03-03-2024, 16:05 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03-03-2024, 16:08 von Muirín Henaghen.)

Betont langsam aß die junge Prinzessin den Teller leer. Es war ihr egal, wenn die Gäste einen Moment warten mussten, sie hätten ja schließlich auch einen Boten voraus schicken können, der ihre Ankunft weiter im Voraus ankündigte, als nur wenige Minuten zuvor. Offenbar ging man aber als Priesterin davon aus, dass man sowieso immer und überall willkommen war (und wenn man den Herr des Hauses fragen würde, dann war sie das sicherlich auch!).
Mit einem theatralischen Seufzen, dass leer im Speisesaal verhallte, weil sie - wie so oft - alleine gegessen hatte, stand sie auf, strich sich das grüne Kleid glatt und fasste sich an die aufwendige Frisur, um zu testen, ob noch alles an Ort und Stelle war.
Ein gespieltes Lächeln fand den Weg auf ihre rosigen Lippen, als sie sich in Richtung ihrer Gäste bewegte, die sie jetzt zu beherbergen hatte. Dass sie diesbezüglich keinerlei Mitspracherecht hatte und die Tatsache, dass sie wusste, wie viel Wert ihr Vater auf ihre außerordentliche Gastfreundschaft legte, besserte ihre Laune nicht unbedingt.
Weit entfernt hörte sie das traurige 'Wiehern' eines Esels und hätte am liebsten die Hand vor den Mund geschlagen. Automatisch stellte sie sich das absurde Bild vor, wie der Esel zwischen ihren prächtigen Hengsten und Stuten stand.
Noch ehe Muirín genug Zeit hatte sich mental auf das folgende Gespräch einzustellen, sah sie die Priesterin Alys, die sofort zum Gruße die Hand hob. Das würde jetzt erst einmal ein bisschen dauern, bis sie mit ihrem Segensspruch fertig war. Ohne am Ende in das 'so sei es' mit einzustimmen, senkte sie respektvoll den Kopf und deutete eine Verbeugung an. Die Hände, die sich berührten, quittierte sie mit einem leichten Händedruck. "Hohepriesterin Alys, seid willkommen in unserem bescheidenen Heim, fühlt Euch wie zu Hause und sagt mir, sobald ich Euch etwas Gutes tun kann", begrüßte sie die eindrucksvolle Frau und hob ihren Blick. Sie konnte sich der Aura der Priesterin nicht erwehren, spürte ein Fingerkribbeln und eine nahezu unangenehme Wärme ihren Rücken herauf klettern. Sie machte Eindruck, keine Frage. Beinahe fürchtete Muirín gleich in Flammen aufzugehen oder an einer unheilbaren Krankheit dahin zu siechen, weil sie der Priesterin in Gedanken nicht genügend Respekt erwies, aber diesen Gedanken versuchte sie schnell wieder abzuschütteln. Sie war noch nie besonders abergläubisch gewesen.
"Entschuldigt, dass ich ohne Euch gespeist habe. Hätte ich gewusst, dass es Euch nach Ishcateslieve verschlägt, hätte ich nicht nur auf Euch gewartet, sondern unsere Köche angewiesen ein besonderes Mahl zu zaubern", säuselte sie liebevoll und neigte abermals den Kopf.
