09-08-2025, 10:39 - Wörter:
Mit Erik zu reden, nahm mehr Spannung von Leifs Schultern, als er gedacht hatte. Seine Art, diese feste innere Ruhe eines Berges, dessen Besorgnis sich offen in seinem Gesicht widerspiegelte, war genau das, was Leif jetzt sehen wollte, und auch sehen musste. Es war genau diese Weichheit eines Giganten, die er sich selbst nicht entgegenbringen konnte; wenn er in einen Teich schaute, starrten ihn nur harte Lippen und richtende Augen nieder. Weil er Schuld war. Weil er ein Kind in die Welt gesetzt hatte, dessen Existenz das stolze Bild der Stelhammer zum Wanken brachte. Weil er ein Kind alleine gelassen hatte in einer Welt, die zu unbarmherzig für ein einfaches Mädchen ohne Vater war, und er sich jetzt damit auseinandersetzen musste, dass ihr Blut an seinen Händen vielleicht gar nicht mehr in entfernter Zukunft lag. Er wollte sich gerne selbst so entgegenkommen, wie Erik es mit einer angeborenen Selbstverständlichkeit tat, und vielleicht war es genau das, was er in diesem Moment so an ihm schätzte. Leif mochte stark und stoisch rüberkommen, mit seinen verschränkten Armen und der aufrechten Haltung, aber auch er brauchte Rückhalt. Und Erik gab ihm das, ohne nachzufragen.
Sein Blick lag auf dem blonden Riesen, schweigend, während er zuließ, dass er in seinen verletzlichen Radius trat. Zwei Präsenzen wogen gegeneinander, doch in Einheit, wenn es um Valda ging. Leifs Tochter, unehelich oder nicht, die Erik mit solch einer Selbstverständlichkeit anerkannte, dass Wärme in Leifs Brust aufstieg. Für einen Moment schwieg er und ließ die Worte so im Raum stehen. Als er ausatmete, fühlte sich die winterliche Luft gar nicht mehr so kalt an.
Leif bemerkte die Kieferbewegung seines Waffenbruders am Rande, wie er die kleinen Gesten seiner Familienmitglieder registrierte und jedem von ihnen zuordnen konnte, wenn man ihn fragte. Er selbst merkte nur, wie die Frage nach dem Kontakt mit seiner Tochter ein kleines Loch in seine Brust bohrte und er versuchte, das Gefühl loszuwerden, indem er endlich seine Verschränkung aufbrach und sich über die eigene Schulter rieb, als würde er eine Verspannung lösen wollen. Diese Antwort brauchte etwas länger und war leiser gesprochen als die anderen, als würde ein Schatten auf ihr liegen, den er nicht abschütteln konnte.
Sicher hatte er darüber nachgedacht, wie sicher Rabenrast nach dem Winterfest für die beiden war, und im Nachhinein konnte er nur darüber den Kopf schütteln, was er Sanna schon alles vorgeschlagen hatte.
Als die Frage nach Valdas Mutter im Raum stand, tanzten Flammen in Leifs hellen Augen. Denn Sanna war seine einzige Konstante in all den Albträumen; er wusste, dass sie stark war, und er zweifelte keine Sekunde daran, dass sie den Boden unter ihren Füßen in Bewegung setzen würde, um ihre Tochter zu schützen. Die Antwort war eine, die er seinem Waffenbruder mit absoluter Sicherheit geben konnte.
Sein Blick lag auf dem blonden Riesen, schweigend, während er zuließ, dass er in seinen verletzlichen Radius trat. Zwei Präsenzen wogen gegeneinander, doch in Einheit, wenn es um Valda ging. Leifs Tochter, unehelich oder nicht, die Erik mit solch einer Selbstverständlichkeit anerkannte, dass Wärme in Leifs Brust aufstieg. Für einen Moment schwieg er und ließ die Worte so im Raum stehen. Als er ausatmete, fühlte sich die winterliche Luft gar nicht mehr so kalt an.
“Nichts ist aus ihm geworden”
, antwortete er nach einer Zeit, die er genauso auch Reinka gestellt hatte, nach den Festlichkeiten in Wintergard - weniger ruhig, weniger abwägend, mit einem Geduldsfaden, der gerissen wäre, hätte sie ihm auch nur eine der fünftausend unzufriedenstellenden Nachrichten übermittelt. “Und nichts wird noch aus ihm werden.”
In Leifs Stimme lag eine gewisse Abgebrühtheit mit einem Anflug von Gefälligkeit. Er hatte nie Mitleid mit dem Vasallen gehabt, der für diesen einen erschreckenden Tag das Schicksal seiner Familie in den Händen gehabt hatte; hätte er ihn in die Hände bekommen, lägen seine Teile jetzt vermutlich in alle Himmelsrichtungen verstreut.Leif bemerkte die Kieferbewegung seines Waffenbruders am Rande, wie er die kleinen Gesten seiner Familienmitglieder registrierte und jedem von ihnen zuordnen konnte, wenn man ihn fragte. Er selbst merkte nur, wie die Frage nach dem Kontakt mit seiner Tochter ein kleines Loch in seine Brust bohrte und er versuchte, das Gefühl loszuwerden, indem er endlich seine Verschränkung aufbrach und sich über die eigene Schulter rieb, als würde er eine Verspannung lösen wollen. Diese Antwort brauchte etwas länger und war leiser gesprochen als die anderen, als würde ein Schatten auf ihr liegen, den er nicht abschütteln konnte.
“Nicht so oft, wie ich gerne gehabt hätte. Ich… hab sie erst kennen gelernt, da war sie schon ein Jahr alt.”
