24-01-2026, 17:25 - Wörter:
Seine Finger legten sich unter ihr Kinn und zwangen ihren Kopf nach oben. Er baute den Blickkontakt zu ihr auf, zwang sie dazu, ihm ins Gesicht zu schauen. Sie konnte sich nicht gegen ihn wehren. Sie hatte nicht einmal das Bedürfnis, sich zu wehren. Sie wollte einfach in seine Augen sehen und wünschte sich, dass er die Welt für sie in Ordnung brachte. Dann hätte sie gar nicht lügen müssen. Hätte sich nie schlecht fühlen müssen. Aber die Welt war kein Märchen. Sie war hart und unerbittlich. Und Maebh hatte lernen müssen, darin zu funktionieren. Es war völlig gleich, wie sie sich dabei fühlte. War ihm das nicht bewusst?
Fast lag ihr die Frage auf der Zunge, woher er wusste, dass sie log. Sie hatte sich ihm gegenüber doch nie verdächtig verhalten? Hatte ihm nie einen Grund gegeben zu glauben, dass sie ihn betrog? Doch jetzt stand er da und sagte ihr diese Sache so deutlich ins Gesicht.
Fast erwartete sie Zorn. Sie wartete darauf, dass er es als Waffe gegen sie nutzte. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen ergriff er ihre Hände. Beobachtete sie ruhig. Stumm. Er war kein Mann der großen Worte. Aber diese kleine Geste schaffte eine Verbindung zwischen ihnen. Ließ das filigran gewobenene Band stärker werden. Maebh fühlte sich angenommen. Umsorgt. Geliebt. Es war schön, dass er diese Gefühle in ihr weckte. Sie wollte mehr davon. Mehr von ihm. Mehr von seinen Händen zwischen ihren Fingern. Also intensivierte sie den Griff. Trat näher an ihn heran und seufzte leise.
«Es tut mir leid», murmelte sie dann schließlich. «Ich wünschte, es wäre mir egal. Und ich stünde über all dem. Aber ich fühle mich einsam, Eanruig. Ich wollte ihnen ... eine Freundin sein. Jemand, mit dem sie sprechen können. Aber ich stieß nur auf Abwehr und Misstrauen. Ich dachte, dass sich schon legen wird», fuhr sie fort. «Aber es wurde nicht besser. Und ich weiß, dass ich ihnen die Mutter nicht ersetzen kann. Aber das will ich auch gar nicht? Ich möchte einfach nur dazu gehören. Ihnen eine Freundin sein?»
Sie biss sich auf die Unterlippe und versuchte, dieses Gefühl, dass gerade in ihr aufkam, näher zu bestimmen. War es Liebe? Erleichterung? Fühlte sie sich gut? Glücklich? Mutig? Entschlossen? Sie wusste nicht, wie sie das Gefühl benennen sollte. Und ob es überhaupt einen Namen brauchte. Aber er hatte gerade mitten in ihr Herz gesehen und alles sichtbar gemacht. Hatte ihre Mauern eingerissen und nun stand er da. Sprach weiter. Davon, sie zu sehen. Sprach von Nähe. Von Familie. Von allem, was sie sich gewünscht hatte.
Maebh schloss die Finger fester um die seinen und schüttelte den Kopf. «Das waren sie nicht. Aber ich trage es ihnen nicht nach. Und ich will auch nicht, dass du das tust. Sie haben die Mutter verloren, Eanruig. Und du hast dich neu vermählt. Für sie muss ich eine unglaubliche Bedrohung sein. Ich möchte auch, dass wir Einfluss haben. Ich möchte, dass die Zukunft für unser Volk und unsere Kinder gesichert ist. Aber ich sehe den Grund nicht, das wir ein Kind mehr beschützen als alle anderen. Ich habe den festen Glauben, dass Cathal alles schaffen kann, was er sich vornimmt. Aber was sollte es bringen, ihm das zu sagen? Er wird es mir nicht glauben. In den Augen deiner Kinder bin ich die böse Stiefmutter.»
Sie ließ zu, wenn auch nur widerwillig, dass er ihre Verbindung zueinander unterbrach. Und hörte ihm ruhig zu. Auch sie sah zu dem gemeinsamen Sohn. Gab ihrem Mann Zeit, die eigenen Gedanken zu sortieren. Und lächelte dann ein wenig. «Komm mit», bat sie ihn und ging zu einer der Steinbänke, um sich hinzusetzen und sich ihm halb zuzuwenden, sodass sie ihren Sohn weiterhin im Blick hatte, aber einen Teil der Aufmerksamkeit auf ihren Mann legen konnte.
«Es konnte nur so verstanden werden. Es ist nichts, was du getan hast, Eanruig. Ich denke mehr es ist etwas, dass sie sehen wollen. Sie könnten auch fragen, weißt du? Sie könnten das Gespräch suchen. Ihr habt ein so enges Verhältnis... Aber ich denke, dass sie das nicht tun werden. Es ist einfacher, für die meisten Menschen, sich etwas zusammenzureimen und nach diesen Gedanken zu handeln.»
So war es schon immer gewesen, wie sie fand. Menschen urteilten. Und dann, wenn man Glück hatte, hinterfragten sie Dinge. Maebh war von Anfang an nicht davon ausgegangen, dass das gut gehen konnte. Sie hatte ja nicht einmal hier sein wollen.
