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A Loss for Words
06.11.1016 - 22:00
Palast des Großkönigs | Gemächer von Orpheus und Naila
Trigger: Verlust in der Familie, Trauer, Erwähnung von Tod und Mord
Naila Castellanos Ilyas El Mansouri

Nightingale in a Golden Cage
Naila Castellanos
Königsland - Admin
Alter 20
Beruf Prinzessin
Wohnort Castandor, King's Portal
Stand Verheiratet
User Letha
#1



Eine Schwalbe breitete ihre Flügel aus und segelte über Nailas Kopf hinweg, bevor sie sich von der Luftdichte nach unten tragen ließ. Oft waren tief fliegende Schwalben ein Vorbote von Regen, doch der Himmel über King’s Portal war so blau, dass man ihn am Horizont nicht vom Meer abgrenzen konnte. Ein Plateau, das ewig weit in die Tiefe ging, bis irgendwann eine Linie die Mitte ziehen würde. Zwei volle Tage auf See, bis man wieder Land sah. Nailas Heimat. Nailas alte Heimat.
Heimat war dort, wo man sich geborgen fühlte; wo man zugehörig war und Menschen hatte, denen man blind vertrauen konnte. Castandor war, sie konnte es kaum fassen, auf dem besten Weg, eine zu werden. Natürlich machte sie sich Sorgen um den bevorstehenden Krieg, wenn sie nicht mehr Orpheus an ihrer Seite hatte und sich der Feuerprobe stellen musste, die Angst um ihn und die Unsicherheit ohne ihn unter der Maske einer würdigen Großkönigsprinzessin zu verstecken. Und sie vermisste den Palast in Dharan al-Bahr. Sie vermisste ihre Brüder und die Gärten, in denen sie ihre Zeit totgeschlagen hatten. Sie vermisste ihre Mutter und die wenigen Minuten mit ihr, in denen sie sich von ihr wirklich gehört gefühlt hatte; und sie vermisste ihren Vater. Die Erinnerung von ihm, an die sie sich immer noch klammerte, auch wenn sie wusste, dass von ihm nur noch ein Schatten regierte.
Doch all das waren aushaltbare, gar schöne Schmerzen, weil sie wusste, dass sie sich hier mit ein wenig Zeit ebenso aufgehoben fühlen konnte, solange sie weiter nach vorne schaute. Mit den wenigen Menschen aus ihrer Heimat im Rücken wusste sie, dass sie sich hier einen eigenen kleinen Platz graben konnte, in dem - irgendwann, in absehbarer Zeit vielleicht - neues Leben entstehen würde. Sicherheit, Geborgenheit, Zufriedenheit. Mehr wünschte sie sich nicht, und mehr verlangte sie nicht.
Naila verließ den Balkon und trat in ihr Gemach, das sie abends mit Orpheus bewohnte, aber morgens oft für sich allein hatte, weil er schon seinen militärischen Pflichten nachgehen musste. Das Gesicht, das ihr begegnete - vertraut und gewohnt - brachte sie zu einem ehrlichen, federweichen Lächeln. “Ilyas, wie schön, dich zu so früher Morgenstunde zu sehen”, begann sie heiter, doch verflog ihre Unbeschwertheit in die Luft, als sie sein ernstes Gesicht studierte. “Was ist los…?” Ein schwacher Luftzug wehte durch die offenen Bögen des Balkons und bauschte die Vorhänge auf. Naila nahm zögerlich den Brief mit dem Siegel ihrer Familie entgegen, öffnete ihn und begann zu lesen.

Draußen schien der Flügelschlag der Schwalbe das einzige Geräusch zu sein, das die drückende Stille zu durchdringen wagte. Die Sonne schien, doch die Luft war schwer mit dem Gewitter, das sich am Horizont zusammenbraute.