Nicht, dass man ihn oder Sanna gefragt hatte, es war einfach so passiert. Warum sollte sich Leif auch in einem kleinen Dorf wie Rabenrast aufhalten, wenn nicht auf Durchreise nach einer mehrtägigen Jagd, leicht im Herzen mit nichts weiter im Sinn als einem warmen Bad, während er auf Halger gewartet hatte. Manchmal fragte er sich, ob es nicht Schicksal war, dass sein Blick einen Moment zu lange auf der Jägerin geruht hatte, die ihrem Tagesablauf nachgegangen war - und auf dem Bündel auf ihrem Rücken, das verdächtig nach einem Kind ausgesehen hatte. “Eventuell hab ich die Besuche in Wolfsmark manchmal als Ausrede genutzt, sie aufzusuchen.”
Ein kleiner Funken trat in seine Augen, weil manchmal eine deutliche Untertreibung war. “Manchmal einmal, zweimal im Monat, in den Wintermonaten teilweise gar nicht. Es waren immer nur kurze Besuche am späten Abend, und doch- Du weißt nicht, wie schnell Kinder groß werden, bis du selbst eins hast.”
In seiner Stimme lag der kleine Schmerz eines Vaters, den es selbst immer die Welt gekostet hatte, seine Tochter zurückzulassen - in dem Bewusstsein, dass sie ihn brauchte, und er sie. In der Verantwortung, dass er ihr nie die Beständigkeit eines Vaters hatte geben können, der jeden Morgen zur Arbeit ging und abends wieder heimkehrte. Seiner Meinung nach hatte er es versucht, ihr ein stabiles Leben zu ermöglichen, doch in der Gleichung zählten immer zwei Menschen, und Sanna… hatte es ihm selten leichter gemacht, hilfreich zu sein.Sicher hatte er darüber nachgedacht, wie sicher Rabenrast nach dem Winterfest für die beiden war, und im Nachhinein konnte er nur darüber den Kopf schütteln, was er Sanna schon alles vorgeschlagen hatte.
“Und ich hab immer gedacht, Valda und ihre Mutter wären sicherer in Wintergard. Ich wollte sie… keine Ahnung, beschützen, vor genau so einer Scheiße.”
Aber Sanna hatte recht behalten. Dass sie überhaupt mit Valda nach Wintergard gekommen und-... Leif behielt seine Ruhe dadurch, dass er sich dem Fenster zuwandte und sich auf die Schatten der gegenüberliegenden Dachziegel konzentrierte. “Weiß ich nicht. Ich geh davon aus, dass sie sich ins Frühlingsland aufgemacht haben. Wohin sonst, nach Castandor?”
, schnaufte er freudlos, während die Ungewissheit unter seiner Haut brodelte und ihn nicht mehr losließ. Er wollte es ja auch wissen, und es machte ihn fertig, dass er Erik keine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Als die Frage nach Valdas Mutter im Raum stand, tanzten Flammen in Leifs hellen Augen. Denn Sanna war seine einzige Konstante in all den Albträumen; er wusste, dass sie stark war, und er zweifelte keine Sekunde daran, dass sie den Boden unter ihren Füßen in Bewegung setzen würde, um ihre Tochter zu schützen. Die Antwort war eine, die er seinem Waffenbruder mit absoluter Sicherheit geben konnte.
“Taffer als eine Bärenmutter.”
Er wusste, dass sie überleben würde. Wusste, dass sie ihr Leben ohne Zögern für Valda geben würde. Aber manchmal lag es nicht in einer Menschenhand, was mit zwei kleinen Leben in einer großen Welt geschah. “Und genauso stur wie eine. Wie oft ich mir an dieser Familie-“
Leif unterbrach sich, als er schmerzhaft bemerkte, wie sich seine Finger in seine Schultermuskulatur gruben. Bewusst atmete er aus und hielt an seiner Kontrolle fest. Schließlich setzte er sich in Bewegung; sonst immer mit einem Ziel im Auge, schien nun der Weg selbst seinen Zweck zu erfüllen. Hauptsache, er bewegte sich irgendwie. “Ich hab nicht nur gewartet und Däumchen gedreht in der Zeit. Konnte ich nicht. Als wir uns gestritten haben, bin ich nach Rabenrast geritten. Hab vielleicht gehofft, dass sie noch was zurückgelassen haben, oder ich sie finde, weiß ich nicht.”
Wider Erwarten hatte er nicht unbedingt nachgedacht. War auch nicht seine Stärke, wenn es um Valda ging. “Valdas Großmutter ist eine alte Hexe. Sie hat mich schon immer verabscheut, ist verbittert, hat keinen Respekt, und hat mir vorgeworfen, dass ich für den Tod ihrer Familie verantwortlich bin. Ich schwöre, ich war in der Nacht so kurz davor, ihr den Hals umzudrehen…”
Ein Schatten bedeckte seine Stimme, der verriet, dass Leifs Worte gar nicht so weit hergeholt waren. Wer wusste, welches Monster in seiner Brust schlummerte, wenn er so nahe an seinem Abgrund stand, nicht schlief und nicht mehr wusste, was er noch tun sollte. Das Warten fraß sich durch seine ohnehin schon schwankende Geduld und Ausdauer, brachte seinen Stolz ins Wanken und ließ ihn mit einer Ungewissheit zurück, der er verzweifelt versuchte, mit Ablenkung aus dem Weg zu gehen. Er wusste, dass es keine Lösung war und er endlich diesen verdammten Brief in den Händen halten musste, wenn er seinen Verstand nicht verlieren wollte. “Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll, Erik. Was würdest du in meiner Situation tun?”
