23-11-2025, 20:37 - Wörter:
Die Fürstin hielt inne und ihr Blick lag für einen Moment lang sehr ruhig auf der jüngeren Frau. Dann neigte sie den Kopf.
„Aufgrund meines eigenen moralischen Kompass fühle ich mich dazu verpflichtet dir mitzuteilen, dass niemand dich am weglaufen hindern kann, Muírín. Das Weglaufen kannst du schon erledigen, aber das was danach kommt könnte eben ausgesprochen unangenehm sein.“
Und darin lag Maebhs Expertise nach eben ein entschiedener Unterschied.
Es war wirklich nicht so, als hätte sie nicht absolut nachvollziehen können, dass ihre zukünftige Schwiegertochter darüber nachdachte, davonzulaufen. Irgendwohin, vermutlich, wo man sie nicht kannte und wo sie sich mit diesen Dingen, die sie hier erwarteten, nicht auseinandersetzen mussten.
Aber die Realität holte einen am Ende immer ein. Und sie hatte fürchterliche Überraschungen für einen, wenn man glaubte, das man ihr entkommen konnte.
„Du bist kein Feigling“, stellte sie also fest. „Du bist eine mutige junge Frau und so solltest du dich auch verhalten. Wir sind noch nicht so weit“, fuhr sie fort, „dass wir Frauen selbst für uns entscheiden dürfen. Wir müssen uns noch immer mit dem arrangieren, was wir haben. Das ist eben so. Das lässt sich leider nicht ändern. Aber es gibt Mittel und Wege, wie man als Frau dennoch ein angenehmes und einigermaßen erfülltes Leben führen kann. Ich kann dir diese Wege zeigen.“
Auch wenn es im Grunde die Aufgabe des Mädchens gewesen wäre, das zu tun. Sie vorzubereiten und auszubilden. Ihr die Flaußen auszutreiben.
Das war nicht geschehen, die Götter wussten warum.
Sie hing noch den eigenen Gedanken nach, als Muírín die nächste Frage an sie richtete. Und Maebh damit auf einem denkbar schlechten Fuß erwischte.
Nicht, weil die Fürstin wütend reagiert hätte. Nein. Maebh wurde ohnehin ausgesprochen selten überhaupt auch nur ungehalten.
Stattdessen wurde sie blass vor Schreck und schien für einen erschreckend langen Moment die eigene Fassung völlig zu verlieren. Ihr Mund öffnete sich, stumm und erschrocken, dann schloss er sich wieder, während ihre Lippen eine schmale Linie bildeten.
Sie wusste nicht, wie sie diese Frage beantworten sollte.
Damit, dass sie Schuld daran war, dass man Cathal den Anspruch auf den Thron abgesprochen hatte? Obwohl das gar nicht ihre Entscheidungen gewesen wäre? Sie hatte es nur in den Raum gestellt und ihr Mann hatte sich so bereitwillig daraufgestürzt, dass Maebh ihn nicht mehr hatte bremsen können. Seitdem war das Verhältnis noch kühler, als ohnehin schon.
„Wir… haben keine enge Beziehung zueinander. Ich bin eben nicht ihre Mutter sondern die Frau, die ihr Vater später geheiratet hat, weil er eine Lebensschuld erfüllen musste.“
Ja.
Ja, das klang brauchbar.
Und es war die Wahrheit, auch wenn Maebh nun ihrerseits diejenige war, die den Blick zu der Jüngeren lieber mied.
Und umso erleichterter nahm sie den Themenwechsel an, bei dem es hoffentlich bleiben würde.
„Ich bin mir sicher, dass lässt sich einrichten. Ich werde später mit Eanruig sprechen. Und im Zweifel leistest du einfach mir Gesellschaft und wir sprechen bei einem Becher Wein einfach über alles, was uns einfällt und genießen den Abend, sobald Aedan schläft.“
Für gewöhnlich war der Kleine aber auch einfach dazu zu bringen, schlafen zu gehen und anstrengend war er in dieser Hinsicht nicht.
Er kam eher nach seinem Vater. Er konnte überall schlafen, solange es nur ruhig genug war.
Mitfühlend musterte Maebh Muírín.
