08-11-2025, 17:24 - Wörter:
Moira atmete ein Mal schwer aus, als ihr Bruder sich ein Stück von ihr entfernte, und sie spürte, wie die Sicherheit versprechende Wärme seines Körpers verschwand, als hätte jemand eine Kerze gelöscht. Noch eben hatte sie diese Nähe in jeder Faser gespürt, Energie aus seiner Stimme, seinem Atem, seiner Hand gezogen, die beruhigend über ihren Rücken gestrichen war, und nun blieb nur das Echo davon zurück. Nach dem Tod ihrer Mutter realisierte sie nur in diesen Momenten mit Cathal, dass das Ausbleiben einer Berührung schmerzhaft sein konnte.
Ihr Blick suchte den seinen, obwohl sie wusste, dass er ihn nicht erwidern würde. Dieses Lächeln, das er ihr schenkte – schief, echt, so selten –, war ihr dennoch genug. Ein Lächeln, das nicht der höfischen Etikette entsprang, kein Maskenspiel war, sondern etwas, das sie mit ihm verband, seit sie denken konnte. Es war ihres, ganz und gar. Und das Wissen darum brannte in ihrer Brust – warm und schmerzhaft zugleich. Vermutlich war es töricht, aber Moira war sich in diesem Moment sicher, dass sie diese Vertrautheit mit niemandem teilen wollte. Nicht mit einer Fremden, die morgen in Kenmara ankommen würde, mit einer Frau, die ihren Bruder ehelichen würde, nur weil es politisch so beschlossen worden war. Der Gedanke daran, dass jemand anderes ihn künftig so selbstverständlich berühren würde, machte ihr Herz schwer. Und sie wusste, dass sie daran arbeiten musste – daran, ihn loszulassen. Daran, ihren Platz neu zu finden in einem Leben, das bald anders sein würde.
Seine Worte klangen nach, sanft und ruhig, aber mit einer Unterströmung, die sie nur allzu gut kannte. Er rechnete mit ihr. Zählte auf sie. Kannte sie. Er wusste, dass sie nicht wegsehen würde, wenn etwas – oder jemand – zu nahe an sein Herz kam. Sie atmete tief durch, versuchte vergeblich, die leise Bitterkeit in ihr zu glätten. Moira trat einen Schritt zurück, verschränkte die Hände vor sich, um die plötzliche Distanz zwischen ihnen zu zähmen. Sie nickte kaum merklich, mehr zu sich selbst als zu ihm. “Sie wird es merken. Hoffen wir nur, dass sie genug Schneid hat, um es mit erhobenem Haupt zu ertragen. Noch mehr weibisches Getue ertrage ich nicht“, erwiderte sie leidgeprüft und bezog sich auf Niamh, die mit ihrer besonderen Art regelmäßig Moiras Geduld prüfte.
Aber so sehr sie ihm zustimmen wollte – etwas in ihr sträubte sich. Die Sicherheit in seiner Stimme, diese Selbstverständlichkeit, dass alles seinen Weg finden würde, erschreckte sie. Die Welt veränderte sich, oft schneller, als die Prinzessin mit ihren beschränkten Möglichkeiten hinterherkam. Und sie fürchtete, dass diese Veränderung zwischen den Geschwistern zur Gewohnheit werden könnte. Dass die Distanz, die sie in der letzten Zeit verspürte, keine Ausnahme gewesen war, sondern ein neuer Anfang. „Ich habe Angst, Cathal“, sagte sie schließlich zögerlich, fast gegen ihren Willen, denn sie hasste es, Schwäche in Worte zu fassen. Ihre Stimme war ruhig, aber sie hörte selbst, wie roh die Wahrheit darin klang. „Nicht vor ihr, oder vor dem, was kommt. Sondern davor, dass alles sich so rasch wandelt, dass wir es gar nicht bemerken, bis nichts mehr ist wie früher.“
Sie hielt den Blick auf ihn gerichtet, obwohl sie wusste, dass er ihre Regung nur im Tonfall lesen konnte. „Wenn sie erst da ist, wird alles anders werden. Für dich. Für uns.“ Ein Moment verstrich, ehe sie sich zusammennahm. Ihre Haltung wurde wieder gefasster. „Hat Vater mit dir über mich gesprochen?“ fragte sie schließlich, leiser, vorsichtiger, als fürchtete sie die Antwort. Moira wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war. Bald würde man auch sie verheiraten, wie ein Stück Land, das bestellt zu werden hatte. Aber was bedeutete schon Wohlstand und Sicherheit an der Seite irgendeines Fürsten, wenn dieser Umstand sie zwang, Kenmara zu verlassen? Ihren Bruder zu verlassen? Der Gedanke ließ sie unruhig werden. Sie konnte sich kein anderes Zuhause vorstellen als dieses; die hohen Mauern, den Wind, der durch die Zinnen sang, ihren Bruder stets einen Ruf entfernt.
