27-07-2025, 02:29 - Wörter:

„Überleg mal ganz genau“
, entgegnete er nur, denn für ihn bestand kein Zweifel mehr; er sah sich auf einmal einer Schicksalswende gegenüber, die er nie hätte vorhersehen können. Wie er doch seinen Waffenbruder an seiner Seite vermisste. Mit ihm hätte er nun einen Blick ausgetauscht, wäre vielleicht in Gelächter ausgebrochen, hätte sich einen Spaß aus dem Unwissen einer Respektperson erlaubt, weil sie zu dritt schon mehr als bloßes Gelächter miteinander geteilt hatten. Blut, Schweiß und Schlamm ließen sich abwaschen, doch nicht die Verbindung zwischen zwei Schülern und einem Lehrer, der sie über ihre Grenzen getrieben hatte, damit sie über sich hinauswachsen konnten.Da stand er nun. Groß, stolz, seine Statur das Ergebnis von jahrelangem stählernen Training, nachdem er seinen Lehrer totgeglaubt an die Einöde verloren hatte. Was ihn geformt hatte, all die Erfahrungen, die er mit Erik und seinen Gefährten gemacht hatte, Narben, die er von der Einöde trug, Kämpfe, die er gewonnen und verloren hatte, das alles hatte Asgrim nicht mehr erlebt. Doch er hatte die Grundlagen gelegt, auf der Leif hatte aufbauen können; er war für den Jungen immer der Fels gewesen, an den er sich lange erinnert hatte, auch nachdem sein Verschwinden längst verjährt war.
Beinahe sprudelnd im eigenen Stolz einer Person gegenüber, der er eigentlich Respekt entgegen bringen sollte, reagierte er auf seinen eigenen Namen mit einem Lachen. Sicher tat der Unglaube sein Übriges, die Erkenntnis, dass der Geist, den er hin und wieder über seine Schulter schauen gespürt hatte, nichts weiter gewesen war als ein Schatten, der ihn zum Narren gehalten hatte. Sein Lachen war laut und ungehalten, stand seinem Vater in nichts nach mit einer Spur von der Wildheit, die er nach all den Jahren immer noch behalten hatte. Selbst eine Krone vermochte den Wolf nicht zu zähmen, der damals seinesgleichen gesucht hatte.
„Und du denkst, einfach hier aufzutauchen, als wärst du nicht Jahrzehnte vom Erdboden verschluckt gewesen?“
, polterte er und legte endlich beide Pranken auf die Schultern von Asgrim, fest und erdend. Er betrachtete seinen Lehrer und stellte fest, dass er kleiner wirkte. Genauso kompakt und bodenständig, wie er ihn im Kopf behalten hatte, doch eine Last schien ihn nach unten zu drücken. „Wir dachten, du wärst tot. Erik und ich haben nach deinen Überresten Ausschau gehalten und eine Kriegerbeerdigung für dich abgehalten.“
Mit etwas Glück verweilte der Steinhügel immer noch an der Klippe, wo sie Asgrims Körper vermutet hatten. Es war das Mindeste, was sie für einen verschollenen Lehrer hatten tun können, dessen Familienaxt nie hatte geborgen werden können. 