14 Stunden später


Zeit war ein Konstrukt, das sich jemand ausgedacht hatte, um der Welt Ordnung zu schenken, doch was bedeutete Ordnung, wenn die ganze Welt bereits gebrochen war? Nicht nur aus den Fugen geraten in der Hoffnung, man würde sie mit etwas Mühe wieder zusammenschieben können, sondern unter den Füßen zersplittert. Wenn man auf ihren Scherben lief, blutete man, jeder Schritt ein weiterer Schnitt in die leidende Seele, die in der Dunkelheit ihre Orientierung verloren hatte.
Ohne Welt spielte Zeit keine Rolle mehr. Naila wusste nicht, wie lange sie auf dem Boden gekauert und den Brief umklammert hatte, bis ihre Tränen die Tinte unleserlich gemacht hatten. Sie wusste nicht, wer sie aufgehoben und zum Bett getragen hatte, oder wie lange sie dort gelegen hatte. Ihre Kehle war trocken vom Weinen, ihr Magen leer, ihre Glieder schwach, während ihr Körper sich immer wieder schüttelte mit Krämpfen. Vielleicht hatte sie geschlafen, bis der Schmerz - das Bewusstsein, dass ein integraler Teil von ihr fehlte - sie wieder aufweckte. Menschen hatten bei ihr gelegen, ihre Hand gehalten und über ihre kalte Schulter gestrichen. Mal hatten Stimmen sanft auf sie eingeredet, mal war da nur eine stille Präsenz gewesen. Gesichter vermischten sich zu einer braunen Masse und doch hatte sie sich noch nie so allein gefühlt.
Als Naila sich aufrichtete, war es dunkel draußen - das Gewitter war vorbeigezogen und hatte nur noch einen leichten Nieselregen zurückgelassen, der die Pfützen vibrieren ließ. Sie spürte Orpheus warme Präsenz in ihrem Rücken, ehe er behutsam über ihren Arm strich und ihre Schulter küsste. Oft hatten sie sich ein Schweigen geteilt, doch diese Stille lastete schwer auf ihnen beiden. Naila konnte nichts sagen. Alles, was aus ihr herausbrechen wollte, waren Gefühle, die sie nicht in Worte fassen konnte; man hatte ihre Seele genommen und sie in Teile zerrissen, dass sie nicht wusste, ob sie diesen Schmerz jemals artikulieren konnte. Schließlich war es Orpheus, der seine Worte gewählt an sie richtete. “Wenn es etwas gibt, das ich tun kann…” Doch sie beide kannten die Antwort bereits.

Auch wenn Zeit keine Bedeutung für Naila hatte, wusste sie doch, dass sie sich nicht ewig aus ihrer Welt ausgrenzen ließ. In diesem Fall war es Ilyas, der sich durch ihre Leibmagd ankündigen ließ und sie um ein Gespräch bat. Jeder in Nailas Umfeld war bedacht darauf, was gesagt wurde, bedacht, welche Gesten genutzt wurden in der Sorge, die fragile Prinzessin mit einem Wort zu viel zu brechen. Als Naila wider Erwarten die Anfrage von Ilyas annahm, bot Orpheus sich an, hierzubleiben, doch sie schüttelte nur den Kopf. Letztendlich war Imani die Einzige, die sich mit ihr im Gemach befand, als man Ilyas Eintritt gestattete. In einen seidenen Morgenmantel gehüllt, obwohl die Stunde spät war, saß Naila auf einer der gepolsterten Liegen in der Empfangsecke, den Kopf weggedreht von der Tür, während sie den Nieselregen dabei beobachtete, wie er im Lampenschein auf den Marmorbalkon plätscherte. Man sah ihr an, dass sie nicht wirklich hier war, ihre aufrechte Haltung nur ein vergangenes Bild der Prinzessin, die sie einmal gewesen zu sein schien, und die Blässe ihrer Haut mit den geröteten Augen zu der geisterhaften Erscheinung beitragend. Vor ihr stand eine Schale mit Trauben und Wein, Wasser, allesamt unangerührt und vergessen. Naila schien nicht einmal auf die Schritte zu reagieren, die sich ihr näherten.
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A Loss for Words - von Naila Castellanos - 06-09-2025, 07:05

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