17-01-2026, 12:44 - Wörter:
Das war also Ivar, wie er lebte und er war froh, dass er diese Freude mit Sanna teilen konnte. Er wusste besser als jeder andere, dass sie nicht viel in ihrer Kindheit zum lachen gehabt hatte, und sie nun lächeln zu sehen - mit dieser schiefen, gestandenen Art, als würde sie sich über den Zustand der Welt amüsieren - weckte Erinnerungen an die wenigen glücklichen Momente, die sie zusammen verbracht hatten. Nicht immer war alles mit Gewalt und Leid versehen; der Söldner hatte nur gelernt, den guten Erinnerungen genauso wenig Wert beizumessen wie den schlechten Erinnerungen. Seine Welt war so einfach, weil er alles, was sich nicht mit seinen Schwertern oder Gold lösen ließ, permanent ausschloss. Deswegen runzelte sich auch seine Stirn so verständnislos, als seine Schwester berichtete, dass Eneas nicht mehr mit ihnen war.
Aber das hatte Zeit. Wenigstens mit Tyra in der Stadt hatte er es nicht mehr ganz so eilig, seine Beine in die Hand zu nehmen, auch wenn er matschige, weite Wiesen jederzeit den ächzenden Pflastersteinen von Spring’s Court vorzog.
Ivar schnaubte und schulterte erneut den Reisesack.
Als Ivar an diesem Abend tatsächlich alleine in der Gaststube saß mit einer Frau auf seinem Schenkel und einem Metkrug in der Hand, erwischte er sich aber dabei, dass er sich nicht Eneas an seine Seite wünschte. Es war Sanna, von der er sich fragte, ob sie ihn mittlerweile doch unter den Tisch trinken konnte.
Ende
“Versteh ich nicht. Er verschwindet nie, ohne ein Wort zu sagen”
, erwiderte er und überlegte, ob er sich in den nächsten Tagen nach ihm auf die Suche machen wollte.Aber das hatte Zeit. Wenigstens mit Tyra in der Stadt hatte er es nicht mehr ganz so eilig, seine Beine in die Hand zu nehmen, auch wenn er matschige, weite Wiesen jederzeit den ächzenden Pflastersteinen von Spring’s Court vorzog.
“Bei der alten Hexe?”
, fragte er nach und nahm die Hände wieder runter. Sicher kannte er Gerda, die war aber ein paar Ecken mehr vom goldenen Esel entfernt. Die Frage nach dem Warum wurde immerhin gleich beantwortet, was ihn erst schweigen ließ. Er hatte nicht viel mit Mitleid am Hut und wusste, dass Tyra ihm für jeden Anflug die Schädeldecke eintreten würde. Aber er konnte auch nicht umhin, sich mehr zu wünschen als nur ein Ihr geht es nicht gut. Weil, ja, warum denn? Hat sie sich nen Schnupfen gefangen? Siechte sie unter nem üblen Armbruch dahin? Monatliche Blutungen? Er hätte Sannas Einladung nicht gebraucht, denn er hatte davor schon entschieden, vorbeizuschauen. Mehr Jetzt als Bald, wenn man ihn fragte, aber auch auf Ivars Liste standen noch ein paar Läden, die er heute hatte besuchen wollen.“Hm.”
Er nickte und neigte seinen Blick ebenfalls auf das kleine Mädchen, von dem er sich nicht vorstellen konnte, dass es mit ihm verwandt sein sollte. Lange hatte er nichts mit Familie am Hut haben wollen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit relativ hoch war, dass da draußen irgendwo ein Balg von ihm rumlief. Doch wenn er das Mädchen so bedachte, mit den dunklen Augen, dem wachen, mutigen Blick und den kleinen Händen…Ivar schnaubte und schulterte erneut den Reisesack.
“Ja, ich muss auch noch was erledigen.”
Er folgte Sanna die paar Schritte zurück aus der Gasse, bis sie am Rande des Marktes standen und offensichtlich wurde, dass ihre Ziele vermutlich in anderen Richtungen lagen. “Ich komm in den nächsten Tagen vorbei. Und, äh…”
Noch einmal sah er seiner Schwester ins Gesicht, ohne wirklich zu wissen, was er sagen sollte. Was er fühlen sollte. Was er fühlen wollte. Wenn er wenigstens Eneas hätte, mit dem er sich jetzt hätte betrinken können. “Pass auf dich auf.”
Als Ivar an diesem Abend tatsächlich alleine in der Gaststube saß mit einer Frau auf seinem Schenkel und einem Metkrug in der Hand, erwischte er sich aber dabei, dass er sich nicht Eneas an seine Seite wünschte. Es war Sanna, von der er sich fragte, ob sie ihn mittlerweile doch unter den Tisch trinken konnte.
Ende