„Man kann sich immer vorbereiten. Und sei es nur, dass du Liebe und Zuversicht bekommst. Es wird schon alles gut werden.“
„Aufgrund meines eigenen moralischen Kompass fühle ich mich dazu verpflichtet dir mitzuteilen, dass niemand dich am weglaufen hindern kann, Muírín. Das Weglaufen kannst du schon erledigen, aber das was danach kommt könnte eben ausgesprochen unangenehm sein.“
Und darin lag Maebhs Expertise nach eben ein entschiedener Unterschied.
Es war wirklich nicht so, als hätte sie nicht absolut nachvollziehen können, dass ihre zukünftige Schwiegertochter darüber nachdachte, davonzulaufen. Irgendwohin, vermutlich, wo man sie nicht kannte und wo sie sich mit diesen Dingen, die sie hier erwarteten, nicht auseinandersetzen mussten.
Aber die Realität holte einen am Ende immer ein. Und sie hatte fürchterliche Überraschungen für einen, wenn man glaubte, das man ihr entkommen konnte.
„Du bist kein Feigling“, stellte sie also fest. „Du bist eine mutige junge Frau und so solltest du dich auch verhalten. Wir sind noch nicht so weit“, fuhr sie fort, „dass wir Frauen selbst für uns entscheiden dürfen. Wir müssen uns noch immer mit dem arrangieren, was wir haben. Das ist eben so. Das lässt sich leider nicht ändern. Aber es gibt Mittel und Wege, wie man als Frau dennoch ein angenehmes und einigermaßen erfülltes Leben führen kann. Ich kann dir diese Wege zeigen.“
Auch wenn es im Grunde die Aufgabe des Mädchens gewesen wäre, das zu tun. Sie vorzubereiten und auszubilden. Ihr die Flaußen auszutreiben.
Das war nicht geschehen, die Götter wussten warum.
Sie hing noch den eigenen Gedanken nach, als Muírín die nächste Frage an sie richtete. Und Maebh damit auf einem denkbar schlechten Fuß erwischte.
Nicht, weil die Fürstin wütend reagiert hätte. Nein. Maebh wurde ohnehin ausgesprochen selten überhaupt auch nur ungehalten.
Stattdessen wurde sie blass vor Schreck und schien für einen erschreckend langen Moment die eigene Fassung völlig zu verlieren. Ihr Mund öffnete sich, stumm und erschrocken, dann schloss er sich wieder, während ihre Lippen eine schmale Linie bildeten.
Sie wusste nicht, wie sie diese Frage beantworten sollte.
Damit, dass sie Schuld daran war, dass man Cathal den Anspruch auf den Thron abgesprochen hatte? Obwohl das gar nicht ihre Entscheidungen gewesen wäre? Sie hatte es nur in den Raum gestellt und ihr Mann hatte sich so bereitwillig daraufgestürzt, dass Maebh ihn nicht mehr hatte bremsen können. Seitdem war das Verhältnis noch kühler, als ohnehin schon.
„Wir… haben keine enge Beziehung zueinander. Ich bin eben nicht ihre Mutter sondern die Frau, die ihr Vater später geheiratet hat, weil er eine Lebensschuld erfüllen musste.“
Ja.
Ja, das klang brauchbar.
Und es war die Wahrheit, auch wenn Maebh nun ihrerseits diejenige war, die den Blick zu der Jüngeren lieber mied.
Und umso erleichterter nahm sie den Themenwechsel an, bei dem es hoffentlich bleiben würde.
„Ich bin mir sicher, dass lässt sich einrichten. Ich werde später mit Eanruig sprechen. Und im Zweifel leistest du einfach mir Gesellschaft und wir sprechen bei einem Becher Wein einfach über alles, was uns einfällt und genießen den Abend, sobald Aedan schläft.“
Für gewöhnlich war der Kleine aber auch einfach dazu zu bringen, schlafen zu gehen und anstrengend war er in dieser Hinsicht nicht.
Er kam eher nach seinem Vater. Er konnte überall schlafen, solange es nur ruhig genug war.
Mitfühlend musterte Maebh Muírín.
„Man kann sich immer vorbereiten. Und sei es nur, dass du Liebe und Zuversicht bekommst. Es wird schon alles gut werden.“
