ausatmete und zumindest einen Arm um ihre kleineren Schultern legte. Er drückte sie nicht an sich und sein anderer Arm hing hilflos in der Luft, weil er ehrlich gesagt nicht wusste, wie er jemanden umarmen sollte, der Trost brauchte. Aber es war ein Anfang. Unsicher glitt sein Blick durch die Gasse, als wär er jetzt lieber woanders, dann runter zu dem Mädchen, das sich jetzt an die Hose ihrer Mutter klammerte. Ob er damals die gleiche Stabilität in ihrem instabilen Umfeld für Sanna gewesen war?
Die Aufforderung seiner Schwester ließ ihn schnaufen, eigentlich fast schon erheitert, fand er die ganze Situation doch skurril. So, wie das Mädchen ihre Ohren bei dem Wort aufzustellen schien und ihr Blick neugierig nach oben flatterte. So, wie er seinen zweiten Arm um Sanna legte und sie etwas an sich drückte.
Ivar war wirklich kurz davor, einfach zu gehen. Das Wissen, dass er sich danach noch schlechter fühlen würde, war mitunter das Einzige, was ihn hier Wurzeln schlagen ließ, wenn man den großen Blick der Göre mal vorne weg nahm. Vorsichtig, aber trotzig, mit fremden Augen, die ihm doch so vertraut waren und deswegen noch mehr irritierten. Genervt wandte er seinen Blick von ihr ab.
“Willst du jetzt oder-”
, setzte er ungeduldig an und war schon im Inbegriff, diesen Annäherungsversuch einfach als gescheitert abzustempeln, als Sanna auf einmal doch auf ihn zutrat und ihre Arme um ihn legte. Er hätte es ja erwarten sollen, aber die Art, wie sie ihre Verteidigung vor ihm fallen zu lassen schien, überraschte ihn dann doch. Und da war sie wieder, seine Schwester. Sanna, die sich nicht von ihm hatte lösen wollen, als er zum ersten Mal ohne sie nach Wolfsmark aufgebrochen war. Sanna, die ihre Hände um seine Finger gelegt hatte in der Hoffnung, der Schnitt, den er sich mit seiner Axt zugezogenen hatte, würde so weggehen. Er hatte ja gedacht, er hätte seine Vergangenheit und seine Rolle, die er im Leben seiner Familie eingenommen hatte, hinter sich gelassen.Na ja, falsch gedacht.
Es hatte fast etwas Geschlagenes, etwas von einer Niederlage, als er ausatmete und zumindest einen Arm um ihre kleineren Schultern legte. Er drückte sie nicht an sich und sein anderer Arm hing hilflos in der Luft, weil er ehrlich gesagt nicht wusste, wie er jemanden umarmen sollte, der Trost brauchte. Aber es war ein Anfang. Unsicher glitt sein Blick durch die Gasse, als wär er jetzt lieber woanders, dann runter zu dem Mädchen, das sich jetzt an die Hose ihrer Mutter klammerte. Ob er damals die gleiche Stabilität in ihrem instabilen Umfeld für Sanna gewesen war?
Die Aufforderung seiner Schwester ließ ihn schnaufen, eigentlich fast schon erheitert, fand er die ganze Situation doch skurril. So, wie das Mädchen ihre Ohren bei dem Wort aufzustellen schien und ihr Blick neugierig nach oben flatterte. So, wie er seinen zweiten Arm um Sanna legte und sie etwas an sich drückte.
“Gefickt ist das schönste Wort der Welt, weil du es überall benutzen kannst. Ich hab dich gefickt, zum Beispiel, wenn du jemandem so richtig eine auf die Fresse gibst.”
Dem Mädchen stand nun der Mund leicht offen, aber sie schien ihn zu verstehen. “So-”
Er boxte hinter Sannas Rücken einmal geradeaus in die Luft. “Und, uh-!”
Dieses Mal gab er der Luft einen Kinnhaken, während der Blick seiner Nichte fasziniert seiner Faust folgte. Zugegeben, Kinder waren gar nicht so schlimm, wenn sie nur zuhörten und mit ihrer Piepsstimme nichts von ihm erwarteten. “Oder wenn ein Baum am Sterben ist. Dann ist er auch gefickt.”
“Was noch?” Obwohl die Situation nicht merkwürdiger hätte sein können, oder gerade weil sie so merkwürdig war, schlich sich ein schmales Grinsen auf Ivars Lippen. “Alte Menschen wurden vom Leben gefickt. So richtig schön durchgenommen, dass sie jetzt Falten haben und gebückt laufen.”
Er könnte noch ewig so weitermachen, fielen ihm doch hundert weitere Beispiele ein. Allerdings war da noch seine Schwester im Arm, die vermutlich gerade nicht hören wollte, wen er noch alles beleidigen konnte. Da lag immer noch diese Schwere auf ihr, die er nicht benennen konnte, und… er konnte sie so halt auch nicht alleine lassen. Ob er dieses Treffen nun gewollt hatte oder nicht, es war eben passiert. Ließ sich jetzt auch nicht mehr ändern. Etwas ruhiger setzte er deswegen an: “Habt ihr eine Bleibe? Wenn nicht…”
Ach, was solls. “Ich hab ein Zimmer im goldenen Esel, wenn du…”
Reden willst? Ivar wollte eigentlich nicht reden, aber noch weniger wollte er sie hier stehen lassen. “... keine Ahnung.”
