15-08-2025, 17:39 - Wörter:
Die Sekunden, die sie brauchte, um sich der Anwesenheit einer anderen Person bewusst zu werden, hinterließen einen bitteren Beigeschmack. Die rothaarige Prinzessin war nicht hier her gekommen, um mit jemandem zu reden. Stattdessen war sie hier, um zu schweigen. Ihren eigenen Gefühlen zu lauschen. Ihren Wünschen, Sorgen und Nöten. Begraben unter all' den Ereignissen der letzten Tage hatte es die Fürstentochter schwer sich selbst zu finden. Normalerweise, unter den Umständen der letzten Monate und Jahre, war sie zu einer selbstbewussten jungen Frau herangewachsen, hatte den Tod ihrer Mutter verkraftet und die zweite Hochzeit ihres Vaters durchgestanden, hat jeden Streit mit ihrem großen Bruder irgendwie überlebt und sich die freie Zeit mit reisenden Männern vertrieben, die die heißen Quellen nach ihrem kleinen Stelldichein nie wieder sehen würden. Sie wusste, was sie wollte. Und ebenso hatte sie gewusst, was sie nicht wollte. Nur, dass man sie völlig übergangen hatte. Es spielte keine Rolle mehr, was sie nicht wollte. Es interessierte niemanden, dass sie nicht hier sein wollte, dass sie keinen fremden Mann heiraten wollte, der zu allem Überfluss auch noch blind war und nichts mit ihrer Schönheit anfangen konnte. Nichts davon war mehr von Belang. Ihr Vater, mit dem sie so viele Meinungsverschiedenheiten geteilt und durchgestanden hatte, hatte einfach über ihren Kopf hinweg entschieden. Es war keine laute Diskussion und kein temperamentvoller Streit gewesen. Nur eine leise Ansage. Ohne einen Weg zurück. Ohne einen Weg hier raus.
Es waren erst wenige Tagen vergangen, seitdem man ihr offenbart hatte, dass sie bald heiraten würde. Zu wenig Zeit, um sich mit diesen Gedanken anzufreunden. Und auch zu wenig Zeit, um zu wissen, wie sie sich nun verhalten sollte. Würde es Sinn machen, die Krallen auszuführen und sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren? Oder tat sie sich selbst einfach nur einen Gefallen, wenn sie klein bei gab? Normalerweise war das nicht ihre Art, doch... was war schon noch normal? Es gab keinen Normalzustand mehr. Sie musste sich erst ein neues 'normal' erarbeiten. Musste sich eingewöhnen und ankommen. Musste herausfinden, was gut und normal war und was eben nicht. Doch hier an den Klippen zu sitzen war auf jeden Fall ein Anfang. Cathal hatte am Abend zuvor Recht gehabt: die Umgebung der Burg und ihre raue Landschaft war wirklich bemerkenswert. Und vielleicht war sie gerade deswegen noch gar nicht in der Stimmung zu teilen. Doch so wie zuvor hatte sie auch dieses Mal keine Wahl. Und sie nahm sich vor dieses Mal nicht wieder ein solches Theater zu veranstalten. Für den Moment fühlte es sich so an, als hätte ihr tosendes Inneres einfach den Kampf gegen die noch viel stärker tosenden Wellen verloren. Als hätte die Rauheit des Meeres ihre Seele beruhigt. Jedenfalls für den Moment. Vielleicht war es auch zuträglich, dass die Weite des Wassers ihr das Gefühl gab überhaupt nicht von Bedeutung zu sein. Nachdem sich die letzten Monate in ihrem eigenen kleinen Kosmos gefühlt alles nur um sie selbst gedreht hat (hat es nicht, aber das dachte Muirín eben gerne...), würde sie nun lernen müssen, was es bedeutet eben nicht mehr so bedeutsam zu sein.