Ihr Blick suchte den seinen, obwohl sie wusste, dass er ihn nicht erwidern würde. Dieses Lächeln, das er ihr schenkte – schief, echt, so selten –, war ihr dennoch genug. Ein Lächeln, das nicht der höfischen Etikette entsprang, kein Maskenspiel war, sondern etwas, das sie mit ihm verband, seit sie denken konnte. Es war ihres, ganz und gar. Und das Wissen darum brannte in ihrer Brust – warm und schmerzhaft zugleich. Vermutlich war es töricht, aber Moira war sich in diesem Moment sicher, dass sie diese Vertrautheit mit niemandem teilen wollte. Nicht mit einer Fremden, die morgen in Kenmara ankommen würde, mit einer Frau, die ihren Bruder ehelichen würde, nur weil es politisch so beschlossen worden war. Der Gedanke daran, dass jemand anderes ihn künftig so selbstverständlich berühren würde, machte ihr Herz schwer. Und sie wusste, dass sie daran arbeiten musste – daran, ihn loszulassen. Daran, ihren Platz neu zu finden in einem Leben, das bald anders sein würde.
Seine Worte klangen nach, sanft und ruhig, aber mit einer Unterströmung, die sie nur allzu gut kannte. Er rechnete mit ihr. Zählte auf sie. Kannte sie. Er wusste, dass sie nicht wegsehen würde, wenn etwas – oder jemand – zu nahe an sein Herz kam. Sie atmete tief durch, versuchte vergeblich, die leise Bitterkeit in ihr zu glätten. Moira trat einen Schritt zurück, verschränkte die Hände vor sich, um die plötzliche Distanz zwischen ihnen zu zähmen. Sie nickte kaum merklich, mehr zu sich selbst als zu ihm. “Sie wird es merken. Hoffen wir nur, dass sie genug Schneid hat, um es mit erhobenem Haupt zu ertragen. Noch mehr weibisches Getue ertrage ich nicht“, erwiderte sie leidgeprüft und bezog sich auf Niamh, die mit ihrer besonderen Art regelmäßig Moiras Geduld prüfte.
Aber so sehr sie ihm zustimmen wollte – etwas in ihr sträubte sich. Die Sicherheit in seiner Stimme, diese Selbstverständlichkeit, dass alles seinen Weg finden würde, erschreckte sie. Die Welt veränderte sich, oft schneller, als die Prinzessin mit ihren beschränkten Möglichkeiten hinterherkam. Und sie fürchtete, dass diese Veränderung zwischen den Geschwistern zur Gewohnheit werden könnte. Dass die Distanz, die sie in der letzten Zeit verspürte, keine Ausnahme gewesen war, sondern ein neuer Anfang. „Ich habe Angst, Cathal“, sagte sie schließlich zögerlich, fast gegen ihren Willen, denn sie hasste es, Schwäche in Worte zu fassen. Ihre Stimme war ruhig, aber sie hörte selbst, wie roh die Wahrheit darin klang. „Nicht vor ihr, oder vor dem, was kommt. Sondern davor, dass alles sich so rasch wandelt, dass wir es gar nicht bemerken, bis nichts mehr ist wie früher.“
Sie hielt den Blick auf ihn gerichtet, obwohl sie wusste, dass er ihre Regung nur im Tonfall lesen konnte. „Wenn sie erst da ist, wird alles anders werden. Für dich. Für uns.“ Ein Moment verstrich, ehe sie sich zusammennahm. Ihre Haltung wurde wieder gefasster. „Hat Vater mit dir über mich gesprochen?“ fragte sie schließlich, leiser, vorsichtiger, als fürchtete sie die Antwort. Moira wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war. Bald würde man auch sie verheiraten, wie ein Stück Land, das bestellt zu werden hatte. Aber was bedeutete schon Wohlstand und Sicherheit an der Seite irgendeines Fürsten, wenn dieser Umstand sie zwang, Kenmara zu verlassen? Ihren Bruder zu verlassen? Der Gedanke ließ sie unruhig werden. Sie konnte sich kein anderes Zuhause vorstellen als dieses; die hohen Mauern, den Wind, der durch die Zinnen sang, ihren Bruder stets einen Ruf entfernt.
