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Kriege sind einfacher als Töchter
11.10.1016 - 10:00
Festung, Kenmaras | Zimmer von Moira Fraser
Eanruig Fraser Moira Fraser

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Moira Fraser
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#4
Moira senkte auf seine Frage hin kurz das Kinn.  Nur leicht, ein kaum wahrnehmbares Nicken, das dennoch die Erlaubnis war, die er im Grunde nicht brauchte. Natürlich durfte er sich setzen. Zudem hatte er sich immer dort niedergelassen, im Erker ihres Gemachs, wo das gleißende Licht der Morgensonne hereinfiel und die schweren Mauern wärmte. Der Platz war wie für ihn geschaffen: still, beständig, und unbeugsam. Als Kind hatten sie dort oft gemeinsam gesessen, sie dicht an seiner Seite, während er ihr kleine Figuren aus Treibholz schnitzte. Schiffe, meistens, gelegentlich die Seevögel, die dem Sturm an den Klippen trotzten. Sie hatte zugesehen, wie geschickt seine großen Pranken das winzige Schnitzmesser führten, wie Splitter sich in seinem Schoß sammelten und manchmal neue Formen daraus wuchsen. Gelegentlich hatte er ihr die Messerarbeit überlassen, jedoch eher selten und nie für lange. Meist war er zu streng mit sich selbst, zu vorsichtig mit ihr. Und doch waren das die Stunden gewesen, in denen sie ihn wirklich gesehen hatte: ihren Vater, nicht den Fürsten. Und doch war es nie oft genug gewesen.

Nun saß er dort, wo sie als Kind in seiner Umarmung gelehnt hatte, den staunenden Blick auf seine erschaffenden Finger gerichtet, und das Licht, das durch das schmale Fenster fiel, warf scharfe Schatten auf seine markanten Züge. Sie sah, dass er müde war. Erschöpft vielmehr. Aber was immer er fühlte, er ließ es nicht zu ihr durch. In dieser Fähigkeit war er Cathal erschreckend ähnlich: Beide Männer aus demselben Holz geschnitzt, beide mit dem Talent, andere zu sehen und dabei sich selbst zu verbergen. Sie beobachtete ihren Vater, prüfend und abwägend. Das Halblächeln, das seine Züge einen Tick weicher werden ließ, machte es ihr nicht leichter, denn sie wusste nicht, ob es Nachsicht war oder Belustigung. Vielleicht beides. Es war das Lächeln eines Mannes, der viel mehr dachte, als er preisgab. Und sie fragte sich, ob er vielleicht schon entschieden hatte, was sie sagen durfte, oder ob er ihr tatsächlich erlaubte, zu sprechen.

Als er sprach, klang er beinahe gelassen, und doch lag etwas in seiner Stimme, das sie sich anspannen ließ. Er wollte, dass sie sprach. Dass sie alles sagte, was in ihr brannte. Vielleicht war es eine Falle, aber vielleicht auch der Versuch, Frieden zu stiften. Sie wusste es nicht, und genau das machte sie vorsichtig. Moira verschränkte die Hände im Schoß, um sich daran zu hindern, zu gestikulieren. Sie wusste, dass sie es zu gerne tat und es sich einfach nicht geziemte. Ihr Zorn war nicht verraucht, lediglich gebändigt, wie eine Flamme, die in einer Laterne gefangen war. „Ich frage mich“, begann sie langsam, die Stimme kontrolliert, „ob Maebh glaubt, man müsse Gäste vor uns schützen.“ Die Worte fielen leise, bedacht, ohne Schärfe, aber mit einem eindeutigen Gewicht. „Vor mir, vor Niamh. Als wären wir Kinder, die man nicht vorzeigen kann.“ Sie atmete aus, blickte auf den dunklen Rand ihres Tintenfasses. „Oder als fürchtete sie, dass besonders ich nicht wüsste, wie man sich benimmt.“

Sie hätte lauter sprechen können. Schneller. Aber sie wollte ihn zwingen, zuzuhören. Hinzuhören. „Bestimmt wollte sie Harmonie, oder wenigstens den Anschein davon. Vielleicht fürchtete sie, dass ich zu ehrlich bin.“ Ihre Lippen verzogen sich zu einem dünnen, beinahe spöttischen Lächeln. Denn sollte das Maebhs Intention treffen, so war sie nicht falsch. Im Gegenteil. Dann verstummte die Prinzessin für einen Moment, um die Reaktion in den Augen ihres Vaters zu suchen – den kleinsten Funken, der ihr verraten könnte, ob sie zu weit gegangen war. Aber da war nur dieses ruhige, unbewegte Meer, das er in sich trug, und sie kam sich plötzlich sehr jung vor. „Ich verstehe einfach nicht“, fuhr sie leiser fort, „warum man mich nicht an Cathals Seite ließ. Ich wäre ihm kein Hindernis gewesen. Im Gegenteil.“  Sie richtete sich ein Stück weiter auf und konnte nun doch nicht mehr verhindern, unschicklich zu gestikulieren, indem sie beide Hände in die Luft warf, als würde sie vom Fürsten verlangen, ihr die ungeschönte Wahrheit zu sagen. „Hat sie sich wirklich so benommen? So ungehobelt, wie man sagt?“ Ihre Stimme klang weiterhin nüchtern, beinahe sachlich, aber das glühende Interesse darunter war echt – eine Mischung aus Sorge und Stolz, die sich nicht trennen ließ.
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