«Du hattest deine Gründe, Liebling. Ja. Aber die Familie besteht auch mit Cathal weiter. Er ist nicht alleine. Und du , Eanruig, bist das auch nicht mehr. Du hast mich. Und wir stehen gemeinsam gegen den Sturm.»
Sie lächelte ein wenig schief und hob leicht die Schultern. «Das glaube ich nicht, dass es nur dadurch kam. Aber es hat es verstärkt, glaube ich. Ich weiß es selbst nicht genau.»
Fast lag ihr die Frage auf der Zunge, woher er wusste, dass sie log. Sie hatte sich ihm gegenüber doch nie verdächtig verhalten? Hatte ihm nie einen Grund gegeben zu glauben, dass sie ihn betrog? Doch jetzt stand er da und sagte ihr diese Sache so deutlich ins Gesicht.
Fast erwartete sie Zorn. Sie wartete darauf, dass er es als Waffe gegen sie nutzte. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen ergriff er ihre Hände. Beobachtete sie ruhig. Stumm. Er war kein Mann der großen Worte. Aber diese kleine Geste schaffte eine Verbindung zwischen ihnen. Ließ das filigran gewobenene Band stärker werden. Maebh fühlte sich angenommen. Umsorgt. Geliebt. Es war schön, dass er diese Gefühle in ihr weckte. Sie wollte mehr davon. Mehr von ihm. Mehr von seinen Händen zwischen ihren Fingern. Also intensivierte sie den Griff. Trat näher an ihn heran und seufzte leise.
«Es tut mir leid», murmelte sie dann schließlich. «Ich wünschte, es wäre mir egal. Und ich stünde über all dem. Aber ich fühle mich einsam, Eanruig. Ich wollte ihnen ... eine Freundin sein. Jemand, mit dem sie sprechen können. Aber ich stieß nur auf Abwehr und Misstrauen. Ich dachte, dass sich schon legen wird», fuhr sie fort. «Aber es wurde nicht besser. Und ich weiß, dass ich ihnen die Mutter nicht ersetzen kann. Aber das will ich auch gar nicht? Ich möchte einfach nur dazu gehören. Ihnen eine Freundin sein?»
Sie biss sich auf die Unterlippe und versuchte, dieses Gefühl, dass gerade in ihr aufkam, näher zu bestimmen. War es Liebe? Erleichterung? Fühlte sie sich gut? Glücklich? Mutig? Entschlossen? Sie wusste nicht, wie sie das Gefühl benennen sollte. Und ob es überhaupt einen Namen brauchte. Aber er hatte gerade mitten in ihr Herz gesehen und alles sichtbar gemacht. Hatte ihre Mauern eingerissen und nun stand er da. Sprach weiter. Davon, sie zu sehen. Sprach von Nähe. Von Familie. Von allem, was sie sich gewünscht hatte.
Maebh schloss die Finger fester um die seinen und schüttelte den Kopf. «Das waren sie nicht. Aber ich trage es ihnen nicht nach. Und ich will auch nicht, dass du das tust. Sie haben die Mutter verloren, Eanruig. Und du hast dich neu vermählt. Für sie muss ich eine unglaubliche Bedrohung sein. Ich möchte auch, dass wir Einfluss haben. Ich möchte, dass die Zukunft für unser Volk und unsere Kinder gesichert ist. Aber ich sehe den Grund nicht, das wir ein Kind mehr beschützen als alle anderen. Ich habe den festen Glauben, dass Cathal alles schaffen kann, was er sich vornimmt. Aber was sollte es bringen, ihm das zu sagen? Er wird es mir nicht glauben. In den Augen deiner Kinder bin ich die böse Stiefmutter.»
Sie ließ zu, wenn auch nur widerwillig, dass er ihre Verbindung zueinander unterbrach. Und hörte ihm ruhig zu. Auch sie sah zu dem gemeinsamen Sohn. Gab ihrem Mann Zeit, die eigenen Gedanken zu sortieren. Und lächelte dann ein wenig. «Komm mit», bat sie ihn und ging zu einer der Steinbänke, um sich hinzusetzen und sich ihm halb zuzuwenden, sodass sie ihren Sohn weiterhin im Blick hatte, aber einen Teil der Aufmerksamkeit auf ihren Mann legen konnte.
«Es konnte nur so verstanden werden. Es ist nichts, was du getan hast, Eanruig. Ich denke mehr es ist etwas, dass sie sehen wollen. Sie könnten auch fragen, weißt du? Sie könnten das Gespräch suchen. Ihr habt ein so enges Verhältnis... Aber ich denke, dass sie das nicht tun werden. Es ist einfacher, für die meisten Menschen, sich etwas zusammenzureimen und nach diesen Gedanken zu handeln.»
So war es schon immer gewesen, wie sie fand. Menschen urteilten. Und dann, wenn man Glück hatte, hinterfragten sie Dinge. Maebh war von Anfang an nicht davon ausgegangen, dass das gut gehen konnte. Sie hatte ja nicht einmal hier sein wollen.
«Du hattest deine Gründe, Liebling. Ja. Aber die Familie besteht auch mit Cathal weiter. Er ist nicht alleine. Und du , Eanruig, bist das auch nicht mehr. Du hast mich. Und wir stehen gemeinsam gegen den Sturm.»
Sie lächelte ein wenig schief und hob leicht die Schultern. «Das glaube ich nicht, dass es nur dadurch kam. Aber es hat es verstärkt, glaube ich. Ich weiß es selbst nicht genau.»
