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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

They were so easy to love

Linearer Modus
Szeneninformationen
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
14. Oktober 1016
Ort
Palastgärten der Castellanos
Tageszeit
14:30
#17
Prinzessin und Gesellschafterin funktionierten in stummer Symbiose, in ständigem Einklang aus jahrelanger Übung. Als man Naila damals Rajani zum Spielen vorgestellte hatte, eine Tochter aus reichem, doch nicht adeligem Hause, hatte man nicht träumen können, was für eine enge Beziehung die beiden einmal zueinander pflegen würden. Wie eng sich die Prinzessin an ein Mädchen binden würde, das sie durch ihr Heranwachsen begleiten würde. Doch saßen sie hier, die eine sprudelnd, die andere im Einklang mit der Stille, in die sie sich selbst hüllte, während sie lauschte. Und wenn Rajani Fehler machte, dann waren es schöne Fehler, in Unschuld und Nichtwissen eine Naivität zeichnend, die kein Schmerz auf der Welt zunichte machen durfte. Wenn sie unsicher zu Naila blickte, dann war es kein Halt, an den sie sich klammerte, sondern nur die Suche nach Bestätigung, die ihr mit einem kleinen Lächeln zugesprochen wurde. Pfaue konnten tatsächlich fliegen entgegen den langen Federn, die sie stolz hinter sich herzogen wie eine Schleppe. Keine langen Strecken, vielleicht ein paar Meter, weswegen sie sich nie die Blöße gaben, es im Palastgarten zu tun. Wofür auch? Dort wurden sie gefüttert und achtsam von dem einen Löwen ferngehalten, der in einem anderen Teil des Gartens in seinem Gehege residierte. Alles, was ihnen gefährlich werden konnte, war der Mensch selbst, der sie gelegentlich des Kleides beraubte, um schöne Fächer daraus herzustellen. Aber wie Sklaven zuckten sie nicht vor der Hand zurück, die ihnen Futter gab und gleichzeitig ein kurzes Ende bedeuten könnte.

Aurora war angetan von der Erzählung und Naila verstand, dass es für die Ältere keine Richtigkeit in der Erzählung geben musste, um ihre Fantasie anzuregen. Es reichte die Begeisterung, mit der Rajani, die Lebendigkeit, mit der sie gestikulierte und ein sachtes Ausweichen von Naila erfolgte, damit sie ihren Keks nicht verlor. Bald blieben nur noch kleine Krümel auf ihren Fingerspitzen übrig, die sie an einem weißen Tuch abwischte und neben den Naschteller legte. Rajani merkte an, dass die Sonne untergehen würde, und Naila neigte ihren Kopf in den Nacken, bis das Laub goldene Muster auf ihrem Gesicht zeichnete.
„Lasst uns den Sonnenuntergang an den Klippen betrachten“
, schlug sie mit samtener Stimme vor, obwohl sie wusste, dass niemand ihr Angebot ausschlagen würde. Es gehörte sich nicht für jemanden von Rang und Namen wie Aurora, sich etwas auf ihr eigenes Befinden einzubilden, auch wenn Naila ihr in ihrem Ton offensichtlich die Wahl ließ. Das war das Privileg einer Hochwohlgeborenen, und die Prinzessin hatte die Regeln bereits mit dem ersten goldenen Löffel im Mund auswendig gelernt.
Sorgfältig legte Naila die Laute vor sich ab und richtete sich in einer fließenden Bewegung auf. Ihre Finger zogen den Schal, der bisher in den Armbeugen geruht hatte, über ihr Haupt, um ihren Kopf vor der Sonne zu schützen und Anstand zu wahren, während sie in Begleitung von Rajani und Aurora den idyllischen Ort zwischen den Lorbeerhainen verließ. Auf dem Weg rief ihr eine junge Stimme entgegen und Nailas Lächeln weitete sich. Sie begrüßte ihre Schwester, so wie Elithea und Aanya an ihrer Seite. Im Rhythmus von Ranyas Stimme, die aufgeregt wiederholte, was sie heute gelernt hatte, wandte die Sonne sich langsam dem Horizont zu und tauchte den Himmel in ein rötliches Licht, das sie ein wenig an ihre Heimat erinnerte. Dort verbrannte die Sonne den Horizont, hier glühte sie nur. Doch war das so schlimm? Leben und Orte veränderten sich. Es war nicht in der Natur des Menschen, ständig nur an einem Fleck zu verweilen, und während der Gedanke Naila vor wenigen Wochen noch zum Denken angeregt hatte, stellte sie fest, dass er ihr gar keine Sorgen mehr bereitete. Was, wenn Zuhause nicht ein Ort war, sondern die Menschen, die den Ort füllten? Alles veränderte sich mit den Menschen; veränderte man sich selbst also auch, wenn man neue Menschen in sein Leben ließ?
Während Naila die Sonne beim Untergehen beobachtete, fühlte sie sich nicht fremd. Die Strahlen wärmten ihre Haut von außen, doch das Gefühl wärmte sie von innen. Ohne es auszusprechen, wusste sie, dass sie angekommen war. Dafür hatte sie ihre Heimat nicht loslassen, sondern nur neue Menschen in ihrem Leben willkommen heißen müssen, und sie wusste, dass es sie stärker machte als je zuvor.

Szenenende
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Nachrichten in diesem Thema
They were so easy to love - von Naila Castellanos - 27-12-2024, 19:34
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 31-12-2024, 17:37
RE: They were so easy to love - von Elithea Trakas - 07-01-2025, 23:52
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 12-01-2025, 17:02
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 26-01-2025, 07:10
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 01-03-2025, 12:04
RE: They were so easy to love - von Elithea Trakas - 08-03-2025, 23:14
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 19-03-2025, 21:00
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 05-04-2025, 10:56
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 13-05-2025, 15:50
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 21-05-2025, 21:15
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 31-05-2025, 05:28
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 13-06-2025, 18:00
RE: They were so easy to love - von Aurora Acilius - 16-07-2025, 20:25
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 27-07-2025, 11:33
RE: They were so easy to love - von Rajani Parikh - 20-09-2025, 17:54
RE: They were so easy to love - von Naila Castellanos - 26-11-2025, 15:59