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Es waren erst wenige Tagen vergangen, seitdem man ihr offenbart hatte, dass sie bald heiraten würde. Zu wenig Zeit, um sich mit diesen Gedanken anzufreunden. Und auch zu wenig Zeit, um zu wissen, wie sie sich nun verhalten sollte. Würde es Sinn machen, die Krallen auszuführen und sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren? Oder tat sie sich selbst einfach nur einen Gefallen, wenn sie klein bei gab? Normalerweise war das nicht ihre Art, doch... was war schon noch normal? Es gab keinen Normalzustand mehr. Sie musste sich erst ein neues 'normal' erarbeiten. Musste sich eingewöhnen und ankommen. Musste herausfinden, was gut und normal war und was eben nicht. Doch hier an den Klippen zu sitzen war auf jeden Fall ein Anfang. Cathal hatte am Abend zuvor Recht gehabt: die Umgebung der Burg und ihre raue Landschaft war wirklich bemerkenswert. Und vielleicht war sie gerade deswegen noch gar nicht in der Stimmung zu teilen. Doch so wie zuvor hatte sie auch dieses Mal keine Wahl. Und sie nahm sich vor dieses Mal nicht wieder ein solches Theater zu veranstalten. Für den Moment fühlte es sich so an, als hätte ihr tosendes Inneres einfach den Kampf gegen die noch viel stärker tosenden Wellen verloren. Als hätte die Rauheit des Meeres ihre Seele beruhigt. Jedenfalls für den Moment. Vielleicht war es auch zuträglich, dass die Weite des Wassers ihr das Gefühl gab überhaupt nicht von Bedeutung zu sein. Nachdem sich die letzten Monate in ihrem eigenen kleinen Kosmos gefühlt alles nur um sie selbst gedreht hat (hat es nicht, aber das dachte Muirín eben gerne...), würde sie nun lernen müssen, was es bedeutet eben nicht mehr so bedeutsam zu sein.
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Ich glaube ich kann nicht schreien
", flüsterte sie leise und war selbst überrascht. Sowohl von dem Geständnis, als auch von der Zittrigkeit ihrer Stimme. Ein Schrei würde bedeuten, dass sie voller Kraft und Energie war, doch aktuell fühlte es sich eher nach dem Gegenteil an. Sie war noch nicht bereit aus ihrem inneren Käfig auszubrechen. Noch nicht bereit, loszulassen. "Es ist immer gleich geblieben?", fragte sie beinahe tonlos die Fürstin und wendete den Blick zu dem sanften Gesicht der ähnlich alten Frau. Sie sah so... perfekt aus. Perfekt unperfekt. Das zerzauste Haar wurde ihr vom Wind ins Gesicht gepeitscht und die Wangen waren rosig gefleckt von der körperlichen Anstrengung auf dem Rücken des Pferdes. Und trotzdem sah sie aus wie ein Engel. Nur leider war sie kein Engel, der besonders gute Nachrichten zu verkünden hatte. Und was ihr noch viel mehr Angst einjagte, war die Ehrlichkeit, die sie aus der Stimme von Maebh raushören konnte. Eine Gänsehaut lief ihr über die Arme, ehe sie sie um den eigenen zarten Körper schlang und die Schultern hängen ließ. "
Es tut mir leid, dass ich gestern so unausstehlich war. Ich bin... überfordert, wenn ich ehrlich bin. Das ging alles viel zu schnell und ich habe noch gar nicht realisiert, was hier überhaupt passiert. Dass ich irgendwann heiraten würde, das wusste ich selbstverständlich, aber ich habe so lange geschafft mich dagegen zu wehren, dass ich nicht davon ausgegangen bin, dass es am Ende so schnell gehen wird
", erklärte sie ehrlich und knete die Finger in ihrem Schoß. Dieser sanfte Ausdruck in den dunkelbraunen Augen der Fürstin, verleitete sie dazu ihre Gefühle anzusprechen. Außerdem berührten die Worte der jungen Frau etwas in ihrem Herzen, was sie bisher noch ganz tief und fest verschlossen hatte. Auch, wenn sie es nicht wahrhaben wollte, aber diese Frau erinnerte sie auf eine sehr schmerzhafte Art und Weise an ihre verstorbene Mutter. Sie war liebevoll, obwohl man es nicht verdient hatte. Freundlich, obwohl man mit Hass um sich schlug. Ruhig, wo andere laut waren. Sie konnte nicht anders, als sie zu bewundern. Und gleichzeitig sah sie in einen Spiegel und konnte sehen, wie ihr Leben in Zukunft aussehen würde. Gefangen in einem goldenen Käfig.
